ABO

Totschnig: Dürre zeigt Bedeutung der EU-Agrarförderungen

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
8 min
Österreich fordert angesichts der aktuellen Dürresituation auch für die Zukunft eine starke Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU: Beim Rat der EU-Agrarministerinnen und -minister am Montag in Brüssel hat Norbert Totschnig (ÖVP) über die "Auswirkungen der anhaltenden Dürre auf die österreichische und europäische Landwirtschaft" informiert. Betont wird im eingebrachten Papier die Bedeutung von Direktzahlungen an die Landwirte als wichtige Stabilität in Krisenzeiten.

von

News auf Google bevorzugen

"Die Trockenheit 2026 zeigt eindrücklich, welchen Belastungen die Landwirtschaft durch zunehmende Extremwetterereignisse ausgesetzt ist. Die Anpassung daran ist eine gemeinsame europäische Aufgabe, die unmittelbar auch unsere Lebensmittelversorgung und damit unsere Sicherheit und Stabilität betrifft", so Totschnig im öffentlichen Sitzungsteil zur Dürresituation. "Gerade deshalb brauchen wir eine starke und ausreichend finanzierte gemeinsame Agrarpolitik."

Die Betriebe benötigten "Planungssicherheit, stabile Einkommen und damit verlässliche Perspektiven, nicht zuletzt, um sich an den Klimawandel anzupassen und in ihre Widerstandsfähigkeit und Zukunft zu investieren". Dafür müssten Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen angemessen finanziert werden. Der Minister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft fordert daher "auf EU-Ebene ausreichend dotierte, wirksame und flexible Kriseninstrumente, die bei außergewöhnlichen Ereignissen rasch eingesetzt werden können". Auch seine Amtskollegen aus Kroatien, Slowenien und der Slowakei berichteten von den schweren Auswirkungen der Dürre in ihren Ländern diesen Sommer.

"Die heurige Dürre-Katastrophe mit einem Schadensausmaß von über 1 Milliarde Euro hat gezeigt, wie stark der Klimawandel die Landwirtschaft trifft. Wir haben die trockensten zwölf Monate, das trockenste Jahr seit es Aufzeichnungen gibt, seit 1850, mit einem Niederschlagsdefizit von bis zu 75 Prozent, da und dort sogar 80 Prozent", erklärte Totschnig vor dem Ratstreffen. Vor allem das Grünland sei auch betroffen, mit Ertragseinbußen bis zu 50 Prozent. Neben der nationalen Ebene braucht es daher laut dem Minister auch Maßnahmen auf europäischer Ebene, um die Landwirtschaft klimaresilienter zu machen.

Vor allem das Thema Wasser hat für Totschnig "eine besondere Bedeutung, das ist eine Zukunftsfrage": Es gehe dabei um die Fragen: "Wie können wir Wasser länger in der Fläche halten? Wie können wir den Boden so aufbereiten, dass er klimaresilienter ist?" Dies sei eine Frage der Finanzierung der gemeinsamen Agrarpolitik: Einerseits gehe es um Direktzahlungen, andererseits um gezielte Investitionen in den Klima- und Umweltschutz. Er fordert zum Beispiel Maßnahmen für Geländeanpassungen hinsichtlich des Wassers, damit es weniger schnell abfließt und versickert. Im Papier wird "eine angemessene Finanzierung für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen mit einem einheitlichen Mindestanteil für alle Mitgliedstaaten" gefordert.

"Die Dürre 2026 macht deutlich: Gerade in Zeiten zunehmender wirtschaftlicher, geopolitischer und klimatischer Herausforderungen darf die Gemeinsame Agrarpolitik nicht geschwächt werden", heißt es in dem auf der Parlamentswebsite veröffentlichten Text. Im Vorschlag der EU-Kommission für das nächste mehrjährige EU-Budget sind große Änderungen für die Landwirte vorgesehen: Die GAP, die derzeit den größten Budgetposten darstellt, würde aus einem neuen Einzelfonds auf Grundlage nationaler Pläne finanziert. Dies wäre das erste Mal, dass es keinen spezifischen Fonds für die Landwirtschaft gäbe.

Direktzahlungen sind ein zentraler Bestandteil der GAP und ein wichtiges Einkommen für Landwirte. Sie werden von der Kommission und den Mitgliedstaaten gemeinsam verwaltet. Für Österreich sind die Agrarzahlungen aus Brüssel sehr bedeutend: Sie machen rund die Hälfte aller empfangenen Mittel aus, die Hälfte davon für ländliche Entwicklung. Im laufenden Mehrjahresbudget sind rund 9 Milliarden Euro aus der GAP für Österreich reserviert. Gemäß erstem Vorschlag der Kommission soll Österreich im Rahmen des Fonds insgesamt rund 10 Milliarden Euro erhalten, davon sind 6,62 Milliarden Euro als Mindestbetrag für die Landwirtschaft zweckgewidmet.

"Die nächsten Wochen, die nächsten Monate, sind eine Schlüsselphase für die österreichische, für die europäische Landwirtschaft und erfordern unsere ganze Aufmerksamkeit", so Totschnig. Eines geht für ihn nicht: Das Reduzieren von Mitteln für die Agrarpolitik und gleichzeitig mehr Leistungen und mehr Investitionen einfordern, auch ökologischer Art, um klimaresilienter zu sein, "das geht sich nicht aus". Die GAP gebe den Rahmen auch für die nationale Agrarpolitik vor. "Und dafür braucht es in einem ersten Schritt ausreichend europäische Mittel, um diese auch kozufinanzieren."

Die GAP nach 2027 stehe auch im Mittelpunkt der irischen Ratspräsidentschaft, betonte der derzeitige Vertreter des Ratsvorsitzes und irische Minister Martin Heydon bei seinem Eintreffen. Die Mitglieder des Rates "Landwirtschaft und Fischerei" seien sich einig, dass "eine angemessen finanzierte GAP notwendig ist, die die Einkommen der Landwirte sichert, die Landwirte in ihrer Rolle bei der Nahrungsmittelproduktion und im Umweltschutz unterstützt, aber auch die Widerstandsfähigkeit des ländlichen Raums stärkt", betonte er.

Zu den Auswirkungen der Dürre sagte er: "Wir haben die Auswirkungen auf Futtermittel, auf die Ernten, auf die Wasserverfügbarkeit und auf die Einkommen der Landwirte gesehen - natürlich aufgrund der Auswirkungen auf die Pflanzenproduktion. Aus dieser Perspektive werden wir heute beim Mittagessen darüber sprechen, welche Unterstützungsmaßnahmen die Kommission bereits ergriffen hat und wie wir uns als Mitgliedstaaten gegenseitig unterstützen können."

"Wir brauchen eine starke GAP, die die ländliche Entwicklung mit einschließt und dafür mit einem ausreichenden Budget ausgestattet ist", betonte auch der deutsche Agrarminister Alois Rainer. In Deutschland habe die Dürre ebenso Spuren hinterlassen: "Dürre darf kein isoliertes Thema einzelner EU-Länder sein. Es ist eine gemeinsame europäische Herausforderung, und wir benötigen eine starke GAP, um die landwirtschaftlichen Betriebe auch in Krisenzeiten angemessen unterstützen zu können und die gleichzeitig die langfristigen Widerstandskräfte der Landwirtschaft gegen den Klimawandel fördert."

Thomas Waitz, Agrarsprecher der Grünen im Europäischen Parlament und einziger österreichischer GAP-Verhandler, sagt: "In der österreichischen Bundesregierung weiß die linke Hand offenbar wieder einmal nicht, was die rechte tut bzw. sagt. Während (Bundeskanzler Christian) Stocker, (Wirtschaftsminister Wolfgang) Hattmannsdorfer und (Europaministerin Claudia; Anm.) Bauer lauthals EU-Budgeteinsparungen fordern, verlangt Totschnig mehr europäisches Geld für unsere Bäuer*innen. Dabei geht es gar nicht um mehr oder weniger Geld, sondern darum, wer es bekommt."

Eine Förderobergrenze würde dafür sorgen, dass das Geld gezielt dort ankomme, wo es wirklich gebraucht werde: "Gelder aus dem Bäuer*innen-Budget sollen an echte Bäuer*innen gehen und nicht weiter die Taschen reicher Adelsfamilien, internationaler Investitionsfonds oder seelenloser Agrarkonzerne stopfen", fordert Waitz in einer Aussendung.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER