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Die Frau mit den Punkten: Yayoi Kusamas Einfluss auf die Mode

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Mit ihren „Infinity Dots" und „Infinity Mirror Rooms" kreierte die Künstlerin Yayoi Kusama ein Paralleluniversum der besonderen Art. Doch Kusamas Werke sind nicht nur in Form von Installationen oder aufLeinwänden relevant. Auch in der Mode hinterließ sie ihre Spuren

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Bis zu ihrem Tod am 14. August 2026 galt Yayoi Kusama als umsatzstärkste Künstlerin auf dem weltweiten Kunstmarkt. Sobald eines ihrer Werke versteigert wurde, konnte man ziemlich sicher mit Rekordsummen rechnen. Sogar hierzulande: 2007 versteigerte das Dorotheum ihr Werk „No White O.X.“ um sagenhafte 996.300 Euro.

Aber auch ihre Ausstellungen bescherten Museen Rekorde: Das Kölner Museum Ludwig verzeichnete 2026 die erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte des Museums, ebenso die Australische National Gallery of Victoria und die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel.

Zwischen Mode und Kunst

Obwohl Kusama hauptsächlich Künstlerin war, wurde sie häufig in einem Atemzug mit japanischen Modedesignern genannt, die seit den Siebzigerjahren die Regeln und auch den Status der westlichen Mode hinterfragten, dekonstruierten und die Modewelt mit neuen Ideen bereicherten: Yohji Yamamoto, Rei Kawakubo, Issey Miyake. Mit Letzterem entwarf sie sogar für einen Botschaftsbesuch Ende der 90er in Tokio ein Kleid, das sie mit fluoreszierender Farbe bemalte. Ihre eigene Kleidung hat Kusama bis zuletzt selbst genäht: Meistens war sie bei öffentlichen Auftritten in Kleidern mit Punktemustern zu sehen.

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Zweimal arbeitete Kusama mit dem französischen Luxushersteller Louis Vuitton zusammen. Die Kollektion aus dem Jahr 2012 gilt bei Sammlern als besonders begehrt.

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Gut vermarktbar

Menschen aller Altersklassen fühlen sich magisch von Kusamas Werken angezogen, was einerseits an den kräftigen, leuchtenden Farben und hypnotisierenden Mustern (vor allem dem berühmten Punktemuster) liegt, aber auch an der Tatsache, dass Kusamas Arbeiten auf eine bizarre Art fröhlich wirken.

Dabei versuchte die Künstlerin, die seit 1977 freiwillig in einer psychiatrischen Klinik in Tokio lebte, zu Lebzeiten, sich mit ihrer Kunst selbst zu therapieren. Kusama, die Berichten zufolge an Zwangsstörungen, Halluzinationen und Panikattacken litt, brachte ihre psychische Erkrankung auf die Leinwand und erreichte damit ein Millionenpublikum. Ihre Kunst galt, trotz ihrer düsteren Komponente, in hohem Maße als vermarktbar. Somit war sie nicht nur für Kunstsammler und Galeristen interessant: Auch die Modewelt fand rasch Gefallen an ihren schier unendlich wirkenden Punktemustern. Eine Symbiose, die sich für Louis Vuitton bezahlt machte. 2006 traf Marc Jacobs, damals Chefdesigner bei Louis Vuitton, in Tokio auf Yayoi Kusama, die ihm sofort ihre Louis Vuitton „Ellipse“-Tasche zeigte, dessen ikonisches Monogrammdesign sie mit Punkten übermalt hatte.

Es folgte eine erfolgreiche Kollaboration des französischen Luxushauses mit der Künstlerin, die eine weltweite „Kusama-Manie“ auslöste. Vor allem die Taschen („Infinity Dots Vernis Lockit“, „Infinity Dots Town Speedy 30“) mit Kusamas Polka-Dots gelten bis heute als stabile Wertanlage. Beide Modelle sind auf Plattformen mit 3.000 bis 3.500 Euro gelistet. Mit einem Retailpreis von damals etwa 1.200 US-Dollar hat sich vor allem die „Town Speedy“ im Wert mehr als verdoppelt.

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2023 folgte die wesentlich größere "Creating Infinity"-Kollaboration. Aus dieser stammt auch die Tasche in Form eines Kürbis, die bei einer Versteigerung von Christie's im Jahr 2024 einen Rekordpreis von 151.200 US-Dollar erzielte. Es ist die teuerste jemals versteigerte Tasche der Marke Louis Vuitton.

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Gigantischer PR-Coup

2023 brachten Louis Vuitton und Yayoi Kusama erneut eine gemeinsame Kollektion auf den Markt. Unter „Creating Infinity“ lancierte der Luxusgüterkonzern eine deutlich größere, 450 Teile umfassende Kollektion mit Polka-DotsPrints, aber nicht nur. Erstmals waren Kusamas „Pumpkins“ (dt. Kürbisse) aufLederwaren und Stoffen zu sehen. Damit nicht genug: Die „Pumpkin Bag“ mit LV-Monogramm erzielte bei einer Versteigerung des Auktionshauses Christie’s New York sogar eine Rekordsumme (151.200 US-Dollar) und gilt bis heute als die teuerste Louis Vuitton-Tasche, die jemals versteigert wurde.

Generell gilt Louis Vuitton neben Chanel und Hermès als eine jener drei Marken, die am häufigsten auf LuxusSecond-Hand-Plattformen nachgefragt und der eine besondere Wertstabilität nachgesagt wird. Dennoch vermuten Experten, dass die frühere Kollektion zwischen Louis Vuitton und Yayoi Kusama insgesamt wertstabiler ist. Ganz einfach, weil die zweite Kollektion sehr viel üppiger im Umfang ausfiel. Und Seltenheit ist gerade im Luxusbereich ganz einfach Trumpf.

Daneben ist aber der Medienwert der globalen Kampagnen nicht zu unterschätzen: In Paris positionierte man eine gigantische, aufblasbare KusamaFigur über der Louis Vuitton-Filiale in der Avenue des Champs-Élysées, die scheinbar Punkte an das Gebäude malte. Die New Yorker Filiale wurde ebenfalls in ein Punktemuster gehüllt, während ein hyperrealistischer Kusama-Roboter im Schaufenster Punkte an die Scheibe pinselte. Am Londoner Picadilly Circus schien sich Kusamas gigantischer Kopf samt gepunktetem Kürbishelm aus einer Leinwand herauszulehnen. In China, den USA und Korea war das Gesicht der Künstlerin, die bunten Punkte und das ikonische LV-Logo quasi auf jeder Werbetafel zu sehen. Der französische Luxuskonzern schuf einen globalen Hype um die japanische Künstlerin, dem man nur schwer entkommen konnte.

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Gigantischer PR-Stunt: Überlebensgroße Kusamas bepinselten Louis-Vuitton-Filialen auf der ganzen Welt

 © IMAGO, Glen Sterling

Kritik an der PR-Offensive

Es gab aber auch kritische Stimmen. Denn während Kusamas Punktemuster für die Unendlichkeit des Universums, Inklusion und Selbstauflösung standen, ist das ikonische LV-Emblem wohl das Gegenteil von Schlichtheit und Demut. Es wurde diskutiert, ob die Kommerzialisierung des Lebenswerks einer Künstlerin würdig ist, die den Großteil ihres Lebens in einer psychiatrischen Einrichtung verbrachte.

Kusamas Einfluss auf die Modewelt ist jedoch unbestritten. Sie brachte Farbe in eine dunkle Zeit, eroberte sich durch die Zusammenarbeit mit Louis Vuitton ein neues Publikum und lud Menschen zum Träumen ein. Doch Mode bleibt nur eine Facette ihres Schaffens.

Wie weit ihr Einfluss tatsächlich reicht, davon kann man sich ab dem 11. September 2026 im Amsterdamer Stedelijk Museum selbst überzeugen. Die Retrospektive zeichnet mehr als sieben Jahrzehnte ihres künstlerischen Schaffens nach.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 37/2026 erschienen.

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