Corona: Über 43.000 Neuinfektionen in Österreich

Am Donnerstag haben die Corona-Neuinfektionen in Österreich wieder einen neuen Höchstwert erreicht: Exakt 43.053 neue Fälle kamen in den vergangenen 24 Stunden hinzu, damit überschritt die Zahl der Neuinfektionen sogar die 40.000er-Marke.

von
THEMEN:
Omikron © Bild: iStockphoto
Key Take Aways dieses Artikels
  • Nächster Neuinfektionsrekord mit 43.053 neuen Fällen
  • Omikron erschwert Eindämmung an Schulen massiv
  • Derzeit 2.600 Klassen und neun Schulen geschlossen
  • Corona-Ampel: Kein Ende der dunkelroten Welle
  • Impfung und weiblicher Zyklus: Studien "geben Sicherheit"
  • Lockdown für Ungeimpfte endet am Montag
  • Rufe nach 2G-Ende mehren sich

Im Überblick

Information: Für allgemeine Fragen zum Coronavirus hat die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) eine rund um die Uhr erreichbare Hotline eingerichtet: 0800 555 621

Wer Symptome aufweist oder befürchtet, erkrankt zu sein, soll zu Hause bleiben. Der Kontakt zu anderen Personen soll minimiert und das Gesundheitstelefon 1450 angerufen sowie die dort erhaltenen Anweisungen genau befolgt werden.

Lesen Sie hier:

Außerdem waren es fast 10.000 Fälle mehr als am Mittwoch, da war erstmals die 30.000er-Marke überschritten worden. Allein in Wien kamen am Donnerstag 14.711 weitere positiv auf das SARS-CoV-2-Virus getestete Personen hinzu.

Erst gestern wurde der bisherige Rekord mit 34.011 Neuinfektionen vermeldet, dieser hielt nur einen Tag. Seit Mittwoch wurden zwölf weitere Todesfälle registriert, seit Pandemiebeginn sind somit bereits 14.042 Menschen an den Folgen einer Infektion gestorben.

Die derzeitigen Fallzahlen liegen im oberen Bereich dessen, was das Covid-Prognosekonsortium für den 27. Jänner errechnet hat. In ihrer Prognose vom Dienstag gingen die Experten von 26.962 und maximal 34.561 Neuinfektionen aus. Der Punktschätzer, der meist zielgenau getroffen wurde, lag da bei 29.891 Neuansteckungen.

Die Sieben-Tages-Inzidenz stieg am Donnerstag auf 2.235,4 Fälle je 100.000 Einwohner an. Im Schnitt kamen in der vergangenen Woche täglich 28.526 neue Fälle hinzu, in Summe waren es in diesen sieben Tagen 199.679 Neuinfektionen. Am Donnerstag gab es in Österreich 267.991 bestätigte aktive Fälle, um 23.598 mehr als am Tag zuvor. Das sind bereits beinahe so viele, wie die zweitgrößte Stadt Graz Einwohner hat. In der steirischen Landeshauptstadt leben rund 291.000 Menschen.

Im Krankenhaus liegen derzeit 1.315 Personen - um eine Person weniger als am Mittwoch. 180 Schwerkranke werden auf Intensivstationen betreut, innerhalb der vergangenen Woche gab es hier einen Rückgang um 21 Patienten. Insgesamt müssen heute aber 226 Infizierte mehr im Spital behandelt werden als noch vor einer Woche.

Omikron erschwert Eindämmung an Schulen massiv

Die Omikron-Variante erschwert die Eindämmung eines Covid-19-Ausbruchs an Schulen deutlich. Laut einem von Komplexitätsforschern entwickelten Simulator für die Auswirkungen verschiedener Corona-Präventionsmaßnahmen bräuchte es mittlerweile an allen Schultypen den ganzen Strauß an Maßnahmen - vom Maskentragen über die Impfung bis zu Klassenteilungen - um Omikron Einhalt zu gebieten. Die Forscher stellen ihr überarbeitetes Tool nun im Fachblatt "Nature Communications" vor.

Den "COVID19 Präventionsmaßnahmen Explorer für Schulen" stellte das Team um die mittlerweile an der Technischen Universität (TU) Graz tätige Jana Lasser sowie Johannes Sorger, Stefan Thurner und Peter Klimek vom Complexity Science Hub (CSH) Vienna bereits im März vergangenen Jahres vor. Es folge eine Publikation dazu auf dem Preprint-Server "medRxiv" und nun die von Fachkollegen überprüfte Studie. Dem Tool liegen Tausende Simulationsresultate zugrunde, mit denen die Wissenschafter in Zusammenarbeit mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) die verschiedenen Präventionsmaßnahmen an den unterschiedlichen Schultypen bewertet haben.

Zur Kalibrierung der Simulationen haben die Forscher anonymisierte AGES-Daten aus 616 Schul-Clustern verwendet, die im Herbst 2020 gesammelt wurden. Dazu kamen Informationen aus Interviews mit Schulleitern und Lehrern über die Umsetzbarkeit von Maßnahmen. Immer ausgehend von einem Anlassfall unter Schülern oder Lehrern kann mit dem System ein Ausbreitungsszenario berechnet werden. Dazu braucht es Informationen zur Größe der Schule, zum Schultyp, zur Anzahl der Klassen oder deren Größe. Dazu können verschiedene Maßnahmen wie das Tragen von Masken, regelmäßiges Lüften und Testen von Schülern und Lehrern oder die Halbierung der Präsenz in den Klassen gesetzt werden. Dazu kommen Annahmen über verschiedene Durchimpfungsraten bei Lehrpersonal und Kindern.

In der nun erschienenen Studie liefen die Berechnungen noch unter der Annahme, dass man es mit der bis um den Jahreswechsel in Österreich dominanten Delta-Variante zu tun hat. "Wir können unser Modell aber jederzeit anpassen und verschiedenste andere Szenarien simulieren", so die Erstautorin der Studie, Lasser.

Unter der Delta-Annahme zeigte sich etwa, dass an Volksschulen und Unterstufen mit ungeimpften Kindern und zu 80 Prozent geimpften Lehrern eine infizierte Person im Schnitt weniger als eine weitere ansteckt, wenn gelüftet wird, Masken getragen und die Klassen verkleinert werden. Wäre zusätzlich die Hälfte der Kinder geimpft, können mit diesem Maßnahmenbündel alle Schultypen relativ sicher öffnen, heißt es in einer Aussendung des CSH.

Erste Berechnungen mit der Omikron-Variante , die nicht in der Arbeit enthalten sind, zeigen aber ein anderes Bild. "Meine - jetzt natürlich noch nicht begutachteten - Ergebnisse zeigen, dass wir durch die stark erhöhte Infektiosität von Omikron alle verfügbaren Maßnahmen in allen Schultypen brauchen, um große Ausbrüche an Schulen zu verhindern. Nur Volksschulen können eine Maßnahme weglassen, zum Beispiel das Teilen von Klassen", erklärte Lasser.

Mit dem System könnten jedenfalls auch Laien einen anschaulichen Einblick in die Virusverbreitung bekommen - Variante hin oder her. Man sehe etwa, dass schon kleine Abweichungen von Vorgaben ausreichen können, "um die Clustergrößen nicht ein bisschen, sondern sofort exponentiell wachsen zu lassen", so Klimek. Auf diese Weise könne man Überzeugungsarbeit leisten, so die Wissenschafter.

Derzeit 2.600 Klassen und neun Schulen geschlossen

In Österreich sind derzeit laut Einmeldungen der Länder an das Bildungsministerium 2.600 Klassen und neun Schulen coronabedingt auf Distance Learning umgestellt. Zur Einordnung: Es gibt in Österreich knapp 6.000 Schulen mit rund 58.000 Klassen, damit laufen rund 95 Prozent der Klassen weiter im Präsenzunterricht. Am Dienstag hatten die Länder noch 1.900 geschlossene Klassen eingemeldet, die Zahlen sind derzeit allerdings laut Ministerium nur "Momentaufnahmen".

Grund ist die kürzere Inkubationszeit der Omikron-Variante und die mit fünf Tagen relativ kurze Dauer der Klassenschließungen. Während laufend neue geschlossene Klassen dazukommen, kehren auch laufend Klassen wieder in den Präsenzunterricht zurück. Derzeit wird bei einem einzigen Fall in einer Klasse weiter in Präsenz unterrichtet, allerdings müssen die übrigen Kinder dann fünf Tage lang täglich getestet werden. Tritt innerhalb von drei Tagen ein weiterer Corona-Fall in dieser Klasse auf, wird auf Distance Learning umgestellt.

An den Schulen gelten seit Schulbeginn Sicherheitsmaßnahmen, die im November noch einmal verschärft wurden: Schüler und Lehrer müssen etwa durchgehend Maske tragen, dreimal pro Woche wird getestet, davon mindestens einmal mit den aussagekräftigeren PCR-Tests.

Wegen der technischen Probleme des neuen Testanbieters abseits von Wien werden die PCR-Tests derzeit gestaffelt durchgeführt. Bei der Mittwoch-Testrunde haben dabei in Oberösterreich 568 Tests angeschlagen, im Burgenland waren 72 positiv. Beim Dienstags-Test in Niederösterreich waren es 441, am Montag wurden in Salzburg 247 Fälle entdeckt und 603 in der Steiermark.

Einen Einblick, wie es an den Kindergärten aussieht, liefern Zahlen aus Wien. Dort sind in den städtischen Einrichtungen aktuell elf Prozent der Kindergartengruppen wegen Corona-Infektionen geschlossen. Bei den Kinderfreunden sind rund sieben Prozent der 600 Gruppen coronabedingt zu, dazu noch vier kleine Standorte mit nur zwei Gruppen. Bei "Kinder in Wien - KIWI" ist gegenüber der APA lediglich von einzelnen geschlossenen Gruppen die Rede. Zum Vergleich: In den Volksschulen sind derzeit laut Angaben der Stadt 17 Prozent der Klassen geschlossen.

Bei der Stadt Wien sind von den rund 8.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Bereich Kindergarten (inklusive Verwaltung) derzeit 410 und damit knapp fünf Prozent positiv getestet. Bei den Kinderfreunden sind es nach Angaben der Pädagogischen Geschäftsführerin Alexandra Fischer aktuell acht Prozent der Pädagoginnen in Quarantäne, zwei Prozent sind wegen der Quarantäne ihrer eigenen Kinder nicht im Dienst und weitere zwei Prozent wegen anderer Krankheiten im Krankenstand.

Bei KIWI kann man keine exakte Zahl nennen, es sind laut Geschäftsführung aber im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie mehr Personen im Krankenstand. Man habe allerdings Vorsorge getroffen und könne die Ausfälle durch Überstunden, Mehrstunden und den Einsatz von freigestellten Leiterinnen ausgeglichen werden. Derzeit seien jedenfalls keine Gruppen aus Personalmangel geschlossen.

Wie oft bei den Kinderfreunden derzeit die jüngst wegen der hohen Infektionszahlen in der Omikron-Welle geschaffene Möglichkeit genutzt werden muss, mangels ausgebildeter Fachkräfte die Betreuung an Personen ohne entsprechende Ausbildung (etwa Assistentinnen) zu übergeben, schwanke "halbtägig". "Wir sind bemüht, für die Familien und die Kinder vertraute Personen einzusetzen", betont Fischer jedenfalls. Ähnlich klingt das bei KIWI: Sollte in seltenen Fällen kein Fachpersonal zur Verfügung stehen, könnten nach sorgfältigem Abwägen "langjährige und erfahrene Betreuungskräfte zur Überbrückung einspringen".

Corona-Ampel: Kein Ende der dunkelroten Welle

Weiter sehr hohes Infektionsrisiko herrscht in ganz Österreich . Deshalb wird die Corona-Kommission die Ampel auch heute in allen Bundesländern auf rot setzen, geht aus dem Arbeitsdokument des Gremiums hervor. Die Zahl der Infektionen steigt landesweit, doch holen die südlichen Bundesländer mittlerweile auf.

Die Risikozahl 862 weist als noch immer "bestes" Bundesland das Burgenland auf, doch unter 100 müsste sie sein, um wenigstens in den orangen Sektor des hohen Risikos zu kommen. Letzteres scheint aktuell in manchen Bundesländern illusorisch, wenn man etwa auf die Risikozahl von knapp 3.753 in Tirol blickt.

Dabei haben jene Länder, die als erste in die Omikron-Welle schlitterten, mittlerweile den geringsten Anstieg der Infektionszahlen. In Salzburg legten die Infektionen in den vergangenen beiden Wochen nur noch um 26 Prozent zu, in Tirol um 40, in Wien um 49. Die lange glimpflicher davon gekommenen Bundesländer Steiermark, Kärnten und Burgenland haben einen Anstieg von 85, 81 bzw. 79 Prozent.

Interessant ist diesbezüglich auch ein Blick auf die Bezirke. Es gibt diese Woche nämlich zwei, in denen der 14-Tage-Trend rückläufig ist und das sind zwei Ski-Regionen, wo früh hohe Fallzahlen verzeichnet worden waren, nämlich Kitzbühel und St. Johann im Pongau.

Getestet wird recht viel, vor allem im Osten. Spitzenreiter ist Wien mit gut 150.000 Tests auf 100.000 Einwohner in der vergangenen Woche, gefolgt von Burgenland (127.000) und Niederösterreich (126.000). Die wenigsten Tests weist Vorarlberg auf mit gut 72.000.

Gering ist mittlerweile die Zahl der abgeklärten Fälle, die nur noch bei 32 Prozent im Österreich-Schnitt liegt. Ohne Symptome sind gerade einmal 27 Prozent der aufgedeckten Infektionen.

Impfung und weiblicher Zyklus: Studien "geben Sicherheit"

Eine Corona-Impfung kann zwar Einfluss auf den weiblichen Zyklus haben, die Schwankungen sind aber gering und vorübergehend. Zu diesem Schluss kommt ein Überblicksartikel in der Fachzeitschrift BMJ. Die Reproduktionsmedizinerin Victoria Male vom Imperial College London hat sich dafür unter anderem Studien aus den USA und Norwegen angesehen.

In der US-Studie wurde die Regel von tausenden Frauen sechs Zyklen lang mit einer Perioden-App überwacht. 2.400 der knapp 4.000 Probandinnen waren geimpft, der Rest war ungeimpft. Die erste Dosis hatte keinen Einfluss auf die Monatsblutung. Nach der zweiten Dosis kam die Regel im Schnitt einen halben Tag später.

Am stärksten war die Verzögerung bei den 358 Frauen, die beide Impfungen innerhalb desselben Zyklus bekamen. Bei ihnen setzte die Blutung mehr als zwei Tage später ein. Innerhalb dieser Gruppe dauerte sie bei elf Prozent auch deutlich länger. Bei allen Frauen normalisierte sich das nach zwei Zyklen.

In der anderen Studie wurden 5.688 Norwegerinnen gefragt, ob sie Veränderungen vor oder nach der Impfung bemerkt haben. 38 Prozent berichteten von Unregelmäßigkeiten vor der Impfung, 39 Prozent nach der ersten Dosis, 41 Prozent nach der zweiten Spritze. Die häufigste Veränderung, über die berichtet wurde, war eine stärkere Blutung.

"Die Ergebnisse beider Studien geben Sicherheit", fasst Male zusammen: "Veränderungen bei der Menstruation kommen nach der Impfung vor, aber sie sind gering im Vergleich zur natürlichen Schwankung und gehen schnell wieder weg." Dass das überhaupt ein Thema ist, liegt Male zufolge an der widerlegten Falschinformation, dass Corona-Impfungen unfruchtbar machen soll.

Lockdown für Ungeimpfte endet am Montag

Der Lockdown für gegen das Coronavirus ungeimpfte Personen endet am kommenden Montag. Alle anderen Maßnahmen wie etwa 2G im Handel und die Sperrstunde um 22 Uhr bleiben erhalten. Das gaben Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) vor dem Ministerrat bekannt. Nehammer stellte allerdings in Aussicht, dass es bald zu weiteren Lockerungen kommen könnte. Weiters wird die Gültigkeit der Impfzertifikate wie geplant verkürzt.

Der Lockdown für Ungeimpfte sei seit Wochen "eine Maßnahme, die viele Menschen beschwert, aber aus gesundheitspolitischen Gründen unumgänglich war", sagte Nehammer. Über Weihnachten und den Jahreswechsel hätte der Lockdown auch gewirkt, betonte Mückstein. Nun sei man gemeinsam mit Gecko aber zum Schluss gekommen, dass eine Drohung einer unmittelbaren Überlastung der Intensivkapazitäten nicht zu sehen sei.

© APA/Hans Punz

Mit dem Beibehalten der 2G-Regeln in fast allen Bereichen, auch im allgemeinen Handel, bleiben Umgeimpfte allerdings weiterhin sehr eingeschränkt. Aus der Opposition wurden zuletzt Forderungen nach weiteren Lockerungen laut. So fordern die NEOS ein Ende der 2G-Regel im Handel und die Aufhebung der Sperrstunde in der Gastronomie. Auch Rechtsexperten halten mit der Einführung der Impfpflicht ab 1. Februar die weitgehenden Einschränkungen für nicht mehr haltbar. So sagte etwa Verfassungsrechtsexperte Peter Bußjäger von der Uni Innsbruck in der "Presse", dass die 2-G-Regel in Hotels oder Lokalen weiterhin vorstellbar sei. "Aber ob ein Ungeimpfter sich nicht einmal Schuhe kaufen können soll, weiß ich nicht", meint der Professor.

Vorerst hält die Regierung daran aber fest, denn die Omikron-Welle sei noch nicht vorbei. Nehammer deutete jedoch an, dass es bald auch Lockerungen geben könnte. "Unser oberstes Gebot ist, die Einschränkungen so gering wie möglich und nur so lang unbedingt nötig aufrechtzuerhalten. Der Lockdown für Ungeimpfte ist eine der strengsten Maßnahmen, die man setzen kann. Die Situation in den Spitälern erlaubt es uns, diesen nun zu beenden."

Die Gefahr sei aber noch nicht vorbei und wir verzeichnen wöchentlich neue Höchstwerte bei den Neuinfektionen. "Es ist daher weiterhin Vorsicht geboten. Mein Appell an jene 1,5 Mio. Menschen, die noch ungeimpft sind lautet daher: Warten Sie nicht auf die Impfpflicht. Nützen Sie diese Chance und lassen Sie sich impfen. Die Impfung schützt sie selbst, sie schützt ihre Mitmenschen und sie schützt uns als Gemeinschaft", so Nehammer.

Änderungen gibt es bei den Impfzertifikaten, erklärte Mückstein. Ab 1. Februar wird der gesetzliche Mindestabstand zwischen 2. und 3. Impfung von 120 Tagen auf 90 Tage reduziert. Die Empfehlung des Nationalen Impfgremiums lautet allerdings weiterhin, die 3. Impfung frühestens ab vier Monate nach der 2. Impfung und nicht früher zu machen. Betroffenen Personen, die aufgrund eines Unterschreitens dieses Mindestabstandes nach der 3. Impfung bisher ein Impfzertifikat 2/2 erhalten haben, wird zeitnah ein neues Impfzertifikat 3/3 ausgestellt werden.

© APA

Weil sich die medizinischen Empfehlungen geändert haben, ändert sich ab 1. Februar auch die Gültigkeit der Impfzertifikate im Grünen Pass. Mit 1. Februar 2022 ist das Impfzertifikat über die erste Impfserie (2 Impfungen oder Genesung + 1 Impfung) nur noch 180 Tage (also 6 Monate) gültig. Eine Ausnahme gibt es für Personen unter 18 Jahren. Deren Impfzertifikat über die erste Impfserie wird 210 Tage (also 7 Monate) lang gültig sein. Das Impfzertifikat der Booster-Impfung (3 Impfungen oder Genesung + 2 Impfungen) ist weiterhin 270 Tage (9 Monate) gültig. Für die Einreise nach Österreich bleiben Impfzertifikate oder andere Impfnachweise weiterhin 270 Tage gültig.

Rufe nach 2G-Ende mehren sich

Die Ankündigung der Bundesregierung, wonach ab kommendem Montag der Lockdown für Ungeimpfte endet, geht der Opposition, aber auch den Sozialpartnern nicht weit genug. Wie FPÖ-Chef Herbert Kickl forderten auch die Sozialpartner, dass die 2G-Regel im Handel und bei den körpernahen Dienstleistern fallen müsse. Auch die NEOS wollen ein Aus für 2G sowie ein Ende der Sperrstunde um 22 Uhr. Erfreut zeigte sich Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner.

»Diese Maßnahme alleine ist ein Hohn für die davon betroffenen Menschen«

Den Lockdown für Ungeimpfte zu beenden, bringe den Betroffenen eigentlich kein Stück mehr Freiheit zurück, betonte Kickl am Mittwoch. Alles was Ungeimpfte dann tun dürfen, sei "ein Spaziergang, ohne dafür einen Grund angeben zu müssen". "Das Ende für den Lockdown für Ungeimpfte am kommenden Montag ist ein längst überfälliger Schritt - dieser kann aber nur der Anfang sein, weil diese Maßnahme alleine ein Hohn für die davon betroffenen Menschen ist." Daher müssten auch die 2G-Beschränkungen im Handel oder den körpernahen Dienstleistungen "sofort aufgehoben werden", so Kickl.

Diese Forderung teilten auch die Sozialpartner in einer gemeinsamen Erklärung: "Wir begrüßen die Aufhebung des Lockdowns für Ungeimpfte, da entsprechend der Gecko Empfehlung aktuell keine Überlastung der Intensivstationen droht. Dieser Schritt ist aber bei weitem noch nicht ausreichend."

»Dieser Schritt ist bei weitem noch nicht ausreichend«

Die Sozialpartner bekräftigten in ihrem schriftlichen Statement, "dass im gleichen Atemzug die 2G-Verpflichtung im Handel und bei den körpernahen Dienstleistern sowie die Kontrollen durch die MitarbeiterInnen in den Betrieben mit Montag fallen müssen, das ist schon längst völlig unzumutbar". Die Mitarbeiter seien "massiven Anfeindungen" ausgesetzt, "viele gehen mit Angst in die Arbeit". Weiters forderten die Sozialpartner eine Verlängerung der Sperrstunde in der Gastronomie auf 24 Uhr. Die bisherige Regelung mit 22 Uhr sei "aus epidemiologischer Sicht und des schon bisher sicheren Settings in der Gastronomie nicht mehr haltbar".

Parallel dazu lehnen die Sozialpartner eine "überfallsartige Verkürzung" der Gültigkeitsdauer des Grünen Passe auf sechs Monate ab. Es brauche mehr Informationen, damit die Impfungen zeitgerecht verabreicht werden können, erklärten die Präsidenten von Wirtschaftskammer, Gewerkschaftsbund, Landwirtschaftskammer sowie die Präsidentin der Arbeiterkammer. Auch im Hinblick auf die Semesterferien plädierten die Sozialpartner auf eine Verschiebung dieser Maßnahme auf den 1. März.

»Das Ende des Lockdowns für Ungeimpfte ist nur der erste Schritt«

"Grundsätzlich positiv" reagierte NEOS-Klubobfrau Beate Meinl-Reisinger auf das angekündigte Ende des Lockdowns für Ungeimpfte: "Mit der letzte Woche beschlossenen Impfpflicht sind wir für den Herbst jedenfalls gerüstet." Damit müssten jetzt aber die "massiven Einschränkungen unseres täglichen Lebens" zurückgefahren werden. "Und da ist das Ende des Lockdowns für Ungeimpfte nur der erste Schritt." Die Bundesregierung sei gefordert, "endlich einen Stufenplan vorzulegen, wie ein schrittweises Ende der Einschränkungen aussehen kann, beginnend bei der völlig willkürlichen Sperrstunde um 22 Uhr und dem Aufheben von 2G im Handel". Aber auch die Kinder und Jugendlichen dürften nicht vergessen werden: "Dass immer noch keine Schulveranstaltungen wie zum Beispiel Wandertage stattfinden können, muss endlich aufgehoben werden."

Der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) als aktueller Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz zeigte sich erfreut über das bevorstehende Lockdown-Ende. Mit Blick auf mildere Krankheitsverläufe und stabile Intensivzahlen sei es ein "logisch nachvollziehbarer Schritt der Gecko-Kommission". Wallner und einige andere Landeshauptleute hatten bereits am Dienstag das Ende des Lockdowns für Ungeimpfte und die Aufhebung der 22.00 Uhr-Sperrstunde gefordert.