Das ungarische Architekturbüro Hello Wood baut Kleinsthäuser, die modernen Luxus auf kleinstem Raum ermöglichen sollen. Von Glamping-Luxusresorts über Schulen bis zu Sommerhäusern: Statt einförmiger Fertigteilbauten entwirft das Unternehmen futuristische Minihäuser, aber auch kunstvolle, begehbare Holzinstallationen und Open-Air-Oasen aus Brettsperrholz.
Verspiegelte Fronten, futuristischer Look, Luxus auf kleinem Raum: Das Tiny House „Pebl Grand“ von Hello Wood sieht ein bisschen aus wie ein Raumschiff und zeigt, dass sich auf 20,7 Quadratmetern komfortabel leben lässt. Kingsize-Bett, Küchenzeile, Bad mit Dusche und Toilette, Panoramafenster sowie eine optionale Sauna stehen für modernen Wohnkomfort und richten sich an alle, die bewusst reduziert leben wollen.
Hello Wood verfolgt eine klare Philosophie: weniger statt mehr Platz, dafür durchdachtes Design und ein unbezahlbares Gefühl von Freiheit. Dabei ist das „Pebl Grand“ die Weiterentwicklung des kleineren „Pebl One“, einer knapp neun Quadratmeter großen Kabine, die ursprünglich als separates Studio konzipiert wurde, etwa als Homeoffice, Gästeoder Meditationsraum.
Bildungsprojekt und Designstudio
Als Hello Wood 2010 als Non-Profit-Bildungsprojekt startete, ahnte jedoch noch niemand, dass daraus ein vielfach ausgezeichnetes Designstudio hervorgehen würde. Für Hello-Wood-Mitbegründer und Architekt András Huszár stand das Experimentieren und Entwerfen möglichst nachhaltiger Bauformen mit Brettsperrholz („Cross Laminated Timber“ bzw. „CLT“) im Mittelpunkt und das gilt bis heute: „Hello Wood hat als Bildungscamp begonnen. 2010, als ein internationales Architektur- und Design-Festival für Studierende“, erinnert sich der Architekt.
Das ursprüngliche Ziel sei nicht gewesen, kleine Holzkabinen zu produzieren, sondern eine praxisnahe Lernumgebung zu schaffen. Daraus entwickelte sich schrittweise eine gestalterische und soziale Mission: „Es ging immer auch um eine Botschaft: Community, gemeinsames Bauen, Lernen durch Praxis.“
Die Idee der bewohnbaren Strukturen entstand später aus diesem Kontext heraus. „Wenn man uns und andere Hersteller vergleicht, sieht man, dass die meisten einfach eine Holzbox hinstellen: Vier Wände, das war’s“, erklärt Huszár. Die organisch-futuristische Formensprache ist bis heute ein zentrales Differenzierungsmerkmal.


Auf rund 21 Quadratmetern vereint das Tiny House „Pebl Grand“ Schlafbereich mit Kingsize-Bett, eine kompakte Küchennische sowie ein Bad. Die Wände sind mit Eichenholz verkleidet, die Böden aus Eichenparkett oder Teppich in braun- oder Blautönen.
© Hello Wood/György PalkoVom Experiment zum Wohnmodell
Huszár führt heute ein Team aus 50 Personen. Einen entscheidenden Wendepunkt markierte das Jahr 2018: „Mit dem Cabin Fever Festival haben wir erstmals internationale Architekturbüros eingeladen. Sieben Studios aus Ländern wie Italien, Argentinien oder der Schweiz haben Prototypen entwickelt.“ Diese experimentellen Kleinbauten bildeten die Grundlage für das heutige Portfolio.
„Wir haben erkannt, dass diese Größenordnung von Gebäuden ideal ist, um nachhaltiger zu denken und gleichzeitig gestalterische Freiheit zu behalten.“ Die COVID19-Pandemie verstärkte die Nachfrage nach kleinen, naturnahen Wohnformen: „Während der Pandemie wollten viele Menschen die Städte verlassen und näher an die Natur ziehen. Das war ein großer Schritt für uns.“
In dieser Phase entwickelte Hello Wood unter anderem kompakte Modelle wie die Pebl-Cabins mit rund 21 m² Wohnfläche. „Sie sind klein, aber voll ausgestattet, mit Heizung, Klimatisierung und minimalen Betriebskosten. Gleichzeitig bieten sie eine hohe Lebensqualität.“
Wir sind nicht nur Architekten. Wir entwerfen, bauen, produzieren und betreiben Resorts.
Mehr als ein Architekturbüro
Hello Wood versteht sich nicht als klassisches Architekturbüro: „Wir sind nicht nur Architekten. Wir entwerfen, bauen, produzieren und betreiben auch Resorts.“ Ein zentraler Unterschied zu anderen Planungsbüros liegt im Umgang mit Budgets, erklärt Huszár: „Wir arbeiten mit fixen Budgets. Das heißt: Wir entwerfen innerhalb eines klar definierten Rahmens – das Risiko liegt bei uns, nicht bei den Kunden.“
Mittlerweile ist das Unternehmen international tätig, unter anderem in den USA, Kanada, den Niederlanden, Polen und Österreich. „Etwa die Hälfte unserer Projekte ist international.“ Das Brettsperrholz, das für die Tiny Houses verwendet wird, kommt zu einem großen Teil aus Österreich.
Zukunftspotenzial sieht Huszár insbesondere in Brettsperrholz: „Ich glaube, es ist eines der wichtigsten Materialien der Zukunft, leistungsfähiger als viele Alternativen.“ Konstruktiv setzt Hello Wood auf ressourcenschonende Lösungen: Die Kabinen stehen auf einem Erdschraub-Fundament. Eine Betonplatte ist damit nicht erforderlich, was die Umweltbelastung noch einmal reduziert.
Ab 75.000 Euro
Preislich beginnen die Tiny Houses bei etwa 75.000 Euro und können, je nach Ausstattung, bis rund 120.000 Euro kosten. Die Planung geschieht in enger Abstimmung mit dem Kunden, eine Beziehung, die Huszár als freundschaftlich beschreibt: „Viele begleiten uns seit Jahren, wir wachsen gemeinsam.“
Nach einem digitalen Planungsgespräch, in dem Grundstücksparameter, rechtliche Rahmenbedingungen sowie Strom- und Wasserversorgung geklärt werden, beginnt die Umsetzung. Die Bauzeit beträgt meist nur wenige Wochen, innerhalb Europas erfolgt die Lieferung in der Regel innerhalb von sechs Monaten. Größere Häuser sind in etwa einem halben Jahr bezugsfertig. Produziert wird in Ungarn, geliefert schlüsselfertig innerhalb Europas.
Personalisierte Häuser
Kurze Lieferketten und ein enges Netzwerk an europäischen Partnern ermöglichen diese Geschwindigkeit. Etwa sechs Millionen Euro Jahresumsatz generiert das Unternehmen derzeit. Aktuell arbeitet das Unternehmen an mehreren Schulprojekten in Ungarn sowie an einem größeren Villenprojekt in Villach.
Für die kommenden Jahre setzt das Unternehmen verstärkt auf individualisierte CLT-Häuser: „Wir entwickeln ein System, mit dem Kunden ein einzigartiges Haus gestalten können, kein klassisches Modulhaus.“ Was als experimentelles Bildungsprojekt begann, ist heute ein Unternehmen, das zeigt, dass sich Nachhaltigkeit und gestalterischer Anspruch durchaus miteinander vereinbaren lassen.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 19/2026 erschienen.







