Der Flughafen Bratislava hat erstmals in seiner Geschichte vier Millionen Passagiere in einem Jahr gezählt, das Plus liegt bei fast 100 Prozent. Wien verliert im selben Zeitraum Fluggäste. Was die Verschiebung für Reisende aus Ostösterreich bedeutet.
Der Flughafen Bratislava hat am Mittwoch, 21. Oktober, zum ersten Mal in seiner 75-jährigen Geschichte die viermillionste Passagierin eines Kalenderjahres begrüßt. Die Reisende flog mit Pegasus Airlines nach Istanbul. Bis Ende 2026 erwartet der Flughafen rund 4,3 Millionen Fluggäste, fast doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2025 mit 2.438.215 Passagierinnen und Passagieren.
Am Flughafen Wien geht die Entwicklung in die andere Richtung. Von Jänner bis September zählte der Standort Wien 23,5 Millionen Passagiere, um 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Im September betrug das Minus 7,5 Prozent. Als Hauptgrund nennt der Flughafen das geringere Angebot von Billigfluggesellschaften.
Plus 99 Prozent: Wizz Air und Ryanair treiben das Wachstum
Von Jänner bis September 2026 fertigte Bratislava 3.693.231 Passagierinnen und Passagiere ab, ein Plus von 99 Prozent. Im September waren es 498.957 Fluggäste, um 89 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Laut Flughafen liegt Bratislava damit beim Passagierwachstum auf Platz eins unter den mittelgroßen Flughäfen Europas mit einem bis zehn Millionen Passagieren, gemessen vom Flughafenverband ACI Europe.
Treiber ist vor allem Wizz Air, die im November 2025 eine Basis in Bratislava eröffnet hat. Auch Ryanair hat das Angebot ausgebaut. Die gefragtesten Ziele waren von Jänner bis September Barcelona, London, Antalya, Košice und Rom. Für den kommenden Sommer kündigt der Flughafen weitere Strecken an, darunter Ryanair-Flüge nach Chania auf Kreta ab 28. März 2027 sowie neue Wizz-Air-Ziele wie Agadir, Baku, Hurghada und Sarajevo.
Flughafen Wien: Billigflieger verlagern nach Bratislava
Dass ein Teil des Wachstums in Bratislava aus Wien kommt, sagt der Flughafen Wien selbst. „Ryanair und Wizz Air reduzieren Kapazitäten und verlagern Streckenangebote nach Bratislava“, erklärte Vorstand Julian Jäger bei der Vorlage der Verkehrszahlen 2025. Wizz Air hat ihre Wiener Basis im März 2026 geschlossen und verweist Kundinnen und Kunden aus Österreich auf ihre Flüge ab Bratislava und Budapest. Ryanair streicht mit dem Winterflugplan weitere Strecken ab Wien.
Der Flughafen Wien macht dafür vor allem die Flugabgabe von zwölf Euro pro Ticket verantwortlich, die nur bei Abflügen von österreichischen Flughäfen anfällt. Am 18. Oktober schlossen sich die Vorstände Jäger und Günther Ofner der Forderung von Wien und Niederösterreich an, die Abgabe abzuschaffen. „Österreich hat sich mit der Flugabgabe hinausgepreist“, heißt es in der Aussendung des Flughafens. Die Bundesregierung hat für das Doppelbudget eine Entlastung der Luftfahrt von 30 Millionen Euro pro Jahr zugesagt.
Ab Bratislava fliegen: Anreise und Tipps
Für Reisende aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ist Bratislava eine echte Alternative, vor allem bei Billigflügen. Slovak Lines verbindet den Wiener Hauptbahnhof ohne Zwischenstopp mit dem Flughafen Bratislava, die Fahrt dauert laut Flughafen rund 70 Minuten. Online-Tickets gibt es ab 7,90 Euro.
Rechnen Sie vor der Buchung den Gesamtpreis durch: Anreise, Gepäck und Sitzplatz können den Preisvorteil schnell aufzehren. Achten Sie auch darauf, dass ein früher Abflug oder eine späte Landung zu den Busfahrzeiten passt. Ein gültiger Reisepass oder Personalausweis gehört ins Handgepäck. Bei Verspätung oder Annullierung gelten ab Bratislava dieselben EU-Fluggastrechte wie ab Wien, Details erklärt unser Ratgeber zu den Fluggastrechten.
Welche Verbindungen ab Wien mit dem Winterflugplan wegfallen, lesen Sie in unserer Übersicht Winterflugplan ab 25. Oktober: Diese Verbindungen ab Österreich fallen weg. Mehr zu Airlines, Flughäfen und Ihren Rechten finden Sie auf unserer Themenseite Luftfahrt & Flugreisen.
Quellen: Flughafen Bratislava (Presseaussendungen vom 12. und 21. Oktober 2026), Flughafen Wien (Verkehrszahlen September 2026, Verkehrsergebnis 2025, Presseaussendung vom 18. Oktober 2026), Wizz Air
