Die Impfpflicht ist so gut wie fix

Der Impfpflicht dürfte nun wohl nichts mehr im Wege stehen. Der Nationalrat hat diese umstrittene Maßnahme zur Bekämpfung der Corona-Pandemie mit großer Mehrheit abgesegnet.

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Die Impfpflicht ist so gut wie fix © Bild: iStockphoto.com
Key Take Aways dieses Artikels
  • Nationalrat: Große Mehrheit für Impfpflicht
  • FPÖ OÖ kündigt eigene Verfassungsbeschwerden an
  • Ludwig plant vorerst keine neuen Maßnahmen für Wien
  • Weiter nur ein Schul-PCR-Test pro Woche
  • Erneut weit über 20.000 Neuinfektionen laut Rohdaten
  • Ampel-Kommission sieht Risiko auf Normalstationen
  • Belohnungspaket zur Steigerung der Impfquote
  • Experte sieht nach Omikron bereits weitere Varianten

Im Überblick

Information: Für allgemeine Fragen zum Coronavirus hat die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) eine rund um die Uhr erreichbare Hotline eingerichtet: 0800 555 621

Wer Symptome aufweist oder befürchtet, erkrankt zu sein, soll zu Hause bleiben. Der Kontakt zu anderen Personen soll minimiert und das Gesundheitstelefon 1450 angerufen sowie die dort erhaltenen Anweisungen genau befolgt werden.

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Bei der Abstimmung Donnerstagabend votierten 137 Mandatare für die Covid-Impfpflicht und nur 33 dagegen. Die Koalition stimmte geschlossen zu, bei SPÖ und NEOS gab es vereinzelte Nein-Stimmen. Erhöht wird der Druck bei Nichteinhaltung der Corona-Vorschriften mit höheren Strafen und Schließungsdrohung.

Die Vorlage zur Impfpflicht sieht vor, dass die Covid-Schutzimpfung ab Februar für alle Personen ab 18 Jahren mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in Österreich verpflichtend wird. Bis Mitte März ist eine Eingangsphase ohne Strafen vorgesehen. Danach können die Bußen bis 3.600 Euro gehen, eine Ersatzfreiheitsstrafe ist explizit ausgeschlossen. Ausnahmen gibt es für Schwangere und all jene, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können sowie für Genesene (bis sechs Monate nach der Genesung). Über Letzteres entscheiden Amts- und Epidemieärzte sowie Fachambulanzen.

"Ich bin entsetzt, ich bin fassungslos, ich bin erschüttert und ich bin schockiert", hatte gleich FPÖ-Klubchef Herbert Kickl die Debatte eröffnet und fuhr nicht weniger dramatisch fort: Mit der Maßnahme werde dem Totalitarismus der Weg bereitet, es handle sich um die "Einführung des Gesundheitskommunismus". Kickl glaubt, dass man das Gesetz durch Behördenwege und Wahlen kippen werde: Die Regierung werde ihrer "gerechten Strafe" nicht entkommen, glaubt der Freiheitliche.

Ebenso intensiv wurde der Ton fortgesetzt. Grünen-Klubchefin Sigrid Maurer meinte in Richtung Kickl: "Schämen Sie sich!" Das Verhalten des Freiheitlichen sei "absolut zynisch", dessen Politik Schuld an der niedrigen Impfquote. "Die Impfung ist auch ein Siegeszug der Wissenschaft gegen die Leugnung von Fakten und Empirie", entgegnete Maurer zudem. Man sei heute im Hohen Haus versammelt, um den Ausweg aus der Pandemie zu beschreiten, befand die grüne Klubobfrau.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) versuchte, Zweifel an der Impfung selbst auszuräumen. "Alle Evidenz spricht dafür, dass alle in Österreich erhältliche Präparate sicher sind", betonte er nach von der freiheitlichen Fraktion gestreuten Zweifel.

Werner Saxinger von der ÖVP fühlte sich durch die Redebeiträge der Freiheitlichen an das Jugendwort des vergangenen Jahres erinnert, wie er sagte: Cringe. Dieses sei ein Ausdruck fürs Fremdschämen, erklärte er. Er habe viel Verständnis für die Ängste der Menschen, beteuerte der Mediziner. Man habe aber mittlerweile 14.000 Covid-Tote "und das ist sehr traurig".

SPÖ-Obfrau Pamela Rendi-Wagner betonte die sensible, aber wichtige Entscheidung, die am Donnerstag im Plenum getroffen werde. Vieles sei in den vergangenen Jahren falsch gelaufen und verabsäumt geworden, weswegen die Impfrate noch immer viel zu niedrig sei. "Die verpflichtende Schutzimpfung gegen Corona, die wir uns alle nicht gewünscht haben, ist leider notwendig geworden", erklärte sie die Entscheidungsgrundlage für ihre Fraktion.

Rendi-Wagner hatte ihren Klub letztlich großteils auf Linie gebracht. Zwei Abgeordnete aus Niederösterreich, die sich intern gegen die Pflicht ausgesprochen hatten, blieben der Sitzung fern. Im Plenum votierte nur Sozialsprecher Josef Muchitsch dagegen.

Widerstand aus den Reihen der NEOS

Etwas breiter aufgestellt war der Widerstand bei den NEOS und das von durchaus brisanter Seite. Neben Stephanie Krisper stimmten just jene Bereichssprecher dagegen, die am meisten mit Corona befasst sind, nämlich Pandemiesprecher Gerald Loacker und Gesundheitssprecherin Fiona Fiedler, dazu noch Justizsprecher Johannes Margreiter. Loacker begründete sein Nein am Rednerpult damit, dass die Pflicht für Omikron zu spät komme und Experten davon ausgingen, dass Corona nachher mit der Grippe vergleichbar sein werde. Auch werde Vertrauen in die Politik verspielt, da diese noch vor kurzem die Verpflichtung ausgeschlossen hatte, und die Gesellschaft gespalten.

Auch Klubchefin Beate Meinl-Reisinger machte es sich offensichtlich nicht leicht. Man sei mittlerweile durch eine "umfassende Müdigkeit" geeint, die vergangenen Jahre seien enorm anstrengend gewesen, weswegen es wichtig sei, diese Zeiten endlich hinter sich zu bringen, meinte die NEOS-Obfrau. Nie wieder dürfe es zu Freiheitsbeschränkungen kommen, wie sie es durch die vergangenen Lockdowns gegeben habe.

Bei den Grünen gab es einigermaßen überraschend ebenfalls eine Abweichlerin, wenn auch nicht an Ort und Stelle. Die Abgeordnete Ewa Ernst-Dziedzic blieb der Sitzung fern, weil sie der Vorlage nicht zustimmen will. Die ÖVP blieb nach vereinzelter Kritik im Vorfeld am Donnerstag jedenfalls nach außen geschlossen. Die freie Abgeordnete Philippa Strache warb in ihrer Rede für die Impfung.

Geändert wurde am Abend auch das COVID-Maßnahmengesetz. Bezirksverwaltungsbehörden können mit der Novelle mit Bescheid Betriebe für maximal eine Woche schließen, wenn man drei Mal wegen der gleichen Nichteinhaltung der Maßnahmen (z.B. Überschreitung einer Personenbeschränkung oder fehlende Kontrolle von Nachweisen) bestraft wurde. Bei Uneinsichtigkeit kann der Betrieb sogar sofort geschlossen werden für sieben Tage. Neu ist neben einer Anhebung der Höchststrafen, dass sowohl Arbeitsinspektorate als auch Gewerbebehörden sowie Aufsichtsorgane nach Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz, im Rahmen ihrer Tätigkeiten, zur Überprüfung von aktuellen COVID-Maßnahmen ermächtigt sind.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) betonte dazu in einer Stellungnahme, sich für Verschärfungen in diesem Bereich eingesetzt zu haben: "Jeder einzelne Betrieb, der gegen die Corona-Maßnahmen verstößt, muss bestraft werden." Mit den "härteren Strafen" werde der Kontrolldruck erhöht.

FPÖ OÖ kündigt eigene Verfassungsbeschwerden an

Oberösterreichs FPÖ-Chef und Landeshauptmannstellvertreter Manfred Haimbuchner hat am Freitag angekündigt "in den kommenden Wochen Verfassungsbeschwerden" gegen die tags zuvor im Nationalrat beschlossene Impfpflicht einzubringen. Man wolle einzelne Beschwerdeführer unterstützen, aber auch seine Partei beabsichtige aktiv zu werden, kündigte er an. Gleichzeitig forderte er den Bundeskanzler auf, die "medizinisch falsche Impfpflicht" zurückzunehmen.

Sein Parteikollege, der Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml, erläuterte, warum das Gesetz seiner Ansicht nach nicht halten könne. Dabei bezog er sich auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vom April 2021, in dem "einige wichtige Punkte definiert" worden seien, damit eine Impfpflicht zulässig ist (das Gericht hatte Geldstrafen und verwehrte Kindergartenplätze für Kinder, die nicht gegen Kinderkrankheiten geimpft sind, für zulässig erklärt). Mindestens gegen zwei davon verstoße aus Sicht des Juristen die Bundesregierung mit ihrem Gesetzes. So vermisse er die Verhältnismäßigkeit für den Grundrechtseingriff. Sprich es fehl der "effektive Schutz vor Omikron".

Weiters fand er im Gesetzestext keine "klare Kommunikation eines Zielerreichungsgrads", also eine genaue Angabe einer Durchimpfungsrate. "Der Bundesregierung müssen diese Tatsachen bekannt sein, sie handelt also mutmaßlich vorsätzlich menschenrechtswidrig", so die Vorhaltungen der beiden FPÖ-Politiker. Beide erneuerten daher die Forderung, "Eilverfahren vor dem Verfassungsgerichtshof zu ermöglichen".

Ungeachtet dessen werde die FPÖ OÖ aber auch Verfassungsbeschwerden vorbereiten. "Sehr weit" sei man bereits, was den Lockdown für Ungeimpfte angehe, führte Haimbuchner aus. So könne es nicht sein, dass eine Person nach einer Erkrankung oder einem Impfdurchbruch sechs Monate später einem Umgeimpften gleichgestellt werde, nannte er ein konkretes Beispiel, was man gerichtlich zu bekämpfen gedenke.

Ein Konflikt mit der in Oberösterreich regierenden, Impflicht befürwortenden ÖVP sah der blaue Landeshauptmannstellvertreter nicht. Man habe ja in dem Regierungsübereinkommen festgehalten, dass "ein landesgesetzliche Impfpflicht abgelehnt wird".

Ludwig plant vorerst keine neuen Maßnahmen für Wien

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) plant vorerst nicht, neue Wiener Corona-Maßnahmen in die Wege zu leiten. Das hat er nach der Klausur der SPÖ-NEOS-Regierung im Wiener Rathaus betont. Denn man habe sich zuletzt darauf geeinigt, dass nach Möglichkeit bundesweit einheitlich vorgegangen werden solle.

Ludwig hat in der Vergangenheit immer wieder eigene Wiener Maßnahmen erlassen und damit vom Bund vorgegebenen Regelungen verschärft - wozu Bundesländer die Möglichkeit haben. "Die Coronakrise hat gezeigt, dass es immer notwendig ist, sich auf neue Herausforderungen einzustellen. Man kann es nicht ausschließen, dass wir hier auch wieder andere Wege einschlagen", hob er hervor. "Aber prinzipiell haben wir uns darauf verständigt, dass wir ganz stark hier uns abstimmen mit den Maßnahmen der Bundesregierung, die von der Gecko-Kommission beraten wird."

"Dessen ungeachtet bin ich laufend im Gespräch mit den Expertinnen und Experten, die im Rahmen eines Beirates für mich auch in den letzten Monaten ausschlaggebend waren. Dieser Diskurs ist nicht unterbrochen, ganz im Gegenteil. Wir führen die Gespräche weiter", sagte der Bürgermeister. Die Einschätzung der Fachleute sei auch die Basis für viele andere Entscheidungen in der Stadt, nicht nur für Verordnungen.

Weiter nur ein Schul-PCR-Test pro Woche

Auch nächste Woche wird an den Schulen außerhalb Wiens nur ein PCR-Test durchgeführt. Das hat der neue Testanbieter in einer Aussendung mitgeteilt. Das Bildungsministerium will daher "alle Ansprüche betreffend Pönalezahlungen, Schadenersatz etc. vollumfänglich geltend machen", hieß es gegenüber der APA. Vertraglich seien zwei Tests pro Woche vereinbart gewesen. Mittlerweile funktioniert aber zumindest die Auswertung des einen wöchentlichen Tests.

Bereits vergangene Woche gab es bei den Schul-PCR-Tests Probleme im großen Stil. Die ARGE für molekulare Diagnostik, die nach einer Neuausschreibung nach den Weihnachtsferien die Abwicklung der Tests in acht Bundesländern (außer Wien) übernommen hat, hatte bei der Auswertung der Ergebnisse - insbesondere bei der Zuordnung und Auswertung in der Datenbank - mit technischen Problemen zu kämpfen. Die Folge: Laut Bildungsministerium wurde "eine nicht nachvollziehbar niedrige Zahl von positiven Fällen" gemeldet, den Schulen seien Daten "zu spät, fehlerhaft und unvollständig" übermittelt worden.

Auch Anfang dieser Woche kam es noch zu Problemen. Erst als durch eine Neuorganisation der Testtage weniger Tests pro Tag abzuwickeln waren, wurden alle Ergebnisse den Schulen zeitgerecht übermittelt. "Die ursprünglich schwierige Lage hat sich deutlich entspannt, die Fehlerquote konnte deutlich gesenkt werden", betonte die ARGE. Man arbeite weiter an einer "Optimierung der Datenverwaltung".

In der kommenden Woche wird nun am Montag in der Steiermark und in Salzburg PCR-getestet, am Dienstag in Niederösterreich, am Mittwoch in Oberösterreich und im Burgenland und am Donnerstag in Kärnten, Tirol und Vorarlberg. An den restlichen Tagen sollen wie bisher Antigentests durchgeführt werden. Außerdem werden die Eltern bzw. die Schülerinnen und Schüler gebeten, am Wochenende nach Möglichkeit einen Test durchzuführen.

In Wien wird weiter mindestens zweimal pro Woche PCR-getestet. Dort funktioniert auch die Auswertung - allerdings konnte man aufgrund vieler Nachmeldungen und unterschiedlicher Zahlen anders als gewohnt am Freitag keine gesammelten Daten über die festgestellten Infektionen der vergangenen Woche vorlegen. Diese sollen am Montag kommen.

Erneut weit über 20.000 Neuinfektionen laut Rohdaten

Laut Rohdaten des Epidemiologischen Meldesystems EMS sind am Freitag innerhalb von 24 Stunden weit über 20.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus hinzugekommen. Um 8.00 Uhr wurden 28.582 Fälle ausgewiesen, dieser Wert ist jedoch nicht um etwaige Fehler bereinigt. Am Vortag waren erstmals seit Pandemiebeginn keine endgültigen Daten veröffentlicht worden. Das Gesundheitsministerium hatte auf Verzögerungen wegen der hohen Fallzahlen und der Komplexität der Auswertung verwiesen.

Nach Daten des EMS waren von Mittwoch auf (gestrigen) Donnerstag 25.592 Neuinfektionen eingemeldet worden. Mit anhaltenden Problemen bei der Datenbereinigung sei auch in den kommenden Tagen zu rechnen, hieß es am Vortag aus dem Büro von Gesundheitsminister Mückstein. Alle Einmeldesysteme - also auch das EMS - würden jedoch uneingeschränkt und ohne Störungen laufen.

© APA/Christina Uhl/sws/has

Bei den im EMS veröffentlichten Zahlen handelt es sich noch um Rohdaten. Die verlässlicheren, weil um bereinigten Infektionsmeldungen des Krisenstabs von Regierung und Bundesländern stehen nun seit Mittwoch vorerst nicht mehr zur Verfügung. Im Schnitt der letzten sieben Tage waren die im EMS eingemeldeten Infektionszahlen um gut 900 Fälle höher als in der Meldung des Krisenstabes. Die stärkste Abweichung gab es am Mittwoch, als die EMS-Morgenmeldung 31.070 Neuinfektionen enthielt, in den bereinigten Zahlen waren es dann 27.677 - der offizielle Tageshöchstwert in Österreich seit Beginn der Pandemie.

Laut der unbereinigten EMS-Meldung von Freitag, 8.00 Uhr kamen 7.626 der fast 29.000 Fälle in Wien hinzu. 4.896 gemeldete Infektionen waren es aus Ober- und 4.165 aus Niederösterreich sowie 3.377 aus Tirol. Ebenfalls ohne Datenbereinigung 2.888 Ansteckungen kamen in der Steiermark hinzu, 2.471 in Salzburg, 1.412 in Kärnten, 1.123 in Vorarlberg und 624 im Burgenland. Die gewohnten täglichen Fallzahlen zu Hospitalisierungen und Todesfällen aus dem Krisenstab lagen Freitagmittag ebenfalls noch nicht vor.

Das Impfdashboard des Sozialministeriums funktionierte jedoch: 38.200 Impfungen wurden demnach am Donnerstag durchgeführt. Davon waren am Tag des Beschlusses der Impfpflicht 4.396 Erststiche, das sind 11,5 Prozent. Insgesamt wurden innerhalb der vergangenen sieben Tage 30.216 Erstimpfungen durchgeführt. Den Großteil machten am Vortag die 27.150 Drittstiche mit 71,1 Prozent Anteil aus. 6,43 Millionen Menschen in Österreich und somit 72 Prozent der Einwohner verfügen über einen gültigen Impfschutz.

Ampel-Kommission sieht Risiko auf Normalstationen

Die Corona-Kommission konzentriert ihren Blick in der Omikron-Welle zunehmend auf die Normalstationen. Gemäß Berechnungen des Gremiums ist ab Auslastungen von elf Prozent, was rund 4.200 belegten Betten entspricht, die Akutversorgung in einzelnen Bundesländern gefährdet. Für Anfang Februar wird ein Wert von 4,3 Prozent erwartet, in etwa eine Verdoppelung gegenüber dem Ist-Stand.

Schon ab einer Auslastung von etwa acht Prozent aller Erwachsenen-Normalpflegebetten könnte es schwierig werden. Denn ab hier könne nur noch ein reiner Akutbetrieb der Spitäler gewährleistet werden. Als weiterer Engpass seien hier insbesondere mögliche Personalausfälle zu berücksichtigen. Die Ampel lässt die Kommission weiter Rot strahlen. Sämtliche Bundesländer haben sich noch ein Stück weiter vom orangen Bereich entfernt und liegen tief in der Höchstrisikozone.

Schon ab Risikozahl 100 beginnt die rote Zone, die neben Fallzahlen auch u.a. den Impfstatus einberechnet. Das unverändert beste Bundesland, das Burgenland, liegt bei 432. Selbst die 2.000er-Marke wurde in der abgelaufenen Woche gerissen, nämlich in Tirol, das einen Wert von 2.212 aufweist. In sämtlichen Bezirken Österreich und damit folgerichtig auch in allen Bundesländern zeigt der 14-Tage-Trend bei den Neuinfektionen nach oben.

Den stärksten Anstieg gab es zuletzt in Oberösterreich mit 106 Prozent. Aber auch Salzburg, das noch die günstigste Entwicklung diesbezüglich hat, ist mit plus 68 Prozent noch immer klar am Weg nach oben.

Getestet wurde vergangene Woche viel. Bezogen auf 100.000 Einwohner betrug der Bundesschnitt 106.499. Freilich geht dieser hohe Wert auf die Testfreudigkeit im Osten zurück. Alle drei Bundesländer haben (als einzige) einen Wert von über 100.000. So hat Wien mit gut 149.000 Tests auf 100.000 Einwohner mehr als doppelt so viele wie das Schlusslicht Oberösterreich mit knapp 73.000.

Logischerweise werden so auch mehr asymptomatische Fälle entdeckt, womit eine weitere Ausbreitung besser eingedämmt werden kann. Wien liegt hier mit einem Anteil von 44 Prozent an den positiven Tests klar an der Spitze, allerdings weist diesmal auch Vorarlberg mit 40 Prozent einen hohen Wert Asymptomatischer auf, obwohl ganz im Westen relativ wenig getestet wurde. Über das Bundesgebiet gerechnet sind es nur 31 Prozent der entdeckten Infektionen, bei denen die Patienten aktuell ohne Symptome waren.

Auch nicht mehr gerade oft wird die Quelle aufgedeckt, nämlich nur bei 36 Prozent der Infektionen. Damit bewegt man sich langsam schon wieder in Zahlenregionen wie während der Delta-Welle im Spätherbst, wo das Contact Tracing auch noch kaum aufrecht zu erhalten war.

Was die rohen Fallzahlen angeht, hat diesmal ein steirischer Bezirk die niedrigsten Werte, nämlich Deutschlandsberg, gefolgt von Wolfsberg in Kärnten und Voitsberg wieder in der Steiermark. Am gefährlichsten lebt es sich, was die Corona-Infektionen anlangt, in den Skigebieten des Westens. Die höchste Inzidenz weist Landeck vor Kitzbühel und St. Johann im Pongau auf.

Wer impfen geht, wird belohnt

Regierung und SPÖ haben sich auf ein Anreiz- und Belohnungspaket zur Steigerung der Impfquote geeinigt: Kommen soll - neben der Impfpflicht - nun eine Impflotterie, mit der Gutscheine im Wert von 500 Euro zu gewinnen sind. Gemeinden sollen finanzielle Mittel bekommen, deren Höhe sich nach der Impfquote in der jeweiligen Kommune richtet. Das teilten Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und SPÖ-Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner Donnerstagfrüh in einer gemeinsamen Pressekonferenz vor der Nationalratssitzung mit, in der die Impfpflicht beschlossen wird.

Mit der Impflotterie soll jeder zehnte Geimpfte eine Chance haben zu gewinnen. Das gilt für jene, die sich schon geimpft haben und auch für jene, die sich erst impfen lassen. Konkret gibt es für jede Teilimpfung eine Gewinnmöglichkeit - wer dreimal geimpft ist, kann also auch dreimal gewinnen. Start der Lotterie soll am 15. März sein, so Nehammer - also parallel zum Inkrafttreten der Kontrollen der Impfpflicht.

Die zu gewinnenden Gutscheine im Wert von 500 Euro sollen bei österreichischen Betrieben einzulösen sein - im Handel, der Gastronomie, in Hotels, Kultur- und Sporteinrichtungen. Der Onlinehandel soll möglichst ausgenommen werden. Abwickeln soll die Lotterie der ORF gemeinsam mit Partnern.

Für die Gemeinden soll es ein finanzielles Anreizsystem geben. Bei einer Impfquote von 80 Prozent wird ein Basisbetrag von insgesamt 75 Millionen Euro ausgeschüttet, bei 85 Prozent sind es 150 Millionen und bei 90 Prozent werden 300 Millionen Euro ausgeschüttet. Als Beispiel nannte Nehammer eine durchschnittliche Gemeinde mit 3.000 Einwohnern, die bei einer Impfquote von 80 Prozent 30.000 Euro bekommen würde, bei 85 Prozent 60.000 Euro und bei 90 Prozent 120.000 Euro. Das ausgeschüttete Geld könne dann in Kindergärten, Spielplätze oder andere kommunale Aufgaben investiert werden.

»Auf diese Weise wird die Freiheit der Vielen geschützt «

Nehammer betonte, dass das Paket eine Belohnung für jene sein soll, die schon geimpft sind. Zusätzlich soll es einen Anreiz darstellen für alle, die noch unsicher und noch nicht geimpft sind. Insgesamt sind für die Maßnahmen bis zu 1,4 Mrd. Euro reserviert - bis zu einer Mrd. Euro für die Lotterie und bis zu 400 Mio. Euro für die Gemeinden.

"Wir müssen uns aus der ständigen Gefährdung des Gesundheitssystems, der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes mittelfristig und nachhaltig befreien", begründete Rendi-Wagner die Maßnahmen. Auch Kogler verteidigte einmal mehr die Impfpflicht: "Auf diese Weise wird die Freiheit der Vielen geschützt - das erfordert den Eingriff in individuelle Rechte, damit wir aus der Dauerschleife Lockdown bzw. massive Eingriffe und Lockerungen herauskommen." Man sei sich auch klar, dass man nicht alle erreichen werde: "Man muss nicht jedem Neonazi hinterherrennen."

Mehrere hundert Gemeinden dürften den von der Regierung definierten Schwellenwert für die kommunale "Impfprämie" bereits erfüllen. Das zeigt eine von der APA durchgeführte Berechnung der Impfquoten gemessen an der Gemeindebevölkerung ab fünf Jahren.

Demnach sind in 390 Gemeinden bereits 80 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner ab fünf Jahren geimpft (genauer: verfügen über ein gültiges Impfzertifikat). Davon überschreiten 76 sogar die zweite Grenze von 85 Prozent. Eine Gemeinde erreicht bereits eine Durchimpfung von 90 Prozent, nämlich Andlersdorf in Niederösterreich.

Experte sieht nach Omikron bereits weitere Varianten

Die Omikron-Covid-19-Welle ist wahrscheinlich nicht das Ende. Auch von dieser SARS-CoV-2-Mutation gibt es bereits weitere Varianten. "Wir befinden uns in einem hoch dynamischen Ereignis", sagte der Experte Andreas Bergthaler (MedUni Wien/Centrum für Molekulare Medizin; CeMM) am Mittwochabend in einer Online-Ärztefortbildung. In der Therapie von Covid-19 hätten durch die ständige Mutation der Erreger die meisten monoklonalen Antikörper ihre Wirkung wieder verloren.

»Die Mutationen von SARS-CoV-2 erfolgen zwei- bis dreimal langsamer als bei der Grippe«

"Von Beginn der (SARS-CoV-2-)Epidemie an sind wir ständig überrascht worden. Wir sind jetzt bei so vielen Fällen (an Infektionen; Anm.), wie wir sie noch nie hatten. Wir haben sehr effektive Impfstoffe zur Verfügung. Aber ich weiß, dass ich nicht (viel) weiß", erklärte Bergthaler, der vor kurzem eine Professur für Molekulare Immunologie an der MedUni Wien übernommen hat und sich seit Anfang der Covid-19-Pandemie mit SARS-CoV-2, seiner Verbreitung und seinen Mutationen beschäftigt. Völlig unklar sei auch, wie lange die Welt noch mit SARS-CoV-2 in seinen unterschiedlichen Varianten zu kämpfen haben werde.

Was die Pandemie treibt, das sind die ständig neu auftauchenden Mutationen des Virus. Bergthaler: "Die Mutationen von SARS-CoV-2 erfolgen zwei- bis dreimal langsamer als bei der Grippe (Influenza; Anm.)." Aber durch die extrem kurze Replikationszeit der Krankheitserreger komme es ständig zu neuen Mutationen, wahrscheinlich gebe es sogar beim einzelnen Covid-19-Patienten eine ganze "Wolke" an minimal unterschiedlichen Viren. Die fitteste Variante könne sich dann weiter verbreiten.