von
Betroffen sind Männer und Frauen. Doch für Frauen, vor allem solche in Führungspositionen, sind diese Zweifel oft kein rein individuelles Problem, erklärt die Psychiaterin Prof. Petra Beschoner. Tradierte Rollenbilder, fehlende Vorbilder, einseitig geprägte Führungskulturen und strukturelle Karrierehürden könnten die Selbstzweifel verstärken.
"Frauen in Führungspositionen bewegen sich täglich im Spagat, fachlich kompetent und selbstbewusst aufzutreten, ohne arrogant zu wirken, und Durchsetzungsstärke zu zeigen, ohne als unnahbar wahrgenommen zu werden", sagt Beschoner, die selbst Ärztliche Direktorin der Akutklinik Bad Saulgau ist.
"Gerade bei sehr leistungsstarken Frauen erleben wir häufig eine auffällige Diskrepanz zwischen objektiver Leistung und subjektiver Selbstwahrnehmung", so die Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin. Gute Ergebnisse seien für die Frauen oft Zufall oder einfach "Glück", ihre Erfolge redeten sie klein - und Lob könnten sie nur schwer annehmen. Misserfolge und Kritik hingegen führen sie demnach schnell auf vermeintliche persönliche Defizite zurück und gewichten sie überproportional schwer.
Viele versuchen demnach, die Unsicherheit zu kompensieren: Sie bereiten sich besonders intensiv vor, kontrollieren Arbeit mehrfach und stellen sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Das kann nach außen als Verlässlichkeit und Ehrgeiz wirken, auf Dauer aber Kraft kosten, warnt Beschoner - zumal dieser extreme Einsatz oft mit noch mehr Aufgaben und Verantwortung honoriert werde.
Dann bedeutet die Anerkennung zusätzlichen Druck, keinen zu enttäuschen und möglichst fehlerfrei zu funktionieren. So geraten Betroffene leicht "in einen Kreislauf aus Anspannung, Selbstkritik und Überforderung", der bei anhaltender Belastung Schlafprobleme, Erschöpfung oder Ängste zur Folge habe. Auch das Risiko für weitere psychische Erkrankungen wie Depressionen kann steigen.
Insbesondere Frauen sollten demnach aufhören, Selbstzweifel mit Bescheidenheit zu verwechseln: "Die Fähigkeit, die eigene Kompetenz anzuerkennen, ist kein Ausdruck von Arroganz, sondern eine wichtige Voraussetzung für psychische Gesundheit."
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Klaus-Dietmar Gabbert/Klaus-Dietmar Gabbert
