Bei der Neujahrs-Pressekonferenz des Handelsverbands zog die Branche Bilanz nach sechs Krisenjahren. Vorgestellt wurden fünf zentrale Forderungen sowie eine Fair-Play-Agenda – vor dem Hintergrund schwacher Wettbewerbsfähigkeit und hoher Kostenbelastung.
Branchenbilanz nach sechs Krisenjahren
Im Rahmen der traditionellen Neujahrs-Pressekonferenz des Handelsverbands haben führende Vertreter:innen des österreichischen Handels den aktuellen Zustand der Branche skizziert. Nach sechs wirtschaftlich schwierigen Jahren sieht sich der heimische Handel an einem Wendepunkt. Während die Eurozone 2025 deutlich stärker wuchs, verzeichnete der österreichische Handel das dritte Rekordpleitejahr in Folge.
Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will verwies darauf, dass Österreich laufend Händler verliere. Die angekündigten Maßnahmen aus der jüngsten Regierungsklausur, darunter eine Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel sowie eine nationale Paketgebühr für Drittstaatenlieferungen, wurden als positive Signale bewertet. Entscheidend sei nun deren Umsetzung.
Umsatzplus, aber hohe Insolvenzzahlen
Für das Gesamtjahr 2025 prognostiziert das WIFO für den Einzelhandel einen Umsatz von 79,8 Milliarden Euro. Inflationsbereinigt entspricht das einem realen Plus von einem Prozent gegenüber 2024. Gleichzeitig bleibt der wirtschaftliche Druck hoch: Laut KSV1870-Hochrechnung verzeichnete der Handel 2025 insgesamt 1.208 Insolvenzen, das entspricht durchschnittlich 23 Firmenpleiten pro Woche.
Als Belastungsfaktoren nannten die Branchenvertreter:innen insbesondere steigende Kosten für Mieten, Personal, Energie und Logistik sowie einen hohen bürokratischen Aufwand.
Kritik an Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit
Deutliche Kritik wurde an den jüngsten Änderungen des Preisauszeichnungsgesetzes geäußert. Die verpflichtende größere Darstellung des Grundpreises führe in der Praxis zu geringerer Übersichtlichkeit und erschwere Preisvergleiche für Konsument:innen.
Auch internationale Rankings wurden thematisiert: Im Wettbewerbsfähigkeitsranking der Wirtschaftshochschule IMD ist Österreich innerhalb von fünf Jahren vom 16. auf den 26. Platz zurückgefallen. Besonders schwach schneidet das Land bei Regierungseffizienz und Steuerpolitik ab.
Fünf Forderungen an Politik und Gesetzgeber
Im Zentrum der Pressekonferenz standen fünf Forderungen des Handels. Dazu zählen eine Halbierung der Bürokratiebelastung bis 2035, Maßnahmen zur Senkung der Inflation – insbesondere durch mehr Wettbewerb im Energiesektor –, eine Reform des Arbeitsmarkts zur Reduktion der Abgaben auf Arbeit, mehr Fairness im internationalen E-Commerce sowie eine stärkere Nutzung von Künstlicher Intelligenz.
Vertreter:innen aus dem Handel forderten unter anderem die Auflösung von Kreuzbeteiligungen im Energiesektor, eine Senkung der Lohnnebenkosten und eine raschere Umsetzung der EU-Zollreform. Positiv bewertet wurde die geplante nationale Paketgebühr auf Lieferungen aus Drittstaaten.
Onlinehandel, KI und Ausblick auf 2026
Der Onlinehandel entwickelte sich 2025 wieder dynamischer. Das Paketvolumen stieg auf 430 Millionen Sendungen, ein Viertel davon kam aus China. Gleichzeitig setzen immer mehr heimische Händler auf KI-Anwendungen: Laut einer aktuellen Befragung nutzen bereits 62 Prozent entsprechende Tools.
Zum Abschluss wurde der wirtschaftspolitische Ausblick thematisiert. Trotz der schwierigen Ausgangslage wertet der Handel die jüngsten Ankündigungen der Bundesregierung als vorsichtig positives Signal. Ein nachhaltiger Aufschwung werde jedoch nur mit strukturellen Reformen, Budgetdisziplin und verbesserten Rahmenbedingungen möglich sein.







