Weiße Häuser auf einem Hügel, uralte Olivenhaine davor: Nahe Ostuni kaufte die Wiener Unternehmerin Elisabeth Hanser einen Rohbau und machte daraus die Casa Cupido. Ein Traumhaus, das ein perfekter Ausgangspunkt für Streifzüge durch Apulien ist.
Tief im Absatz des italienischen Stiefels liegt Ostuni auf einem Hügel. Wer sich der Stadt nähert, versteht sofort, warum sie den Beinamen „La Città Bianca“ trägt.
Weiß gekalkte Häuser schmiegen sich dicht aneinander, dazwischen ragen mächtige Kirchtürme und Kuppeln empor. Am Fuß des Hügels breitet sich das satte Grün uralter Olivenhaine aus. Nur acht Kilometer weiter, im flachen Land, beginnt die Geschichte von Elisabeth Hanser.
Die Vision
Der Feldweg ist holprig. Links und rechts Olivenbäume. Hier und da ein Nachbar. Es ist ein heißer Oktobertag im Jahr 2022, als Hanser hier zum ersten Mal aus dem Auto steigt. Vor ihr steht ein Rohbau. Keine Fenster. Keine Türen. Rundherum 1.000 Quadratmeter Grund und 85 alte Olivenbäume. Viele wären wieder umgedreht. Hanser wusste sofort: Das ist es.
Dabei hatte die Unternehmerin aus Wien eigentlich etwas ganz anderes gesucht. Ein fertiges Haus. Sie wollte gleich einziehen, statt langwierig zu bauen. Seit Jahren kannte sie Apulien, war immer wieder hier in Süditalien unterwegs und hielt bei jeder Reise Ausschau nach Häusern. Doch das Richtige war nie dabei. Ohnehin sollte es ursprünglich gar nicht Apulien werden. Eher die Toskana. Vielleicht die Amalfiküste. Und wenn schon Italien, dann möglichst direkt am Meer. Doch dann stand sie vor diesem Rohbau vor den Toren von Ostuni. „Wenn man nicht anfängt, wird es nichts“, zeigt sich Hanser pragmatisch.
Dass sie damals kaum Italienisch sprach, spielte keine Rolle. Hanser organisiert mit ihrer Agentur in Wien Veranstaltungen und Events für Unternehmen. Räume zu gestalten und zu inszenieren, liegt ihr im Blut. Während andere nur einen unfertigen Bau sahen, sah sie bereits das fertige Haus: Englische Fenster. Holzböden statt der in Süditalien üblichen Steinfliesen. Warme Farben. Ein großer Esstisch in der Mitte. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. „Ich hatte ziemlich genau im Kopf, wie es aussehen wird“, erzählt sie. „Plätze zu schaffen, ist meine Passion.“
Die engen Gassen von Ostuni.
© Kathrin GulneritsZwischen Plänen und Zitronenbäumen
Von Wien aus begann sie, den Umbau zu organisieren. Die Handwerker arbeiteten in Apulien, sie koordinierte aus der Ferne. Wo die Betten stehen sollten, zeichnete sie auf Plänen ein. Einmal blieb der Lastwagen mit den Betten im Schlamm stecken. Improvisation gehörte zum Alltag. Und dennoch: Zwischen der ersten Besichtigung und der Fertigstellung ihrer Casa Cupido lagen am Ende trotzdem nur sechs Monate. „Ich wollte meinen 55. Geburtstag im eigenen Haus feiern. Das ist sich ausgegangen.“
Die Wiener Unternehmerin Elisabeth Hanser erfüllte sich bei Ostuni den Traum vom eigenen Haus.
© BeigestelltHeute umfasst die Casa Cupido rund 200 Quadratmeter Wohnfläche mit drei Schlafzimmern. Viel Weiß, hohe Gewölbedecken, ein Kamin und ein mediterraner Innenhof mit unzähligen Zitronenbäumen prägen das Haus. Es gibt einen 14 Meter langen Pool und einen Whirlpool. Dazu einen Yogapavillon und eine Outdoorküche mit Bar für laue Sommertage.
Herzstück ist der opulente Esstisch im Wohnzimmer, ein eigens angefertigtes Einzelstück. Das Keramikgeschirr wurde nach Hansers Vorstellungen individuell gefertigt. Die Handtücher sind von einem Familienunternehmen aus Bologna. Hanser, die Vielreisende, hat viele der Einrichtungsgegenstände auf ihren Reisen entdeckt. Der Spiegel im Badezimmer und die Sonnenschirme kommen beispielsweise aus Indien.
Das gewisse Etwas
Im Innenhof wachsen Zitronen, im Garten Rosmarin, Lavendel, Tomaten und Zucchini. Auch die Olivenbäume sind weit mehr als mediterrane Kulisse. Aus ihren Früchten wird jedes Jahr das hauseigene Olivenöl gepresst. Rund 100 Liter füllt Hanser in eigens gestaltete Flaschen ab. Wer möchte, kocht mit Zutaten aus dem Garten. Wer lieber genießt, lässt andere arbeiten. Denn zur Casa gehört auch Angelo.
Hanser lernte den 60-Jährigen, der bestens Deutsch spricht, in einem Fischlokal in der Umgebung kennen. Damals arbeitete er dort als Kellner. Seine eigentliche Leidenschaft aber ist das Kochen. Man kam ins Gespräch – und ins Geschäft. „Ein Glücksfall“, sagt Hanser. Heute empfängt er die Gäste, schenkt ihnen zur Begrüßung den ersten Prosecco ein und richtet auf Wunsch das Abendessen an: Schinken, Käse, Melone, Kerzenlicht. Wer möchte, kann Angelo auch als privaten Koch buchen. 50 Euro pro Stunde kostet sein Service.
Die Kalksteinklippen von Torre Sant'Andrea
© Kathrin GulneritsGigi und Sporco
Die Casa lebt von solchen Geschichten. Von Menschen. Von überraschenden Details. Vor dem weißen Haustor steht ein Fiat 500 aus den 1970er-Jahren. Hanser entdeckte ihn bei einem Autohändler in der Gegend. Eigentlich hatte der Verkäufer den Wagen für seine Frau gekauft. Die wollte ihn allerdings nicht. Also schlug Hanser zu. Der kleine Italiener heißt „Gigi“ und kann für Spritztouren genutzt werden. „Zum Einkaufen fahren macht riesigen Spaß“, sagt Hanser. „Zum Flughafen würde ich mich damit eher nicht trauen.“
Und dann ist da noch Sporco – sein Name bedeutet sinngemäß „Schmutzfink“. Eines Tages war der Hund einfach da. Seitdem gehört er irgendwie dazu. Meist schläft er auf der Matte vor der Terrassentür. Manchmal bleibt er tagelang verschwunden. Und irgendwann ist er wieder da, als wäre er nie weg gewesen.
Ein neues Kapitel
Seit zwei Jahren vermietet Hanser ihre Casa Cupido auch. In der Vorsaison kostet eine Nacht 950 Euro, in der Hauptsaison 1.500 Euro. Die Mindestaufenthaltsdauer beträgt vier Nächte. Ein Concierge-Service ist inklusive. Im gut gefüllten Weinschrank warten Prosecco, Wein und Champagner. Am Tag der Abreise kommt Angelo zum Verabschieden und bringt ein noch warmes Cornetto mit reichlich Nougatcreme für das letzte Frühstück mit.
Hanser selbst verbringt weiterhin viel Zeit in Apulien. Das Haus sei nie nur als Investment gedacht gewesen. „Ich mache das auch für mich.“ Sie genießt die Ruhe zwischen den Olivenbäumen, den ersten Kaffee im Innenhof und die Abende am langen Esstisch mit Freunden. Stillstand ist trotzdem nicht ihre Sache. Schon wartet das nächste Projekt: Am Weißensee in Kärnten entsteht mir ihrer Handschrift ein Apartmenthaus mit 16 Zimmern. Die Eröffnung ist für die Sommersaison 2028 geplant.
Apulien entdecken
Apulien bildet den Absatz des italienischen Stiefels und wird von zwei Meeren umspült – der Adria im Osten und dem Golf von Tarent im Südwesten. Dazwischen liegen weiße Städte, spektakuläre Küsten und entzückende Hafenorte:
Ostuni – Die weiße Stadt
Am besten lernt man Ostuni bei einer Ape-Tour kennen. Mit dem dreirädrigen Kultgefährt geht es durch die Stadt.
Bari – Das Tor nach Apulien
Für viele beginnt die Reise in Bari. In der Altstadt rollen Frauen noch immer vor ihren Haustüren Orecchiette von Hand.
Polignano a Mare – Spektakulär über dem Meer
Der Ort thront auf steilen Kalkfelsen über der Adria und zählt zu den bekanntesten Fotomotiven Apuliens.
Alberobello – Das Land der Trulli
Kein Ort steht so sehr für Apulien wie Alberobello. In der UNESCO-Welterbestadt stehen die berühmten Trulli.
Locorotondo – Weiße Gassen und Blumen
Schneeweiße Häuser, enge Gassen und blumengeschmückte Balkone prägen die Altstadt. Sehenswert: der Morelli-Palast.
Lecce – Das Florenz des Südens
Lecce gilt als barockes Juwel Apuliens – und lohnt einen mehrtägigen Aufenthalt.
Otranto – Zwischen Geschichte und Meer
Die Hafenstadt begeistert mit ihrer historischen Altstadt und der Basilica Cattedrale di Santa Maria Annunziata.
Gallipoli – Sonnenuntergang am Ionischen Meer
Gallipoli liegt auf einer kleinen Insel vor der Küste des Salento. Auch hier: enge Gassen, kleine Plätze, nette Cafés.
Monopoli – Entspanntes Küstenleben
Monopoli verzaubert mit weiß gekalkten Häusern, engen Gassen und einem malerischen Altstadthafen.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 30+31/2026 erschienen.
