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Trockenheit in Kärnten so extrem "noch nie erlebt"

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++ ARCHIVBILD ++ Extreme Trockenheit macht den Bauern in Kärnten zu schaffen
©APA, dpa, Patrick Pleul
Die anhaltende Trockenheit hat in Kärnten dramatische Auswirkungen. Im April wurde regional ein Niederschlagsdefizit von bis zu 85 Prozent verzeichnet, hieß es am Mittwoch von Vertretern der Landwirtschaftskammer Kärnten in einer Pressekonferenz. Würden in den kommenden zehn Tagen keine starken Regenfälle - bis zu 50 Liter pro Quadratmeter - fallen, geht man bereits jetzt von einem Ernteausfall von 20 bis 70 Prozent aus.

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Zwar war der Himmel über den trockenen Feldern am Zollfeld, wo die Pressekonferenz stattfand, am Mittwoch bewölkt - doch die erwarteten Regenfälle, sollten sie überhaupt eintreten, seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Oder, wie es Landwirtschaftskammerpräsident Siegfried Huber formulierte: "So eine Situation mit lang anhaltender Trockenheit haben wir oft im Spätsommer - aber an so etwas, dass es so früh im Jahr so trocken ist, kann ich mich in meinen 31 Jahren als Bauer nicht erinnern." Auch von seinen Kollegen in der Kammer habe so etwas noch niemand erlebt.

Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) meldete sich angesichts der aktuellen Trockenheit zu Wort: Zentral seien "Investitionen in die betriebliche und überbetriebliche Bewässerung, wobei unter anderem Investitionskosten in die Bewässerung, Wasserspeicherung, -rückhaltung und -aufbereitung gefördert werden". Das Landwirtschaftsministerium setze daher im nationalen Strategieplan für die Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) Schwerpunkte, "um die Resilienz der landwirtschaftlichen Betriebe zu stärken und eine nachhaltige Produktion langfristig sicherzustellen", so Totschnig in einer Aussendung.

Mancherorts sei der erste Grasschnitt überhaupt ausgefallen, so der Kärntner Landwirtschaftskammerpräsident. Zwar gebe es die Dürreversicherung der Österreichischen Hagelversicherung, die Ausfälle abdeckt. Aber: "Uns geht das Futter aus. Ich befürchte, dass es verstärkt Notverkäufe von Rindern geben wird." Die Trockenheit sei so drastisch, dass etwa im Lavanttal bereits Quellen versiegen: "Wir haben auf manchen Wiesen keine Wasserversorgung mehr." Vielerorts transportiere die Feuerwehr Wasser, um die Tiere zu versorgen. Auch bei großen Wasserflächen lasse sich das ablesen - der Wasserstand im Bleistätter Moor am Ossiacher See liege um 50 Zentimeter unter dem normalen Niveau.

"Wir haben massive Ausfälle beim ersten Grasschnitt, 50 bis 80 Prozent. Wenn aber jetzt gemäht wird und es nicht regnet, fällt der zweite Schnitt auch schon aus", so Huber. Aktuell keime der Mais zwar an, vertrockne aber in der Erde. Teilweise müssten die Einsaaten verschoben werden. Hinzu komme, dass bereits eingebrachter, teurer Mineraldünger durch die Trockenheit nicht seine Wirkung entfalten könne. Wenn in den nächsten zwei, drei Wochen kein Niederschlag komme, dann wäre "der Worst Case", dass es stellenweise gar keine Ernte gibt. Empfohlen wird, Futter für die Tiere früh zu organisieren. Und für den Grasschnitt gelte es, das wenige Futter, das jetzt auf den Wiesen ist, bald zu ernten.

Als Sofortmaßnahme fordert die Landwirtschaftskammer, dass auch die 9.000 Hektar Biodiversitätsflächen, die die Landwirte in Kärnten nicht oder nur eingeschränkt bewirtschaften dürfen, freigegeben werden. "Das ist unser Zugang für so eine extreme Dürre. Uns geht es jetzt um das Futter und nicht um die Prämie, die wir kassieren", so Huber. Das sei nicht einfach, weil es sich um eine EU-Richtlinie handle - aber Gespräche auf politischer Ebene würden bereits laufen.

Das Fazit des Landwirtschaftskammerpräsidenten: "Den Klimawandel kann niemand mehr leugnen. Prognosen gehen davon aus, dass wir in 20, 30 Jahren das Klima von (der norditalienischen Stadt, Anm.) Udine haben. Da bleibt uns dann nichts anderes übrig als Bewässerung." Die nun geplante Wasserschiene zwischen großen Städten in Mittelkärnten solle man zum Anlass nehmen, auch eine eigene Bewässerungsschiene anzudenken: "Wir hoffen, dass wir das in 20 Jahren nicht brauchen, aber wenn wir es dann brauchen, müssen wir jetzt mit der Planung anfangen." Zuerst brauche es eine Studie, ob so eine Bewässerungsschiene technisch auch umsetzbar ist.

Unter deutlichem Stress stehe auch der Wald: Der ohnehin schon durch den Borkenkäfer geschwächte Wald sei nun - wie man auch am extremen Pollenflug sieht - in einem Samenjahr. "Wenn jetzt kein Regen kommt, wissen wir nicht, was der Borkenkäfer heuer macht. Die Bäume kämpfen ums Überleben und hauen noch einmal die Samen heraus", beschrieb es Huber. Hinzu komme noch die extreme Waldbrandgefahr.

Trüb sei auch der Blick auf die Almen: Auch der Schneefall sei im Winter geringer ausgefallen, jetzt, im Mai, würden die Wiesen und Weiden auf den Almen teilweise braun bleiben.

Auch in Niederösterreich sorgt die Trockenheit für Probleme. "Die Betroffenheit ist enorm. Wir erleben derzeit eine der angespanntesten Frühjahrsentwicklungen der letzten Jahre", erklärte Johannes Schmuckenschlager, Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, am Mittwoch in einer Aussendung. Flächendeckend fehle es massiv an Regen. "Die Folge ist eine zunehmend angespannte Situation auf den Feldern und Wiesen", hieß es. Mit steigenden Temperaturen von bis zu 30 Grad Celsius verschärfe sich der Trockenstress zusätzlich durch Hitzestress.

Die Pflanzenentwicklung ist den Angaben zufolge "massiv beeinträchtigt". Getreide befindet sich in einer entscheidenden Wachstumsphase, "jeder weitere trockene Tag reduziert Ertrag und Qualität". Frisch angebaute Kulturen wie Mais leiden unter mangelnder Bodenfeuchte. Beim ersten Schnitt im Grünland wurden auch in Niederösterreich Einbußen verzeichnet, der zweite Aufwuchs ist durch die Trockenheit stark gefährdet. Auf exponierten Flächen drohen nachhaltige Schäden bis hin zum "Ausbrennen" der Grasnarbe.

"Die Kombination aus Trockenheit, hohen Produktionskosten und unsicheren Erträgen bringt viele Betriebe an ihre Grenzen", sagte Schmuckenschlager. Die Landwirtschaftskammer forderte weitere Schritte zur Kostenentlastung bereits heuer, zusätzlich zum vereinbarten Agrardiesel für 2027 und 2028. Als kurzfristige Maßnahme sprach sich auch die niederösterreichische Landwirtschaftskammer für die Nutzung von Biodiversitätsflächen zur Verbesserung der Futtergrundlage aus. "Trockenheit und Extremwetter sind Realität. Maßnahmen wie Bewässerung und Absicherungssysteme müssen konsequent weiterentwickelt werden", so Schmuckenschlager.

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