Darf man abgelaufene Medikamente noch nehmen?

In Corona-Zeiten: Besser Arznei nach Ablaufdatum nehmen oder in die Apotheke gehen?

Erkältet? Grippe? Oder eventuell sogar mit dem Coronavirus milde infiziert und Medikamente zuhause, die helfen könnten, aber die sind bereits abgelaufen? Was also tun? Kann man Medikamente, die das Haltbarkeitsdatum überschritten haben noch verwenden? Oder ist der Gang in die Apotheke doch besser? News.at hat den Arzt Dr. Günther Loewit gefragt.

von Medikamente © Bild: iStockphoto/clu

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Viele Menschen sind derzeit krank zuhause, ob mit Corona infiziert oder einfach „nur“ mit einem grippalen Infekt oder einer Grippe. Was auch immer es ist, die Patienten brauchen oftmals Medikamente, wie etwa einen Hustensaft, ein Aspirin oder eine Kopfwehtablette. Doch der angesammelte Vorrat dieser Arzneien in den eigenen Medizinschränken ist ebenso oft schon abgelaufen. Was also tun? Die Medikamente wegwerfen und sich neue in der Apotheke besorgen? Letzteres jedoch ein Gang, der wiederum mit einem (weiteren) Infektionsrisiko verbunden ist.

"Nachdenken über sinnvolle Ausnahmen in dieser Zeit"

„Also prinzipiell darf man das nicht“, erklärt der niederösterreichische Landarzt Dr. Günther Loewit auf News.at-Anfrage, ob man abgelaufene Medikamente noch zu sich nehmen darf. Allerdings fügt er sofort hinzu: „Aber ich denke, dass man in dieser Zeit ein bisschen nachdenken muss und es auch erlaubt sein muss, über sinnvolle Ausnahmen zu reden.“

"Alles was flüssig ist und offen war entsorgen"

Und Loewit konkretisiert auch, wo er Ausnahmen für möglich hält – und wo nicht: „Alles was flüssig ist und offen war, würde ich auf jeden Fall auch jetzt fachgerecht entsorgen“, stellt er klar. Doch „eine Packung Aspirin, also trocken gepresstes Pulver, das ordnungsgemäß aufbewahrt war, verliert sicher nicht mit dem Ablaufdatum, das ja gesetzlich nach spätestens fünf Jahren vorgeschrieben ist, seine Wirksamkeit.“

Ein, zwei Monate drüber "wohl kein Problem"

Überhaupt sieht Loewit in dem Ablaufdatum ein Sicherheitsdatum, bis zu dem das Medikament MINDESTENS halte, „ich sage immer: Das Medikament weiß ja nicht, dass es danach schlecht sein soll.“ Für ein, zwei Monate drüber, sieht er in den meisten Fällen überhaupt kein Problem.

»Die Gefahr, die von so einem Medikament ausgeht, ist derzeit geringer als die Gefahr, die von einem Besuch in der Apotheke ausgeht«

In einem Graubereich zwischen Wochen und einigen Monaten nach dem Ablaufdatum ist für den Arzt - bei bestimmten Arzneimitteln (das sei ganz wichtig, denn natürlich treffe das nicht auf alle zu) - die Gefahr, die von so einem Medikament ausgehe, „geringer als die Gefahr, die von einem Besuch in der Apotheke ausgeht“. Dass etwa ein Schmerzmittel oder eine Blutdrucktablette gefährlich werde, sei zudem unwahrscheinlicher, als dass sie schlicht nicht mehr wirken würde.

Die richtige Lagerung ist wichtig

Wichtig sei jedoch immer auch die Lagerung, die prinzipiell lichtgeschützt, in einem kühlen, trockenen Raum zu erfolgen habe – außer es sei auf der Packung anders erwähnt.

Medikamente, die nicht länger halten

Natürlich gebe es aber auch Medikamente, von denen nach dem Ablaufdatum Gefahren ausgehen können, wie etwa eine abgelaufene Pille oder Antibiotika, will Loewit unbedingt festhalten. Auch bei Arzneimitteln wie etwa Salben, magistralen Zubereitungen, Cremen mit Fetten oder Ölen drin sowie Flüssigkeiten sei das Datum sehr wohl eher heikel. Und wenn eine Darreichungsform etwa Farbe oder Konsistenz verändert habe, sei dieses Medikament natürlich auch nicht mehr verwendbar.

Liegt in der Verantwortung des Betroffenen

Prinzipiell möchte der Mediziner festhalten, dass es eben keine offizielle Empfehlung gebe, Medikamente nach Ablaufdatum weiterzuverwenden und dies in der Verantwortung des Betroffenen liege.