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Zwar war der Himmel über den trockenen Feldern am Zollfeld, wo die Pressekonferenz stattfand, am Mittwoch bewölkt - doch die erwarteten Regenfälle, sollten sie überhaupt eintreten, seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Oder, wie es Landwirtschaftskammerpräsident Siegfried Huber formulierte: "So eine Situation mit lang anhaltender Trockenheit haben wir oft im Spätsommer - aber an so etwas, dass es so früh im Jahr so trocken ist, kann ich mich in meinen 31 Jahren als Bauer nicht erinnern." Auch von seinen Kollegen in der Kammer habe so etwas noch niemand erlebt.
Mancherorts sei der erste Grasschnitt überhaupt ausgefallen. Zwar gebe es die Dürreversicherung der Österreichischen Hagelversicherung, die Ausfälle abdeckt. Aber: "Uns geht das Futter aus. Ich befürchte, dass es verstärkt Notverkäufe von Rindern geben wird." Die Trockenheit sei so drastisch, dass etwa im Lavanttal bereits Quellen versiegen: "Wir haben auf manchen Wiesen keine Wasserversorgung mehr." Vielerorts transportiere die Feuerwehr Wasser, um die Tiere zu versorgen. Auch bei großen Wasserflächen lasse sich das ablesen - der Wasserstand im Bleistätter Moor am Ossiacher See liegt 50 Zentimeter unter dem normalen Niveau.
"Wir haben massive Ausfälle beim ersten Grasschnitt, 50 bis 80 Prozent. Wenn aber jetzt gemäht wird und es nicht regnet, fällt der zweite Schnitt auch schon aus", so Huber. Aktuell keime der Mais zwar an, vertrockne aber in der Erde. Teilweise müssten die Einsaaten verschoben werden. Hinzu komme, dass bereits eingebrachter, teurer Mineraldünger durch die Trockenheit nicht seine Wirkung entfalten kann. Wenn in den nächsten zwei, drei Wochen kein Niederschlag komme, dann wäre der Worst Case, dass es stellenweise gar keine Ernte gibt. Empfohlen wird, Futter für die Tiere früh zu organisieren. Und für den Grasschnitt gelte es, das wenige Futter, das jetzt auf den Wiesen ist, bald zu ernten.
Als Sofortmaßnahme fordert die Landwirtschaftskammer, dass auch die 9.000 Hektar Biodiversitätsflächen, die die Landwirte in Kärnten nicht oder nur eingeschränkt bewirtschaften dürfen, freigegeben werden. "Das ist unser Zugang für so eine extreme Dürre. Uns geht es jetzt um das Futter und nicht um die Prämie, die wir kassieren", so Huber. Das sei nicht einfach, weil es sich um eine EU-Richtlinie handelt - aber Gespräche auf politischer Ebene würden bereits laufen.
Das Fazit des Landwirtschaftskammerpräsidenten: "Den Klimawandel kann niemand mehr leugnen. Prognosen gehen davon aus, dass wir in 20, 30 Jahren das Klima von (der norditalienischen Stadt, Anm.) Udine haben. Da bleibt uns dann nichts anderes übrig, als Bewässerung." Die nun geplante Wasserschiene zwischen großen Städten in Mittelkärnten solle man zum Anlass nehmen, auch eine eigene Bewässerungsschiene anzudenken: "Wir hoffen, dass wir das in 20 Jahren nicht brauchen, aber wenn wir es dann brauchen, müssen wir jetzt mit der Planung anfangen." Zuerst brauche es eine Studie, ob so eine Bewässerungsschiene technisch auch umsetzbar ist.
Unter deutlichem Stress stehe auch der Wald: Der ohnehin schon durch den Borkenkäfer geschwächte Wald sei nun - wie man auch am extremen Pollenflug sieht - in einem Samenjahr. "Wenn jetzt kein Regen kommt, wissen wir nicht, was der Borkenkäfer heuer macht. Die Bäume kämpfen ums Überleben und hauen noch einmal die Samen heraus", beschrieb es Huber. Hinzu komme noch die extreme Waldbrandgefahr.
Trüb sei auch der Blick auf die Almen: Auch der Schneefall sei im Winter geringer ausgefallen, jetzt, im Mai, würden die Wiesen und Weiden auf den Almen teilweise braun bleiben.





