Personalisierte Krebsvakzinen gelten als Hoffnungsträger der Onkologie. Ein Blick zurück zeigt: Die Grundlagen dafür wurden in Wien bereits vor drei Jahrzehnten erforscht.
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Sollte sich mit der seit kurzem in klinischen Studien erprobten Kombination von Immuncheckpoint-Inhibitoren und mRNA-Krebsvakzinen ein gangbarer Weg zur Behandlung schwerer Tumorerkrankungen eröffnen, würde sich damit ein alter Traum erfüllen.
An der Universitäts-Hautklinik in Wien wurde gemeinsam mit dem deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim bereits ab Ende 1994 eine Melanom-Vakzine erprobt.
Erste Versuche in den 80er Jahren
International zu den Pionieren gehörte ab Mitte der 1980er-Jahre der US-Wissenschafter Steven Rosenberg vom nationalen US-Krebsinstitut (NCI). Er und sein Team versuchten, therapeutische Krebsvakzine zu entwickeln, die aber nur bei 2,6 Prozent der Behandelten einen Effekt zeigten. Die Krebsimpfstoffe basierten auf Antigenen der bösartigen Zellen von Patienten. Hinzu kamen Injektionen des Immunbotenstoffes Interleukin-2 (IL-2), was allerdings zu schweren Nebenwirkungen führte.
Einen der international vielen Entwicklungsversuche dazu, speziell zum malignen Melanom, gab es ab Ende 1994 mit einer klinischen Studie an der Universitäts-Hautklinik mit einem Team um den Immundermatologen Georg Stingl. In den vorangegangenen Jahren waren am Institut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien unter dem damaligen Institutsleiter Max Birnstiel neue Verfahren zur Herstellung von Krebsimpfstoffen entwickelt worden. Bei der Wien-Niederlassung des deutschen Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim war eine regelrechte Krebsimpfstoff-Produktion etabliert worden.
Tumorzellen von Patienten genetisch verändert
Auch damals ging es um einen individualisierten Krebsimpfstoff. Er bestand aus jeweils einem Patienten entnommenen Krebszellen, in die man das Gen für den Immunbotenstoff Interleukin-2 einschleuste. Weiters wurden die Zellen durch Bestrahlung unfähig zur Vermehrung gemacht. Die Vakzine sollte die Immunabwehr gegen das Melanom ankurbeln.
Am 15. Februar 1995 war es im Rahmen einer für rund ein Dutzend Probanden geplanten klinischen Studie der Phase I - auf Verträglichkeit, noch längst nicht auf Wirksamkeit – am Wiener AKH soweit: Eine 44-jährige Patientin, die im fortgeschrittenen Stadium an einer Melanom-Erkrankung litt, erhielt in einer ersten Sitzung zehn Injektionen mit jeweils 300.000 der gentechnisch veränderten Krebszellen aus ihrem eigenen Körper.
Durch das Einfügen des Gens für Interleukin-2 in die Zellen, sollte die Produktion des Immunbotenstoffs im Körper der Probanden selbst ablaufen. Das sollte auch die hohen Dosierungen wie bei den Studien von Rosenberg vermeiden helfen.
Die Forschung geht weiter
Die schließlich in Wien und Würzburg und Freiburg mit der am IMP entwickelten Krebsvakzine durchgeführte Studie umfasste am Ende rund zwei Dutzend Personen mit sehr fortgeschrittener Melanom-Erkrankung. Heilung war nicht zu erwarten. Aber es wurde beispielsweise bei zwei der ersten zehn mit den geplanten vier Dosen des Impfstoffes Behandelten zumindest vorübergehend zu einer Stabilisierung des Tumorleidens.
Das Projekt wurde allerdings schließlich beendet und blieb einer der international vielen Versuche, Krebsvakzine zu entwickeln. Doch die Forschung ging weiter. Mit der mRNA-Technologie steht mittlerweile eine ganz neue Plattform auch für solche Vakzine zur Verfügung. Neben dem US-Impfstoffunternehmen Moderna gibt es derartige Projekte auch von dem deutschen mRNA-Vakzine-Entwickler BioNTech.





