Die „Furche“-Chefredakteurin über sieben Jahre an der Spitze, Papier im Digitalzeitalter – und warum eine Wochenzeitung vor allem Tiefgang braucht.
1. Im Juni endet Ihr verflixtes 7. Jahr an der Spitze der Furche: Bitte um Bilanz in Stichworten!
Verflixt war eher der Start kurz vor der Pandemie. Bilanz seither: digitaler, medial sichtbarer und für 80 Jahre ziemlich frisch
2. Seit drei Jahren haben Sie keinen leibhaftigen Herausgeber mehr: Wie wichtig war die Funktion?
Heinz Nußbaumer & Wilfried Stadler waren großartige Herausgeber. Die Funktion an sich muss aber nicht mehr leibhaftig sein.
3. Sie haben auch Prokura – ein Streitfall zur journalistischen Grenzüberschreitung. Ihre Position?
Als Chefredakteurin will ich, dass unsere Geschichten gelesen und durch Abos bezahlt werden. Insofern interessieren mich auch die Zahlen.
4. Nach 9 Männern in 74 Jahren die erste Chefredakteurin. (Wie sehr) war ihr Geschlecht Thema?
Wir haben in der Furche-Geschichte schon die zweite Geschäftsführerin. Da war die erste Chefredakteurin überfällig.
Vielleicht ist ruhiges Nachdenken weniger sexy
5. Wie definieren Sie heute den Unterschied zwischen einer Wochenzeitung und einem Magazin?
Weniger Hochglanz, mehr Tiefgang
6. Der Falter ist die zweite, aber mittlerweile deutlich reichweitenstärkere Wochenzeitung: Warum?
Vielleicht weil ruhiges Nachdenken weniger sexy ist?
7. Was sind die größten Änderungen, die Sie sich für die Führung des Traditionstitels gutschreiben?
Siehe Antwort 1.
8. Können Sie sich die Furche nicht auf Papier vorstellen? Wenn ja, wie? Und für welche Zielgruppe?
Papier hilft gegen digitales Verblöden. Am Ende geht’s aber immer um den Inhalt. Unsere Zielgruppe: Fans von Sinn und Substanz
Steckbrief
Doris Helmberger-Fleckl
Doris Helmberger-Fleckl, 51, hat in Graz und Straßburg Theologie und Germanistik studiert. Seit dem Jahr 2000 arbeitet sie für „Die Furche“. Sie leitete dort die Ressorts Gesellschaft, Wissenschaft und Bildung, bevor sie 2019 zur ersten Chefredakteurin des Traditionsblatts wurde
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 10/2026 erschienen.





