Wolfgang Mückstein: Arzt, Minister - und jetzt Rücktritt

Wolfgang Mückstein folgte Gesundheitsminister Rudolf Anschober und sorgte mit seinen Sneakers bei der Angelobung für Aufregung. Das richtige Rezept gegen die Coronapandemie schien der Arzt aber auch nicht so recht zu finden. Zuletzt stürzte er im News-Regierungszeugnis ab. Nun zieht er die Konsequenzen und tritt zurück. Ein Porträt.

von Wolfgang Mückstein © Bild: APA/Herbert Neubauer

Steckbrief Wolfgang Mückstein

  • Name: Wolfgang Mückstein
  • Geboren am: 5. Juli 1974
  • Position: Gesundheitsminister
  • Partei: Die Grünen
  • Beruf davor: Allgemeinmediziner und Ärztekammer-Funktionär
  • Ausbildung: Medizin-Studium an der Universität Wien und TCM-Studium
  • Familienstand: Geschieden, zwei Töchter

Mit dem Rücktritt Rudolf Anschober als Gesundheitsminister im April 2021 wurde Wolfgang Mückstein österreichischer Gesundheitsminister. "Es brauche jetzt große Expertise", sagte Vizekanzler Werner Kogler damals.

Doch nach einem halben Jahr im Amt muss Mückstein erkennen: Im Koalitionsgetriebe und im Wechselspiel mit den Ländern wird das Corona-Management träge. Und vom smarten Entscheider zum als Zauderer Kritisierten ist es ein kurzer Weg.

Wolfgang Mücksteins Rücktritt

Nach einem knappen Jahr zieht Mückstein nun die Konsequenzen und tritt als Gesundheitsminister zurück. Als Grund gab er an, nicht mehr täglich 100 Prozent leisten zu können. Dies sei aber bei dieser Aufgabe vonnöten. Als besonders belastend habe er tägliche Drohungen gegen sich und seine Familie empfunden. Wenn man das Haus nur noch unter Polizeischutz verlassen könne, halte man das nicht lange aus. Mücksteins Nachfolger wird der Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch.

Wolfgang Mückstein: Tätigkeit als Arzt

Bevor Wolfgang Mückstein im April 2021 Gesundheitsminister wurde, ordinierte Doktor Mückstein in einer Praxis an der Wiener Mariahilfer Straße. Im besseren Fall gelang es ihm, seine Patientinnen und Patienten davon zu überzeugen, bei ihrer Behandlung mitzuarbeiten. Im schlechteren Fall bogen diese in die nächste Konditorei oder ins Wirtshaus ab und hielten sich nicht an die Maßnahmen.

Wolfgang Mückstein und der Patient Österreich

Nun, mitten in der Coronapandemie, behandelt Mückstein den Patienten Österreich, und die Bereitschaft zur Kooperation ist stellenweise gering. "In der Praxis braucht es manchmal längere Überzeugungsarbeit und das Vertrauen in die verordneten Medikamente", sagte Mückstein, "Dieses Überzeugen braucht es auch jetzt. Ich habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass es viele unterschiedliche Interessen gibt, dass es seine Zeit braucht und viel Abstimmung im Hintergrund. Das habe ich lernen müssen. Man glaubt ja immer, der Gesundheitsminister macht das alles. Mache ich ja auch, aber eben mit einer gewissen Vorlaufzeit."

Nicht rechtzeitig gehandelt?

Als Mückstein das Angebot, die Nachfolge von Rudolf Anschober anzutreten, angenommen hatte, setzte er auf die natürliche Autorität seines Berufs. Es gehe um Menschenleben, da scheue er unpopuläre Maßnahmen nicht, erklärte er bei seiner Präsentation. Schon wenige Wochen später hatten sich im Koalitionsgetriebe solche Ecken und Kanten abgeschliffen. Als der damalige Kanzler Sebastian Kurz die Pandemie für "beendet" erklärte, Coronaregeln gelockert wurden und die Impfkampagne einschlief, wollten die Grünen keine Spielverderber sein. In der vierten Welle, galt der Vorwurf, nicht rechtzeitig gehandelt zu haben, aber auch dem Gesundheitsminister.

Wolfgang Mückstein: Sein Gang in die Politik

"Mir war klar, dass Corona nicht vorbei ist und dass das eine Herausforderung wird", erinnert sich Mückstein an seine Entscheidung für das Ministeramt. "Ich wollte mithelfen", erklärt er seine Motivation. Und: "Ich habe es mir auch zugetraut." Selbst ohne Corona seien die Aufgaben in seinem Haus, etwa beim Thema Pflege, groß und das Pandemiemanagement binde Ressourcen, die auch anderswo eingesetzt werden könnten. "Aber es macht auch Spaß. Das habe ich am Anfang nicht gewusst."

Elternhaus

Aufgewachsen ist Wolfgang Mückstein in Wien. Die Mutter eher bürgerlich, der Vater schon früh an der Umweltbewegung interessiert. Die Eltern trennten sich, als er vier Jahre alt war. Der Urgroßvater mütterlicherseits hat 1916 den ersten Kesselwagen für den Transport von Flüssigkeiten gebaut und war erfolgreicher Unternehmer. Das Erbe daraus macht Mückstein finanziell unabhängig.

Der Mediziner Wolfgang Mückstein

Dass er Arzt wurde, schreibt er dem Einfluss seiner Mutter zu. Diese wollte Medizin studieren, entschied sich aber auf Wunsch ihres Vaters für Jus. "Sie ist eine gute Juristin, in ihrem Herzen aber eigentlich Medizinerin", erzählt er. Für "jedes Wehwehchen hat sie ein Hausmittel parat. Diese Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper war spannend für mich. Das ist auch der Grund dafür, dass ich eine Ausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin habe." Als Schüler war Mückstein an Biologie und Psychologie interessiert. Aber wie aufreibend der Beruf eines Psychologen sein kann, sah er bei seiner Stiefmutter, der Psychologin und früheren Grün-Abgeordneten Eva Mückstein.

»Es macht mir einfach Spaß, mit Sprache zu arbeiten.«

Talente abseits der Medizin

Eine Schwester Mücksteins ist die Filmregisseurin Katharina Mückstein, eine weitere Schwester hat Design studiert. Ob er selbst musische Talente habe? "Ich spiele gern, aber nicht gut Klavier", sagt er. Und: "Am ehesten kann ich dichten. Das mache ich nicht regelmäßig, aber gerne. Es macht mir einfach Spaß, mit Sprache zu arbeiten." Und neben all den fachlichen Unterlagen, die er lesen muss, "gewöhne ich mir wieder an, vor dem Schlafengehen zu lesen. Das ist wunderbar, um den Tag zu beschließen." Das letzte Buch, das er gelesen hat?"Tyll" von Daniel Kehlmann und das schon zum zweiten Mal.

Wolfgang Mücksteins Weg zu den Grünen

Die ersten Jahre nach dem Medizinstudium arbeitet Mückstein mit Drogenkranken und hilft bei der Betreuung von Obdachlosen. 2004 dockt er bei den Grünen an und ist bei der Besetzung des Bacherparks, mit der der Bau einer Tiefgarage verhindert wurde, dabei. Später ist er bei den grünen Ärztinnen und Ärzten in der Ärztekammer aktiv. Er unterstützt Werner Kogler im EU-Wahlkampf, berät die Grünen bei den Koalitionsverhandlungen und seinen Vorgänger Rudolf Anschober bei den Gesundheitsagenden.

Ziele

Was man einmal über ihn und seine Arbeit sagen soll? "Aufrichtigkeit und Einsatz. Das würde ich mir wünschen", sagte er im News-Interview. Vielleicht geht zumindest dieser Wunsch in Erfüllung.