Corona in Schule und Universität

Alle Regeln für das Schuljahr und Studienjahr 2021/2022

Seit 22. November ist der 20-tägiger bundesweite Lockdown in Kraft. Was das für die Schulen bedeutet, lesen Sie hier.

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Schule & Corona - Corona in Schule und Universität © Bild: APA/dpa-Zentralbild/Ralf Hirschberger

Die Schulen und Kindergärten bleiben auch während des Lockdowns geöffnet - gleichzeitig appellieren aber Regierung wie Länder, die Kinder wenn möglich daheim zu betreuen. In den Schulen gilt durchgehend Maskenpflicht: Kinder in Volksschulen, AHS-Unterstufen, Mittelschulen und Sonderschulen müssen zumindest einen Mund-Nasen-Schutz tragen, alle anderen Schüler sowie Lehrer eine FFP2-Maske. Kritik kommt von Lehrervertretern.

Stundenplan bleibt aufrecht

Laut Bildungsministerium gilt jene Regel, die gestern für Oberösterreich und Salzburg getroffen wurde, ab Montag für ganz Österreich. Der Stundenplan bleibt also aufrecht. Kinder, die nicht in die Schule gehen wollen, dürfen aber daheimbleiben. Dafür reicht eine Entschuldigung der Eltern, ärztliches Attest ist keines nötig.

Flächendeckendes Distance Learning gibt es nicht, da der Unterricht grundsätzlich in Präsenz stattfindet - Kinder, die nicht in die Schule kommen, sollen sich aber über die durchgenommenen Stoffgebiete bei den zuständigen Lehrerinnen und Lehrern informieren können. Sie können auch Lernpakete für daheim erhalten. Falls sie die technischen Möglichkeiten haben und die Lehrer dies anbieten, können sie sich auch von daheim in den Unterricht "dazuschalten". Eine Verpflichtung dazu besteht nicht.

Drei Covid-Tests pro Woche

Wer in die Schule kommt, muss sich wie bisher dreimal die Woche testen lassen (ausgenommen sind nur Genesene). Gibt es einen Infektionsfall, müssen alle anderen Schüler fünf Tage lang täglich zumindest einen Antigentest durchführen. Die Maske muss auch im Unterricht getragen werden, beim Lüften sind Maskenpausen einzuplanen. Schularbeiten bzw. Tests sollen in der Lockdown-Phase grundsätzlich vermieden werden.

Kritik kommt vom obersten Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG). "Die politische Kommunikation ist eine Katastrophe - man hört von allen Seiten etwas anderes", meinte der Vorsitzende der ARGE Lehrer in der GÖD zur APA. "Ich habe meine Zweifel, ob diese Maßnahmen wirklich dazu führen, die extrem hohen Inzidenzen an den Schulen zu senken."

Kritik vonseiten der Lehrervertretung

Man werde ab Montag sehen, ob die Appelle vom Bundeskanzler abwärts, die Kinder nach Möglichkeit nicht in die Schule zu schicken, auch helfen, so Kimberger. "Aus meiner Sicht sind die Maßnahmen ungenügend, um Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Kinder und Familien, die man ja auch mitdenken muss, zu schützen. In Wirklichkeit müssten jetzt die Präsenzphasen deutlich reduziert werden. Was uns von Virologen empfohlen wird - Kontaktreduzierung, Abstand -, das müsste auch in der Schule umgesetzt werden."

Offenbar spiele der Gesundheitsschutz an den Schulen nur eine untergeordnete Rolle. "Wir haben bedenkliche Inzidenzen und viele Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte in Quarantäne", so Kimberger. "Von den Gesundheitsbehörden kommt auch nicht die Unterstützung, die wir dabei brauchen." Daher bestehe die Gefahr, dass die Inzidenzen an den Schulen trotz Lockdown hoch bleiben.

Laut Zahlen der AGES liegt die Inzidenz bei den Fünf- bis 14-Jährigen in allen Bundesländern derzeit in etwa doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Bei den Inzidenzen gibt es aber enorme Unterschiede zwischen den Ländern: So liegt die 7-Tage-Inzidenz bei den Fünf- bis 14-Jährigen derzeit etwa in Salzburg bei 3.055 und in OÖ bei 2.844, während sie in Wien 1.046 beträgt.

Distance Learning ab zweitem Infektionsfall in der Klasse

Klassen sollen künftig bundesweit ab dem zweiten Corona-Infektionsfall für mindestens fünf Tage ins Distance Learning geschickt werden. Darauf haben sich Bildungs- und Gesundheitsministerium verständigt, hieß es gegenüber der APA. Allerdings muss dies auch noch mit den Ländern akkordiert werden. Damit würden die Schulen bzw. Schulbehörden de facto Teile der Aufgaben der Gesundheitsbehörden in diesem Bereich übernehmen.

In den vergangenen Wochen hatten vor allem Lehrervertreter und Direktoren wiederholt beklagt, dass vor allem in Salzburg und Oberösterreich immer wieder Schüler trotz Kontakts mit infizierten Klassenkameraden nicht oder erst verspätet abgesondert wurden und weiter den Unterricht besuchten. Zuletzt forderten sie deshalb, die Entscheidung über eine Quarantäne selbst treffen zu dürfen und erst im Nachhinein durch die Gesundheitsbehörde absegnen zu lassen.

Bisher lief das Nachhauseschicken der Kinder über die jeweiligen Quarantäne - bzw. Kontaktpersonenregeln, die von den Gesundheitsbehörden der Länder verhängt wurden. Diese hätten eigentlich nach ähnlichen Direktiven vorgehen sollen - also Quarantäne ab mehreren Fällen in einer Klasse. Da das Contact Tracing in mehreren Bundesländern aber de facto zusammengebrochen ist, wurde dies oft nicht eingehalten. Salzburg etwa schickte ab Anfang November nur infizierte Kinder nachhause.

Künftig soll die Regel lauten: Sollte in einer Klasse ein Infektionsfall auftreten, muss nur das betroffene Kind daheimbleiben. Für alle anderen Kinder läuft der Unterricht weiter, sie müssen aber fünf Tage lang täglich testen.

Fünf Tage Distance Learning

Ab dem zweiten Fall in der Klasse wechselt die gesamte Klasse nach Rücksprache mit der jeweiligen Bildungsdirektion ins Distance Learning. Dort verbleiben die Kinder in der Regel für fünf Tage. Anschließend muss ein Test absolviert werden - wenn möglich ein PCR-Test. Dann können die (negativen) Kinder wieder zurück in den Präsenzunterricht.

Bisher schickten die Gesundheitsbehörden die Kinder also in Quarantäne (oder auch nicht), wodurch sich bei entsprechenden Fallzahlen in einer Klasse Distance Learning ergeben konnte. Künftig soll die Schule in Absprache mit der Bildungsbehörde direkt das Distance Learning verordnen können. Die Maßnahme muss noch mit den Ländern abgestimmt werden, betonte man im Gesundheitsministerium gegenüber der APA. Dazu sollen noch heute Gespräche stattfinden - die Länder hatten allerdings bereits gestern solch eine Regelung eingefordert.

Viele Hochschulen stellen um

Viele Hochschulen stellen angesichts des anstehenden Lockdowns ihren Betrieb um. An der Uni Innsbruck finden etwa ab Montag alle Lehrveranstaltungen und Prüfungen nur in virtueller Form statt. Die Uni Wien verlegt dagegen vor allem ihre Vorlesungen ins Netz und lässt etwa Labor- oder Sportübungen weiter vor Ort stattfinden. Auch geplante Präsenzprüfungen können stattfinden.

Nicht-prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen finden an der größten Hochschule des Landes demnach generell digital statt. Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen (insb. Laborlehre, Sport), die nur vor Ort stattfinden können, bleiben in Präsenz. Prüfungen werden in jener Form abgehalten, in der sie geplant waren - bei Vor-Ort-Lehre oder -Prüfungen gilt die 2,5G-Regel sowie die FFP2-Maskenpflicht (ausgenommen sind Redebeiträge).

Ähnlich die Uni Linz: Auch dort wird weitgehend auf Onlinebetrieb umgestellt, ausgenommen sind auch hier Lehrveranstaltungen, die nur präsent abgehalten werden können, beispielsweise Labore. Prüfungen sollen soweit wie möglich digital abgehalten werden, können aber auch präsent stattfinden, wenn dies wegen der Kurzfristigkeit der Umstellung notwendig ist. Für alle Präsenzanteile gilt weiterhin 2,5G-Nachweis sowie FFP2-Maskenpflicht.

Auch an der Universität Salzburg und der Fachhochschule Salzburg wechseln ab Montag Lehre und Prüfungen mit wenigen Ausnahmen in den Online-Modus. Wenn Präsenzunterricht erforderlich ist - etwa in Laboren oder bei nicht verschiebbaren Kleingruppen-Treffen - gilt an der Uni ausschließlich 2G, an der Fachhochschule 2,5G und Maskenpflicht.

Anders an der Uni Graz: Dort können ab Dienstag Lehrveranstaltungen und Prüfungen weiter grundsätzlich in Präsenz stattfinden - allerdings dürfen die Räume nur zur Hälfte ausgelastet werden, hieß es in einer Aussendung. 2,5G-Regel sowie die Maskenpflicht in allen öffentlichen Bereichen bzw. in den Lehrveranstaltungen (ausgenommen Redebeiträge) bleiben aufrecht.

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) verlangt einen Hybrid-Betrieb an den Hochschulen. Ein Zurück zur reinen Online-Lehre dürfe es nicht geben, hieß es in einer Aussendung. "Wir Studierende haben eine der höchsten Impfquoten von 82 Prozent. Es kann nicht sein, dass unsere Hochschulen zu machen müssen, weil die Regierung das Pandemie-Management verschlafen hat", so ÖH-Vorsitzende Sara Velic. Außerdem brauche es einen Härtefonds für Studierende, die ihren Job verlieren.