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Fußball-WM: Ist es okay, wenn mein Kind länger aufbleibt?

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Man kann mit seinem Kind über Ausnahmen sprechen
Bei großen Fußballturnieren geraten in vielen Familien die gewohnten Schlafenszeiten ins Wanken - erst recht, wenn eine Zeitverschiebung dazukommt. Späte Spiele, emotionale Momente und die besondere Stimmung üben auf Kinder einen Reiz aus, live dabei zu sein.

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Doch für Eltern stellt sich die Frage: Ist Schlaf wichtiger als Fußball? Oder ist es okay, wenn Kinder live mitfiebern dürfen?

"Da gibt es kein richtig oder falsch", beruhigt Erziehungsexperte Ulric Ritzer-Sachs im Interview. Dennoch gibt der Sozialpädagoge ein paar Empfehlungen mit in die WM-Zeit.

Ulric Ritzer-Sachs: Das hängt vom Kind ab. Es gibt wahrscheinlich 6-Jährige, die trotzdem am nächsten Morgen halbwegs fit sind, auch wenn sie bis Mitternacht Fußball geschaut haben. Möglich ist doch auch, dass ein Kind selbst am nächsten Morgen noch voller Adrenalin ist und gerade gut drauf.

Aber es gibt sicher auch 6-Jährige, bei denen langes Aufbleiben genau das Falsche wäre, weil sie ohnehin oft so müde sind und das nicht gut hinkriegen. Manchmal ist ein Kind auch müde, wenn es schlecht träumt und die halbe Nacht wach ist. Auch dann müssen es die Eltern beruhigen. Also sollte man das tatsächlich sehr individuell entscheiden.

Es gibt wahrscheinlich auch noch das umgekehrte Beispiel, dass Eltern unbedingt wollen, dass ihre Kinder dabei sind, damit sie nichts verpassen. Wenn da ein Kind jetzt kein großes Interesse hat, dann finde ich Schlafen aber tatsächlich sinnvoller.

Ritzer-Sachs: Es gibt da keine spezielle Altersgrenze. Aber ich würde jetzt mal behaupten, so ein kleines Kindergartenkind profitiert eher nicht davon, mitzuschauen. Das würde auch nachmittags um 3 Uhr noch nicht profitieren. Rechnet man eineinhalb Stunden, mit Pause also fast zwei Stunden, vor der Glotze zu sitzen - das ist definitiv nichts für ein vierjähriges Profil. Und schon gar nicht, wenn Spiele erst spät anfangen.

Und mal ehrlich: Das kennen Eltern sicher schon von Silvester. Wenn sie da sagen, du darfst wach bleiben, so lange wie du willst, und dann schläft das Kind um 9 und wird auch bei der Knallerei nicht wach. Sicher gibt es auch Ausnahmen, wo Kinder wach werden, aufgeregt sind und es schaffen.

Aber für mich macht es mehr Sinn, wenn Kinder so mit Beginn der Volksschule aufbleiben dürfen, vor allem wenn sie vielleicht schon selbst Fußball spielen, bereits selbst bei Turnieren dabei waren und große Fußballer zu ihren Idolen gehören.

Ritzer-Sachs: Auch wenn das jetzt Schulen nicht gefallen wird: Ich würde mir wünschen, dass Lehrer sich da locker machen und einen Tag nach einem Österreichspiel nicht unbedingt eine Prüfung schreiben. Das wäre doch mal eine gute Idee. Selbst wenn man Fußball nicht mag, kann ich ja akzeptieren, dass es bei anderen anders ist.

Ritzer-Sachs: Regelmäßiges, ausreichendes Schlafen ist gut - keine Frage. Eine Ausnahme macht das aber nicht kaputt. Und auch fünf Ausnahmen machen das nicht kaputt.

Eltern sollten sich trotz allem auch überlegen, ob man da nicht auch in Kauf nehmen kann, dass ein Kind mal am nächsten Tag müde ist. Wäre das so schlimm?

Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind geweckt worden bin und habe Muhammad Ali gegen George Foreman geschaut, dieser ganz berühmte Boxkampf. Ich habe überhaupt nichts verstanden, aber irgendwie finde ich es heute ganz cool, dass ich das damals verfolgt habe.

Man ist ja bei solchen Ereignissen wie diesen oder der Mondlandung nicht wirklich dabei, aber wer die live im Fernsehen erlebt hat, hat ja das Gefühl, dabei gewesen zu sein. Jetzt könnten einige einwenden: Die Fußball-WM ist nicht vergleichbar mit der Mondlandung, für einige Menschen ist die Bedeutung aber ähnlich groß.

Ritzer-Sachs: Wenn sich Eltern mit guten Gründen dagegen entschieden haben, müssen sie natürlich auch in Kauf nehmen, dass es Ärger gibt. Den müssen sie aushalten - einfach aushalten. Es gibt ja viele Sachen, wo man mit Ärger umgehen muss, etwa weil es halt kein zweites Eis gibt oder weil so etwas passiert, wie Handy weg, weil damit Blödsinn gemacht worden ist.

Ich finde aber den Grund "Das machen wir immer so und wir machen nie eine Ausnahme" ein bisschen schwach. Diese Eltern könnten es ja einfach mal testen und sagen: Okay, wir lassen jetzt mal ein Spiel zu und dann schauen wir uns halt den nächsten Tag an und besprechen dann, wie das so war und ob man das weiterhin macht.

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Christin Klose/Christin Klose

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