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Unter anderem solle überprüft werden, wie genau die Fed künftig kommuniziert. Ein Vorgeschmack dürfte die deutlich zusammengestrichene Fed-Stellungnahme sein, die in der Vergangenheit noch mehrere Seiten umfasste. Auch Pressekonferenzen und die vierteljährlichen Projektionen sollen auf den Prüfstand kommen - letztere sind Warsh seit langem ein Dorn im Auge. Er habe zwar seine Kollegen dazu "ermuntert", weiterhin ihre Einschätzungen abzugeben, sagte er auf einer Pressekonferenz. Doch er selbst habe nicht teilgenommen.
Seinen Auftritt vor Pressevertretern nahm er zum Anlass, die bisherigen Datenerhebungsmethoden deutlich zu kritisieren. "Die meisten Daten, die Zentralbanker und andere Regierungsbeamte in den Vereinigten Staaten verwenden, stammen aus altmodischen Umfragemethoden", sagte Warsh. Er sei überzeugt, dass es im Privatsektor "viele neue Datenquellen" gebe.
Noch im März rechnete niemand mit einer strafferen Geldpolitik. Angesichts der aktuellen Inflation erwarten nun 9 der 18 befragten Fed-Mitglieder mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte). Unter diesen können sich sechs eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Acht weitere Mitglieder rechnen unterdessen mit einer Zinspause für 2026. Nur ein einziges Mitglied erwartet einen Zinsschritt nach unten.
"Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung ist in Anbetracht der Projektionen und des Wortlauts während der Pressekonferenz wahrscheinlicher geworden, allerdings ist diese auch nicht in Stein gemeißelt", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom bei der VP Bank.
Zudem rechnen die Notenbanker für das laufende Jahr mit einer deutlich höheren Inflation als bisher. Für 2026 erwartet die Zentralbank mittlerweile eine Teuerungsrate von 3,6 Prozent - noch im März, kurz nach dem Beginn des Iran-Kriegs, waren die Experten von 2,7 Prozent ausgegangen. Die Inflation dürfte im kommenden Jahr auf 2,3 Prozent abflauen, was 0,1 Prozentpunkte mehr wäre als bisher.
Unterdessen dürfte die US-Wirtschaft mit 2,2 Prozent in diesem Jahr schwächer wachsen als erwartet. Bisher erwartete die Fed ein Plus von 2,4 Prozent. Die Konjunkturerwartungen für das kommende Jahr bleiben bei 2,3 Prozent.
Grund für die neuen Projektionen und die Zinspause sind die Folgen des Iran-Kriegs und die lange Blockade in der Straße von Hormuz, die das weltweite Energieangebot deutlich eingeschränkt haben. Entsprechend müssen Firmen derzeit viel mehr Geld für Öl, Gas und Dünger ausgeben. Das belegen auch die Mai-Zahlen in der größten Volkswirtschaft: Für Energie musste 23,5 Prozent mehr gezahlt werden als vor einem Jahr. Besonders stark war der Anstieg der Benzinpreise. Der Kraftstoff hat sich um etwa 40 Prozent verteuert. Warsh kündigte eine Sondereinheit an, die den "Ursachen" der Inflation nachgehen soll.
Zuletzt lag die Inflation in den USA bei 4,2 Prozent. Über das Jahr hinweg dürfte diese nach Überzeugung der Fed auf hohem Niveau bleiben: Für 2026 rechnet sie mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent, was deutlich mehr ist als noch kurz nach Beginn des Iran-Kriegs angenommen.
Zudem war die Zahl der Beschäftigten in den USA im Mai überraschend um 172.000 gestiegen - fast doppelt so stark wie von Experten erwartet. Das lässt Zinssenkungen in die Ferne rücken und stattdessen - wenn auch eher unwahrscheinlich - Zinserhöhungen wieder ein Thema werden.
Jerome Powell war turnusgemäß im Mai als Chef ausgeschieden und als Mitglied in den Vorstand gewechselt. Er versperrt Trump damit die Möglichkeit, einen weiteren Kandidaten im Fed-Führungsgremium zu platzieren. Powell dürfte es Warsh zudem schwieriger machen, mögliche Zinssenkungen durchzubringen.
Dieser saß einst schon im Fed-Vorstand. Warsh gilt eigentlich als "Inflation Hawk" und tendiert eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Der 56-Jährige soll sich allerdings laut US-Medien offen für niedrigere Leitzinsen gezeigt haben - zur Freude Trumps.
Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Inflation und Vollbeschäftigung finden. Das Problem: Lockert die Fed das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen - das will sie vermeiden. Zuletzt lag die Inflation in den USA bei 4,2 Prozent und damit weit über dem von der Fed angestrebten Ziel von zwei Prozent.
Ökonomen fürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt eine lockerere Geldpolitik forcieren könnte. Die eigentlich unabhängigen Zinsentscheidungen könnten damit politisch verfälscht werden. Trump dürfte genauestens darauf achten, wie sich sein Kandidat positioniert.
Auch die Europäische Zentralbank hatte jüngst ihre Zinsen wegen Inflationssorgen erstmals seit 2023 angehoben. Sie erhöhte den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent, um sich so gegen den Inflationsschub durch den Iran-Krieg zu stemmen.




