Das eigens für einen Kunden in Dubai gefertigte Rolls-Royce-Modell Phantom „Arabesque“
©Rolls-RoyceNahost ist ein kleiner, aber margenträchtiger Markt auf dem Sonderanfertigungen und Sondereditionen normalerweise sehr beliebt sind. Nun gibt es aber spürbare Einbrüche in der Krisenregion.
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Autokäufer von der arabischen Halbinsel sind für ausgefallene Sonderwünsche bekannt. Frank-Steffen Walliser, der Chef des Rolls-Royce-Konkurrenten Bentley, bezeichnet den Nahen Osten als „besten Markt der Welt“. Angesichts des Iran-Krieges ist das Geschäft aber weitgehend zum Erliegen gekommen. Auch die Russland-Sanktionen im Zuge des Ukraine-Kriegs und die US-Zollpolitik bereiten massive Schwierigkeiten.
Im Februar präsentierte Rolls-Royce mit dem Modell Phantom „Arabesque“ ein im Auftrag eines Kunden aus Dubai produziertes Unikat mit einer lasergravierten Motorhaube. Das von arabischer Architektur inspirierte Muster findet sich auch im holzgetäfelten Innenraum. Solche Spezialanfertigungen haben ihren Preis und sind ein wichtiger Gewinnbringer für die Branche.
Normalerweise hoher Gewinnanteil
Zwar liefern die meisten Luxusauto-Produzenten weniger als zehn Prozent ihrer Fahrzeuge in diese Region. Der Anteil am Gewinn liegt jedoch deutlich darüber. Grund sind Sonderanfertigungen, die den Preis eines Fahrzeugs – ein Rolls-Royce Phantom etwa kostet in der Basisversion rund 500.000 Euro – verdoppeln oder verdreifachen können.
Der Nahe Osten ist zudem ein begehrter Absatzmarkt für Sondereditionen bestimmter Modelle. So bot Land Rover Jaguar 2024 den Range Rover Sport SV „Sadaf“ an, von dem nur 20 Exemplare gebaut wurden. Mit umgerechnet jeweils etwa 300.000 Euro ist er etwa dreimal so teuer wie das Basismodell. Er habe margenträchtige Sondermodelle zuerst wohlhabenden Sammlern aus dem Nahen Osten angeboten, sagt der frühere Aston Martin-Chef Andy Palmer. Diese hätten in der Regel direkt zugegriffen. „Man musste kaum fragen.“
Wegfallende Aufträge, gestoppte Lieferungen
Der Krieg der USA und Israels gegen Iran gefährdet dieses Geschäft. Zahlreiche Fahrzeughersteller schlossen ihre Verkaufsräume nach Ausbruch der Kämpfe vorübergehend. Die italienischen Sportwagenschmieden Ferrari und Maserati stellten ihre Lieferungen ein. Das Geschäft ist Experten zufolge weitgehend zum Erliegen gekommen. „Die Menschen im Nahen Osten haben im Moment andere Sorgen, als sich nach einem neuen Bentley umzusehen“, sagt Bentley-Chef Walliser.
Der Autohändler F1rst Motors in Dubai berät zwar wieder Kunden, die sich einen Ferrari, Lamborghini oder Bugatti zulegen wollen. Das Geschäft sei aber um 30 Prozent eingebrochen, sagt Geschäftsführer Chris Bull. „Natürlich kommen weniger Kunden zu uns, aber wir schaffen es trotzdem, unser Geschäft auf einem guten Niveau zu halten.“ Der Absatz von Fahrzeugen mit Preisen jenseits von 1,2 Millionen Euro habe sich stabilisiert. Einige Kunden zahlten zudem fünfstellige Beträge, um ihre mehrere Millionen Euro teuren Gefährte in sichere Drittstaaten zu bringen. Die Nachfrage außerhalb der aktuellen Krisenregion sei unverändert robust.
„Absolute Katastrophe“
Der ehemalige Automanager Palmer bezeichnet die Lage dennoch als „absolute Katastrophe“ für den Luxusautosektor. Sie stelle alles in den Schatten, was er bisher erlebt habe. Der Iran-Krieg ist nicht die einzige Krise, die die Branche bewältigen muss. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 wurden die Verkäufe nach Russland eingestellt, erläutert Stephan Winkelmann, Chef des wie Bentley zum Volkswagen-Konzern gehörenden Sportwagenbauers Lamborghini. Der wichtige chinesische Markt sei kollabiert, und in den USA dämpfe die Zollpolitik des Präsidenten Donald Trump die Nachfrage.
Bentley hatte schon vor Kriegsausbruch mit rückläufigen Verkäufen zu kämpfen. Vorerst sei eine Drosselung der Produktion nicht notwendig, betont Finanzchef Axel Dewitz. „Sollte sich die aktuelle Krise jedoch noch einige Wochen hinziehen, müssen wir die Lage neu bewerten.“






