Gesundheitspersonal verteilt Desinfektionsmittel und misst Fieber, um die dabei zu helfen, den Ebola-Ausbruck in der Demokratischen Republik Kongo einzudämmen.
©Anadolu Agency, ImagoJeder Dritte in der stark betroffenen kongolesischen Provinz Ituri leugnet die Ansteckungsgefahr der Viruserkrankung. Ausbruch im Kongo laut Experten politisch mitverschuldet.
Gesundheitsexperten orten fehlendes politisches Handeln als Grund für die rapide Verbreitung des Ebola-Virus in der Demokratischen Republik Kongo.
Der Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation treffe den globalen Süden stark, sagte Julia Stoffner von "Brot für die Welt" am Dienstag vor Journalisten in Wien. "Zudem ist der Bereich globale Gesundheit insgesamt gebeutelt", so die Expertin. Auch Länder wie Frankreich oder Deutschland hätten zu viele Mittel gekürzt.
Multiple Krisen als Brandbeschleuniger
Außerdem sei der Kongo durch multiple Krisen vorbelastet, betonte Gisela Schneider, ehemalige Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm): "Wir arbeiten hier in Communitys, die hochtraumatisiert sind – durch den Krieg, durch 30 Jahre Unsicherheit, Armut und Ausbeutung."
Josue Ibulungu, Landesbüroleiter der Diakonie Katastrophenhilfe in der Demokratischen Republik Kongo, sprach indes von einer mangelhaften Gesundheitsinfrastruktur im Land. "Die Lage ist schwierig, weil viele Krankenhäuser durch den Krieg zerstört wurden", erklärte der derzeit in Goma Ansässige. Ärzten und Pflegern würde nun die notwendige Ausrüstung fehlen.
Im besonders betroffenen Ituri im Osten des Landes ist laut Ibulungu zudem der Flughafen außer Betrieb. Straßenverbindungen zu anderen Städten seien jedoch mangelhaft und teils von der Terrororganisation ADF-Nalu besetzt. Gleichzeitig müssten Proben nach Kinshasa transportiert werden, weil sich Labore in anderen Landesteilen noch im Aufbau befänden. Das erkläre die Diskrepanz zwischen Verdachts- und bestätigten Ebola-Fällen. Inzwischen gibt es laut WHO mehr als 900 Verdachtsfälle. Mindestens 204 Erkrankte sind der kongolesischen Regierung zufolge gestorben.
Mythen, Angst, Misstrauen
"Das Allerwichtigste", so Gisela Schneider, sei "die lokale Bevölkerung mit an Bord zu bekommen". Man sei neben der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC auf "lokale Interventionen, Isolation, Behandlung und Risikokommunikation mit der Community" angewiesen – auch um Fake News vorzubeugen.
Letztere halten sich jedoch hartnäckig. In der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, in der es die meisten der mehr als 900 Verdachtsfälle gibt, hält nach Angaben der Hilfsorganisation ActionAid etwa jeder Dritte die Krankheit für einen Mythos. Während manche die Existenz leugneten, glaubten andere, sich mit starken alkoholischen Getränken schützen zu können.
"Wir kämpfen nicht nur gegen ein tödliches Virus, sondern auch gegen Mythen, Angst und tief sitzendes Misstrauen", sagte Saani Yakubu, Landesdirektor von ActionAid in der Demokratischen Republik Kongo. "Wir arbeiten intensiv daran, in den Gemeinden Aufklärungskampagnen durchzuführen, um Mythen und falsche Informationen zu widerlegen." Dies solle die Bevölkerung auch zu einem "schutzorientierten Verhalten" führen.
Kirche als Schlüssel
Julia Stoffner sieht die Kirchen als einen Schlüssel zur Eindämmung der Epidemie. Denn "40 Prozent der gesundheitlichen Versorgung in Afrika" sei über kirchliche Einrichtungen abgedeckt.
Kirchen und Kirchenoberhäupter mit hohem Ansehen seien selbst in marginalisierten Regionen präsent, "wo es oft keinen staatlichen oder anderen privaten Träger mehr gibt".
Noch keine Impfstoff
Gegen den seltenen Bundibugyo-Typ der oftmals tödlichen Krankheit gibt es den Experten zufolge keine zugelassenen Impfstoffe oder etablierten Therapien, aber auch keine Schnelltests. Mit einem neuen Impfstoff rechnet Schneider erst in "mehreren Monaten".
Beim Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014 und 2015 investierten die USA knapp eine Milliarde US-Dollar in die Entwicklung eines erfolgreichen Impfstoffs. Die Expertin pocht indes auf den Abschluss eines internationalen Pandemievertrags, auf den sich die Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsversammlung in diesem Jahr noch nicht einigen konnten.






