Blasmusik und "The Final Countdown": BZÖ startet Wahlkampf traditionell und modern

Haider mit 100 Prozent zum neuen BZÖ-Chef gewählt LH liefert politischen Rundumschlag zum Amtsantritt

Blasmusik und "The Final Countdown": BZÖ startet Wahlkampf traditionell und modern © Bild: Reuters/Ebenbichler

Draußen Blasmusik, drinnen "The Final Countdown": Für jeden etwas aufbieten wollte das BZÖ bei seinem Wahlkampfauftakt und außerordentlichen Bundeskonvent in Graz. Knapp 1.000 Delegierte und Gäste hatten sich in der Stadthalle eingefunden, rot-weiß-rote Fahnen schwenkend begrüßten sie nach halbstündiger Verspätung Spitzenkandidat Jörg Haider. Dieser ist mit 100 Prozent der abgegebenen Stimmen zum neuen Obmann seiner Partei gewählt worden.

661 Delegierte schritten zur Wahl, es gab weder Gegenstimmen noch Enthaltungen. Der BZÖ-Gründer folgt auf Peter Westenthaler, der das Bündnis in den letzten zwei Jahren geleitet hatte. Bei seiner Antritts-Rede lieferte Haider einen politischen Rundumschlag, Hauptkonkurrent FPÖ blieb aber völlig unerwähnt.

Der Namen Heinz-Christian Strache fiel kein einziges Mal. Die Grünen blieben sogar zur Gänze ignoriert, dafür gab es Schmeicheleien für die "Kronen Zeitung" und deren Herausgeber Hans Dichand. "Kein Medium in Österreich hat die Größe und Toleranz gehabt, auch den Gegnern des EU-Vertrags eine Stimme zu geben", versuchte Haider, die Gunst Dichands vor der Wahl für sich zu gewinnen. Die ÖVP sei daher auch nicht zu verstehen, dass sie nun derart "beleidigt" sei. Haider weiter: "Die sollen nicht die Steine auf den älter gewordenen Herausgeber werfen."

"Wahltag ist Zahltag"
In Großem und Ganzen ging es aber dann doch über Rot-Schwarz und darum, wie es das BZÖ besser machen würde. "Ich glaube, dass wir sagen können, der 28. September ist eine Zeit der Abrechnung. Wahltag ist Zahltag", witterte Haider mit altbewährten Slogans seine Chance. Die Koalition habe zwei Jahre lang nichts gegen die Teuerung getan. "Am Abend wird der faule fleißig", meinte er daher zum Fünf-Punkte-Paket von SPÖ-Chef Faymann.

Auch das Thema Einwanderung vergaß Haider freilich nicht, und nützte die Gelegenheit gleich, auch den Verfassungsgerichtshof mit zu attackieren. "Wir schauen schon drauf, dass wir nicht die falschen mit Staatsbürgerschaften ausstatten", meinte er zum Fall eines muslimischen Religionslehrers, dem Haider die Staatsbürgerschaft verweigert hatte. Der VfGH habe dem angeblichen "Hassprediger" zwar Recht gegeben, aber: "Der VfGH ist nicht Gesetzgeber. Das letzte Wort hat das Volk und das letzte Wort hat der Wähler in einer Demokratie." Dafür gab es ausgiebig Applaus.

Westenthaler bleibt in der Politik
Jörg Haider folgt im BZÖ-Vorsitz auf Peter Westenthaler, der das Bündnis in den letzten zwei Jahren geleitet hatte. Westenthaler hat in Graz angekündigt, in der Politik zu bleiben. "Ich trete heute nicht zurück, ich trete zur Seite. Ich nehme nicht den Hut und sage nicht Adieu." Dafür gab es Standing Ovations.

(apa/red)