Der Onlinebroker Scalable Capital hat eine eigene Bankniederlassung in Wien eröffnet und führt die Kapitalertragsteuer für Neukundinnen und Neukunden ab sofort automatisch ab. Was das bedeutet, was Bestandskundinnen und Bestandskunden jetzt beachten sollten und welche Zinsen es gibt.
Eigene Bankniederlassung in Wien
Wer in Österreich über Scalable Capital in Aktien oder ETFs investiert, muss sich künftig nicht mehr selbst um die Kapitalertragsteuer kümmern. Der Münchner Onlinebroker hat am 8. Oktober eine eigene österreichische Bankniederlassung mit einem Team in Wien gestartet. Damit wird Scalable Capital nach eigenen Angaben steuereinfach: Die KESt wird automatisch berechnet, einbehalten und an das Finanzamt abgeführt, Gewinne und Verluste innerhalb des Depots werden automatisch gegengerechnet.
Neukundinnen und Neukunden erhalten laut Unternehmen bei der Kontoeröffnung eine österreichische IBAN und einen Kundenservice mit österreichischer Telefonnummer. Laut Florian Müllner, Leiter der österreichischen Bankniederlassung, sieht das Unternehmen in Österreich eine stark wachsende Nachfrage nach breit gestreutem, langfristigem Vermögensaufbau.
Was steuereinfach konkret bedeutet
In Österreich unterliegen Kursgewinne, Dividenden und Ausschüttungen der Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent, für Zinsen auf Bankguthaben gelten 25 Prozent. Bei einem steuereinfachen Broker ist diese Steuer mit dem Abzug in der Regel endgültig abgegolten. Die Erträge müssen dann nicht mehr in der Einkommensteuererklärung angegeben werden.
Bei ausländischen Brokern ohne diesen Service müssen Anlegerinnen und Anleger ihre Kapitalerträge dagegen selbst über die Beilage E1kv erklären. Besonders aufwendig ist das bei thesaurierenden Fonds und ETFs, deren sogenannte ausschüttungsgleiche Erträge jährlich versteuert werden müssen. Mitbewerber wie Trade Republic und Flatex bieten den steuereinfachen Service in Österreich bereits an. Wer Verluste mit Gewinnen bei anderen Banken ausgleichen will, kann das auch künftig freiwillig über die Steuererklärung tun.
Was für bestehende Kundinnen und Kunden gilt
Die automatische KESt gilt vorerst nur für neue Konten. Bestandskundinnen und Bestandskunden sollen laut Scalable Capital „in Kürze“ zur österreichischen Niederlassung wechseln können. Einen konkreten Termin und Details zum Ablauf nennt das Unternehmen noch nicht.
Bis zum Wechsel bleibt für sie alles beim Alten: Erträge aus dem Depot müssen weiterhin selbst in der Steuererklärung angegeben werden. Wer umsteigt, sollte die Unterlagen zum Wechsel genau prüfen, etwa ob die Anschaffungskosten der Wertpapiere korrekt übernommen werden. Im Zweifel hilft eine Steuerberaterin oder ein Steuerberater, Scalable Capital selbst bietet ausdrücklich keine Steuerberatung an.
Zinsen, Gebühren und Angebot
Parallel wirbt der Broker mit Zinsen. Auf Tagesgeld gibt es laut Unternehmen 2,60 Prozent pro Jahr, variabel und ohne Obergrenze. Der Satz setzt sich aus dem Einlagezins der Europäischen Zentralbank minus einem Prozentpunkt und einem Bonus von 1,10 Prozentpunkten zusammen. Dieser Bonus gilt vorerst bis 4. November. Ab November soll es zudem Festgeld geben, mit 2,75 Prozent für sechs Monate, 3,00 Prozent für zwölf Monate und 3,25 Prozent für 24 Monate.
Das Depot selbst ist kostenlos, ein Trade über die Handelsplattform European Investor Exchange kostet 0,99 Euro. Im Abo PRIME+ um 4,99 Euro im Monat entfallen die Ordergebühren ab 250 Euro Ordervolumen. Zur Auswahl stehen laut Scalable Capital mehr als 9.400 Aktien, rund 3.400 ETFs, Kryptowährungen über börsengehandelte Produkte, Anleihen und Sparpläne ab einem Euro. Das geplante Zukunftsdepot will das Unternehmen anbieten, sobald der gesetzliche Rahmen dafür steht. Alle Details veröffentlicht Scalable Capital in seinem Newsroom.
