Print bleibt vorerst stärkster Umsatzträger, doch die Zukunft ist digital: Die Kleine-Zeitung-CEO über Paid Content, KI und den Wandel der Mediennutzung.
1. Noch sorgen Papier-Abos für den größten Umsatzteil. Bis wann wird sich dieses Verhältnis umdrehen?
Print bleibt noch länger der wichtigste Umsatzträger. Eine Verschiebung zugunsten Digital erwarten wir erst Mitte der 2030er-Jahre.
2. Welche Auswirkungen wird diese Transformation auf die Hauszustellung der Print-Ausgaben haben?
In entlegeneren Regionen führt der Weg perspektivisch stärker hin zum E-Paper, das den Charakter der gedruckten Zeitung weiterführt.
3. Was sind die größten Hürden, um einen Papier-Leser zu bewegen, auch ein Digital-Nutzer zu werden?
Größte Hürde ist Gewohnheit. Mediennutzung ist stark durch Habitualisierung geprägt – Digitalisierung braucht Zeit und Akzeptanz.
4. Sie haben wie Chefredakteur Oliver Pokorny Privatradio-Erfahrung. Was kann die Kleine von dort lernen?
Privatradio zeigt Nähe zur Zielgruppe, Tempo und klare Ansprache, diese konsequente Nutzerorientierung gilt auch für digitale Medien.
KI ersetzt bei uns keine Journalisten, sondern unterstützt bei Routinen
5. KI und Digitalisierung kappen journalistische Arbeitsplätze. Was heißt das für die Bezirksredaktionen?
KI ersetzt bei uns keine Journalisten, sondern unterstützt bei Routinen. So bleibt mehr Zeit für Recherche und regionale Nähe.
6. Paid Content? Werbung? Marken-Vertrauen? Was sind die stärksten Träger für das neue Geschäftsmodell?
Paid Content ist ganz klar der zentrale Träger. Qualitätsjournalismus brauch zahlende Nutzer als stabile Basis.
7. Sie haben Geochemie und Petrologie studiert. Aus dieser Perspektive: Wie umgehen mit der Spritkrise?
Die Spritkrise betrifft uns konkret: Allein durch die Preissteigerungen im März hatten wir rund 100.000 € Mehrkosten in der Zustellung. (Bei dieser Frage entlarvte sie schmunzelnd eine Fehlannahme. Denn Petrologie ist Gesteinskunde, Anm.)
8. Als erste Frau an der kaufmännischen Spitze der Kleinen: Wie stehen Sie zu Feminismus und Gendering?
Feminismus hat absolut seine Berechtigung, wobei die Mediabranche hier sehr fortschrittlich ist. Gendern ist für mich selbstverständlich.
Steckbrief
Xenia Daum
Xenia Daum war vom Start weg in der Privatsender-Branche und leitete danach zehn Jahre die digitale Vermarktung der Styria Media Group. Deren Flaggschiff Kleine Zeitung steuert sie seit 2023 als CEO.
Info
„An seinem Rückzug sollten sich auch andere Stiftungsräte am Küniglberg ein Beispiel nehmen." Mario Kunasek, 49, der Landeshauptmann der Steiermark sieht ein Vorbild in Thomas Prantner, der als Mitglied der 35-köpfigen ORF-Aufsicht unfreiwillig vorzeitig abgedankt hat. 9,3 Prozent Marktanteil sind der tiefste Monatswert des Jahres für ORF 1. Es bricht im April regelmäßig ein, weil die Wintersportsaison vorbei ist. Sie brachte heuer im ersten Quartal besonders hohe Quoten: 15,7, 16,5 und 12,5 Prozent.






