Christina Stürmer: Was wurde aus "der Christl von nebenan"?

Von der schüchternen Buchhändlerin zum selbstbewussten Popstar

Vor 20 Jahren, ging sie bei "Starmania" zwar nicht als Siegerin aber dennoch als Gewinnerin hervor: Christina Stürmer, damals noch "Christl" genannt. Ein Porträt der heimischen Pop-Größe, die jetzt das neue Gesicht der Diskonterkette "Lidl" ist.

von Christina Stürmer © Bild: imago images / Hartenfelser
  • Name: Christina Stürmer
  • Geboren: 9. Juni 1982 in Linz
  • Größe: 1,71 m
  • Wohnort: Waldviertel
  • Ausbildung: gelernte Buchhändlerin
  • Beruf: Musikerin
  • Familienstand: in einer Beziehung mit Oliver Varga
  • Kinder: 2 Töchter Marina (geb. 2016), Lotta (geb. März 2021)

Es war das Jahr 2003 als Christina Stürmer, damals noch gerne mit ihrem Spitznamen „die Christl“ gerufen, die österreichische Castingshow „Starmania“ nicht gewann. Stürmer wurde, wie allseits bekannt, nur Zweite, dennoch wurde sie zur großen Gewinnerin, zum erfolgreichen Popstar.

Christina Stürmer mit ihren Eltern
© imago images/SKATA Stürmer mit ihren Eltern: Musik liegt in der Familie

Musikalische Familie

Christina Stürmer wurde im 1982 in Linz geboren und wuchs mit ihren Eltern und zwei Geschwistern in Altenberg bei Linz auf, wo sie schon früh mit Musik in Berührung kam. Der Vater leitet einen Chor, in dem auch die Mutter singt und Stürmer selbst erzählt gerne, sie habe schon als kleines Kind gerne bei offener Klotür geträllert. Mit zwölf Jahren gründete sie bereits eine A-Cappella-Band mit Freundinnen, danach folgte eine Jazz-Big-Band.

Berufswunsch Popstar keine Option

Dennoch war die Musik, auch wenn stets ein großer und wichtiger Teil im Leben der Oberösterreicherin, immer nur Hobby. Der Berufswunsch Popstar existierte natürlich nicht und Musik anderen Menschen zu vermitteln, etwa als Lehrerin war für Stürmer nicht von Interesse und aufgrund der großen Präsenz von Lehrerinnen in der Familie (Mutter und Schwester) ausgeschlossen. Vielmehr plante Stürmer einst, Kindergartenpädagogin zu werden, doch das Vorhaben wurde aufgrund des vorzeitigen Schulaustritts aufs Eis gelegt. Stattdessen begann Stürmer eine Lehre als Buchhändlerin.

Schicksals-Casting

Doch im Buchgeschäft stand sie nicht sehr lange. Auf Anraten einer Kollegen marschierte die damals Anfang-20-Jährige in einer Arbeitspause zum Starmania-Casting ins oberösterreichische ORF-Landesstudio. „Wir hatten Putztag, dementsprechend war mein Outfit. […]Dort waren unglaublich viele Menschen, alle rausgeputzt mit glitzernden, bauchfreien Tops und Hochsteckfrisuren. Und ich dachte: „Warum rennen die so seltsam herum?““ erinnert sich Stürmer im Jahr 2020 in einem Interview mit musicaustria.at an dieses folgenschwere Ereignis in ihrem Leben.

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Das Casting war bekanntlich erfolgreich, Stürmer schaffte es nicht nur in Runde zwei, sondern bis ins Finale der ORF-Castingshow, in dem sie gegen Michael Tschuggnall und Boris Uran antrat und schließlich mit dem Song „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller gegen Tschuggnall, der mit einem eigenen Song antrat, verlor und Zweite wurde.

Starmania
© APA/Oczeret Boris Uran, Michael Tschnuggnall und Christina Stürmer bei "Starmania". Stürmer: "Never erver ein zweites Mal"

"Ich will das eigentlich alles nicht"

Doch Stürmer war darüber nicht traurig, im Gegenteil. „Es war unglaublich gut. Ich hatte nie den Plan, damit eine Karriere zu starten“, erzählt sie in dem Interview weiter. Vielmehr habe sie Starmania nur als einen "Ausflug“ betrachtet und hatte irgendwann ohnehin das Gefühl, das alles eigentlich nicht zu wollen. Überhaupt sagt Stürmer heute über die Zeit damals: „Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Ein Kamerateam hat mein Kinderzimmer zu Hause in Altenberg gefilmt, Storys darüber gemacht, dass ich mit einem anderen Teilnehmer, Lukas Permanschlager, zusammen war. Ich hätte das alles never ever ein zweites Mal mitgemacht. Das geht mir zu sehr ins Privatleben.“

Christina Stürmer
© imago images/SKATA Stürmer 2004: Es war eine turbulente Zeit - auch nach Starmania

Es geht weiter...

Trotzdem wurde aus dem Ausflug mehr. Direkt nach der Show nahm Stürmer ihre erste Single „Ich lebe“ auf und landete damit direkt ihren einen Mega-Hit, der sich wochenlang auf Platz eins der Charts hielt. Ebenso auch die dritte Single „Mama Ana Ahabak“ sowie das erste Album „Feier Fall“. Im Herbst 2003 ging Stürmer erstmals auf Österreich-Tour und füllte sämtliche Hallen. Doch auch zu diesem Zeitpunkt glaubte sie, wie sie in einem Interview mit „Menschen im Porträt“ 2009 erzählte, noch nicht richtig an eine länger anhaltende Karriere.

Andauernder Erfolg

Doch sie hielt an. 2016 erreichte sie mit ihrem bereits dritten Album „Lebe Lauter“ auch Platz eins in Deutschland. Eine Zeit, die sie im Nachhinein als „unfassbar turbulent“ bezeichnet. Wohl fast zu turbulent, schrammte sie knapp an einem Burn-Out vorbei, als ein verschobenes Ski-Opening in diesem Jahr zum Zusammenbruch führte. Doch ein Urlaub und das lang ersehnte Ausspannen konnte es wieder richten und Stürmer kehrte zurück und wuchs nach und nach in ihre Karriere und ihre Rolle als Popstar hinein. Bis heute hat sie acht Alben veröffentlicht, die alle Platz eins in den Charts erreichten und unter anderem elf Amadeus Awards sowie zwei Echos gewonnen.

Christina Stürmer
© imago images/POP-EYE Bilderbuch-Karriere: Stürmer gewann elf Amadeus Awards und alle Alben erreichten Platz ein

Scheitern - nur in den Medien

Richtig gescheitert sei sie in all den Jahren nie, vielmehr sei von Medien so tituliert worden, wie sie in „Menschen im Porträt“ erzählt. „Ja, Alben haben sich schlechter verkauft als andere, aber das ist Klagen auf hohem Niveau. Es ist sich immer ausgegangen für das nächste Album“, weiß Sängerin Glück durchaus zu schätzen. Und auch der ständige Rückhalt des Elternhauses sowie der Fokus auch auf andere Dinge im Leben bewahrten sie stets davor, jemals in "das schwarze Loch" zu fallen.

Zurückhaltung mit Statements

Trotz ihrer enormen Öffentlichkeitswirksamkeit gibt sich Stürmer aber stets zurückhaltend, ihre Meinung zu Themen abseits der Musik betreffend. Nur in wenigen Situationen äußert sie sich politisch, gibt Statements ab. Es sei ihr schon früh geraten worden, politisch nicht anzuecken, sagte sie in einem Interview. Dennoch werde sie mit zunehmendem Alter auch durchaus politischer.

Christina Stürmer und Olvier Varga
© imago images/Manngold Christina Stürmer mit ihrem Partner Oliver Varga

Privat bleibt privat

Noch zurückhaltender ist die Sängerin, was ihr Privatleben betrifft. Seit 2006 ist sie mit dem Gitarristen ihrer Band, Oliver Varga, liiert, mit dem sie gemeinsam im Waldviertel lebt und zwei Töchter (Marina, geboren 2016, Lotta, geboren im März 2021) hat. Doch abseits dieser Informationen gibt es wenig, was nach außen dringt. Es gibt keine Bilder der Tochter, des Paares oder auch ihres Heims in Form von Homestorys. Hier ist die Sängerin - wohl nicht zuletzt aufgrund ihrer Erfahrungen bei „Starmania“ - strikt.

Christina Stürmer
© imago images/Future Image Christina Stürmer 2020: Popstar, Chefin, Mama - und trotzdem noch gerne "die Christl von nebenan"

Stürmer heute

Aus dem schüchternen Mädchen ist also eine erfolgreiche, selbstbewusste Musikerin geworden, die in die für sie anfänglich wohl unausfüllbar wirkende Rolle hineingewachsen ist und sich in dieser mittlerweile vielmehr wohl zu fühlen scheint. „Ich bin die Chefin, überweise die Rechnungen, stehe vorne und bin der Grund, warum wir Jobs haben“, gibt sich Stürmer im Jahr 2020 und mit 38 Jahren selbstbewusst. Überheblichkeit ist ihr dabei aber weiterhin fremd, und als schönste Komplimente bezeichnet Stürmer in einem Interview jene, die sie trotz allen Erfolgs als normal und bodenständig bezeichnen. Also trotz allen Erfolgs noch immer die „Christina von nebenan"; nur die "Christl" hat sie mit dem Markteintritt in Deutschland einst abgelegt.