Raketenalarm, gesperrter Luftraum, gestrichene Flüge. Touristen sitzen fest, Influencer fordern lautstark ihre Evakuierung. Die glitzernde Welt Dubais wirkt plötzlich verletzlich. Ein Blick auf eine Stadt, die sich über Jahrzehnte als Ausnahme inszeniert hat - und auf den Moment, in dem diese Erzählung Risse bekommt.
Am Abend des 28. Februar 2026 ist auf der Palm Jumeirah noch alles so, wie es in Dubai sein soll. Vor dem Luxushotel Fairmont halten Limousinen, Gäste sitzen auf den Terrassen, über dem Wasser liegt die warme, leicht salzige Luft des Persischen Golfs. Die künstliche Insel, ein Palmenblatt aus Beton und Sand, gehört zu jenen Orten, an denen die Stadt ihr Versprechen von Luxus und Sicherheit besonders sorgfältig inszeniert.
Dann taucht über dem dunkler werdenden Abendhimmel ein Geräusch auf, das hier nicht hingehört: das raue, gleichmäßige Brummen einer iranischen Shahed-136-Drohne. Wenig später schlägt der Flugkörper nahe dem Hotelkomplex ein. Eine Druckwelle läuft durch die Anlage, Glas splittert, ein Feuerball steigt zwischen den Gebäuden auf. Menschen bleiben abrupt stehen, einige laufen aus den Lobbys ins Freie, andere greifen reflexartig zu ihren Mobiltelefonen. Sicherheitskräfte rennen über die Zufahrten. Für einen Moment wirkt die künstliche Insel, die sonst wie ein Postkartenmotiv der globalisierten Wohlstandswelt erscheint, plötzlich verletzlich.
Die Bilder gehen um die Welt. Und mit ihnen gerät eine Vorstellung ins Wanken, die Dubai über Jahre gepflegt hat. Die Stadt hat sich lange als Ausnahme inszeniert – als Ort, an dem die Konflikte der Region draußen bleiben. Während rundherum politische Krisen, Kriege und Rivalitäten eskalieren, wächst hier eine Metropole aus Glas, Stahl und Beton in den Himmel. Ein Handelsplatz, der Investoren aus aller Welt anzieht: mit Steuerfreiheit, diskreten Behörden und dem Versprechen, dass manche Geschäfte hier schneller möglich sind als anderswo.
Stadt der Zuwanderer
Für viele ist Dubai vor allem eines – zu heiß, zu künstlich, zu protzig. Und trotzdem wollte am Ende fast jeder hin. Ein Großteil der heute 4,2 Millionen Einwohner sind Expats, 190 Nationen haben hier ihr Zuhause. „Dubai ist gemacht für Ausländer“, sagt die deutsche Betreiberin einer Kamelreitschule. „Wir sind hier alle Ausländer“, sagt die österreichische Galeristin. „Es kommen alle mit Vorurteilen her“, sagt der Tourismusverantwortliche, dessen Job es ist, die Hochglanzseiten zu präsentieren. „Früher war es schwierig, in Dubai Fuß zu fassen. Mittlerweile sind die Visabestimmungen weniger streng. Golden Visa ermöglichen langfristige Aufenthaltsgenehmigungen für fünf oder zehn Jahre“, sagt die Künstlerin aus dem Libanon.
Verlockung mit System
Dubai ist keine Stadt mit vielen Ausländern. Dubai ist strukturell eine Ausländerstadt. Eine Stadt der Möglichkeiten, der Versprechen und der Verlockungen. Es ist das Aufstiegsversprechen, das viele anlockt: wenig Steuern, liberalisierte Regeln, die Aussicht auf ein schnelleres Vorankommen. Die Gesetze wurden in den vergangenen Jahren dort angepasst, wo sie Wachstum, Alltag oder internationale Anschlussfähigkeit behinderten. Privatpersonen zahlen keine Einkommensteuer. Aber ganz steuerfrei ist das System längst nicht mehr. Seit 1. Januar 2018 gibt es fünf Prozent Mehrwertsteuer, seit 2023 gilt für Unternehmen eine Körperschaftsteuer von neun Prozent auf steuerpflichtige Gewinne über 375.000 Dirham (rund 88.000 Euro).
Die Erzählung vom Aufstieg hat viele Seiten und handelt von sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten. Da sind die Bauarbeiter, die die Hotels und Wohntürme hochziehen und nach Sonnenuntergang am Straßenrand auf den Bus in ihre Quartiere vor den Toren der Stadt warten. Und da sind die Mitarbeiter in den Hotels, die den Tourismus am Laufen halten. Wer in der Hotellerie arbeitet, hat eine 48-Stunden-Woche. Der Arbeitgeber stellt und bezahlt die Wohnung, ebenso die Krankenversicherung und einmal im Jahr das Flugticket nach Hause. Zimmermädchen, Kellner und Rezeptionisten verdienen alle gleich und im Schnitt bis zu umgerechnet 1.500 Euro im Monat. „Die Work-Life-Balance ist nicht ganz so gut“, gesteht die Hotelchefin. „Dafür sind Lebensqualität und Sicherheit top.“
Diese Arbeitswelten sind Teil eines Modells, das die Stadt in wenigen Jahrzehnten radikal verändert hat. Aus einem Handels- und Fischerdorf, geprägt von Perlentaucherei und regionalem Handel, wurde innerhalb weniger Jahrzehnte eine Megacity. Die Entdeckung des ersten Ölfelds vor der Küste im Jahr 1966 markierte einen Wendepunkt. Die Einnahmen wurden konsequent in den Ausbau gesteckt: 1959 eröffnete der Flughafen, in den 1970er-Jahren entstand der Tiefseehafen, 1985 gründete Dubai die Fluggesellschaft Emirates, die den Standort zu einem globalen Drehkreuz machte. Seit den 1990er-Jahren nutzt Dubai spektakuläre Bauprojekte als Markenzeichen, um weltweit Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Aus dieser Entwicklung ging eine Stadt hervor, die heute 81.200 Millionäre und 20 Milliardäre zählt.


Luxus als Geschäftsmodell
Das 1999 eröffnete Burj Al Arab – Trümmerteile einer abgefangenen Drohne lösten hier am 28. Februar einen Brand an der Fassade des berühmten Hotels aus – gilt als Ikone jenes Booms, der Dubai auf die Weltkarte setzte. Vermarktet wurde es damals als „erstes Sieben-Sterne-Hotel“ der Welt. Ein Marketingcoup, der bis heute wirkt. Im Inneren ist das Luxushotel komplett mit 24-karätigem Blattgold verziert. Der segelförmige Bau wurde zum Postkartenmotiv und Statussymbol. Bis 2010 wurden in Dubai fast ausschließlich Fünf-Sterne-Hotels gebaut. Erst später wurde durch steuerliche Anreize für Investoren auch das Vier-Sterne-Segment erschlossen – für mehr Masse, mehr Familien, mehr Markt. 2025 meldete die Stadt mit 19,59 Millionen Übernachtungsgästen das dritte Rekordjahr in Folge.
In Dubai beginnt fast alles mit einem Satz: Warum nicht? Warum nicht noch ein Hotel? Warum nicht noch ein Rekord? Warum nicht eine Kunstmesse nach dem Vorbild der prestigeträchtigen Art Basel hier etablieren? Warum nicht Bauprojekte auf künstlich aufgeschütteten Inseln wie Palm Jumeirah? Die berühmte Palmeninsel wurde 2008 fertiggestellt. Oder The World Islands: rund 300 kleine Inseln in Form einer Weltkarte, teilweise bis heute im Bau. Oder noch eine Insel in Palmenform?
Die politische Figur dahinter ist Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum, seit 2006 Herrscher von Dubai und in Personalunion Vizepräsident und Premierminister der VAE. Er verkörpert wie kaum ein anderer das Prinzip, auf dem Dubai gebaut wurde: autoritär geplant, ökonomisch offen, nach außen maximal modern inszeniert.


Mastermind. Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum ist Herrscher, Modernisierer, und Gesicht eines autoritär organisierten Wachstumsmodells
© Chris Jackson/Getty ImagesWarum nicht das höchste Gebäude der Welt in den Wüstensand setzen?
Der 829,8 Meter hohe Burj Khalifa, der wie eine nadelförmige Säule in den Himmel ragt, hieß ursprünglich Burj Dubai und wurde erst zur Eröffnung am 4. Januar 2010 in Burj Khalifa umbenannt, zu Ehren des damaligen Präsidenten der VAE, Scheich Khalifa bin Zayed Al Nahyan. Das war nicht nur höfliche Symbolik.
Es war vor allem ein sichtbares Dankeschön an Abu Dhabi, das Dubai nach der Finanzkrise mit Milliarden stützte, als ab 2008 die Kreditmärkte austrockneten, die Immobilienblase platzte und das Dubai-Modell erstmals gefährlich wackelte. Ein Kärntner Unternehmer, der damals mehrere Jahre als Finanzmanager in Dubai arbeitete, erinnert sich noch gut an seine letzten Tage vor der Rückkehr nach Österreich.
Die Szene habe etwas Dystopisches gehabt. Auf der Fahrt zum Flughafen, als er seine Zelte endgültig abbrach, bot sich entlang der Straßen ein seltsames Bild: Links und rechts standen verlassene Luxusautos – hastig auf Parkplätzen oder am Straßenrand abgestellt. Fahrzeuge, deren Leasingraten offenbar nicht mehr bezahlt werden konnten.


Krisensymbol. Ursprünglich hieß der Burj Khalifa Burj Dubai. Umbenannt wurde er 2010 auch als Dank an Abu Dhabi, das die Stadt in der Finanzkrise stützte
© Getty ImagesVor Villensiedlungen türmten sich Müllsäcke. In manchen Wohnanlagen waren ganze Häuserzeilen plötzlich leer. Menschen, die kurz zuvor noch Teil des rasanten Booms gewesen waren, hatten das Land überstürzt verlassen. „Es wirkte wie eine Geisterstadt“, sagt der Unternehmer rückblickend. Doch Dubai tat, was diese Stadt immer wieder getan hat: Sie erfand sich neu. Von oben verordnet. Vom Nachbaremirat gerettet.
Das nächste Großprojekt
Die nächsten Prestigeprojekte sind längst auf Schiene. Seit 2024 wird im Süden der Stadt der Al Maktoum International Airport ausgebaut – für 35 Milliarden US-Dollar und in einer Dimension, die zum Selbstbild Dubais passt. Der neue Mega-Flughafen soll fünfmal so groß werden wie der heutige Flughafen. Langfristig ist er für bis zu 260 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt, mit fünf Startbahnen, mehr als 400 Gates und Kapazitäten für zwölf Millionen Tonnen Fracht.
Auch Emirates soll dorthin übersiedeln. Die Airline wurde 1985 auf Initiative des Scheichs gegründet – mit dem klaren Ziel, Dubai zu einem globalen Luftfahrtdrehkreuz zu machen. Das Startkapital: zehn Millionen US-Dollar. Aus dem politischen Projekt wurde eine der bekanntesten Fluggesellschaften der Welt. Heute betreibt Emirates mehr als 250 Flugzeuge, fliegt über 140 Destinationen in 80 Ländern an und hat bis jetzt rund 860 Millionen Passagiere befördert. Auch in Wien ist die Präsenz täglich sichtbar: Zwei Emirates-Flieger starten und landen hier pro Tag, mit insgesamt rund 900 Passagieren an Bord.
Emirates ist ein Musterbeispiel für Dubais Entwicklungsmodell: staatlich angestoßen, global gedacht, auf Wachstum getrimmt. Der Anspruch dahinter ist bis heute derselbe. Mit der Agenda D33 will Dubai seine Wirtschaft bis 2033 verdoppeln und in die Spitzengruppe der globalen Städte für Leben, Arbeiten und Investitionen aufrücken. Dafür soll fast alles zulegen: der Außenhandel, ausländische Direktinvestitionen, private Investitionen und die inländische Nachfrage.
Kapital aus aller Welt
Der Finanzplatz Dubai ist dabei längst mehr als ein wirtschaftliches Zentrum. Für Unternehmer, Fondsmanager und Vermögensverwalter ist er Treffpunkt und Drehscheibe zugleich. Kapital aus Russland, Europa, Asien oder Afrika fließt in Immobilien, Beteiligungen und Fonds – begleitet von Finanzkonstruktionen, deren Wege sich oft nur schwer nachzeichnen lassen. Im Finanzjargon: Offshore-Konstruktionen.
Mit dem Geld kommen auch jene, die anderswo unter Druck geraten sind. Unternehmer mit komplizierten Vergangenheiten. Investoren, die einen Ort suchen, an dem sich Dinge neu ordnen lassen. Dubai bietet dafür eine Umgebung, wie sie weltweit nur wenige Orte bieten: kaum Steuern, viel regulatorische Freiheit und ein Staat, der wirtschaftliche Dynamik zur politischen Priorität erklärt hat. Internationale Strafverfolgung spielt dabei zumeist eine untergeordnete Rolle.
Neben etablierten Finanzakteuren haben sich deshalb über die Jahre auch zahlreiche Personen und Unternehmen angesiedelt, deren wirtschaftliche Aktivitäten oder juristische Vergangenheit in ihren Herkunftsländern bereits so manche Ermittlung ausgelöst haben. Für manche ist Dubai damit nicht nur Handelsplatz, sondern auch ein Ort, um Abstand zu den Problemen der alten Heimat zu gewinnen. Genau dort beginnt der Blick hinter die Fassaden dieser Stadt.
Neustart nach der Krise
Nach der Immobilienkrise begann der Finanzplatz, gezielt um ein anderes Publikum zu werben. Freihandelszonen wurden ausgebaut, regulatorische Hürden gesenkt. Das Emirat präsentierte sich als Zukunftslabor für digitale Finanzgeschäfte. Fintech-Start-ups, Kryptoplattformen, Blockchain-Projekte – vieles, was anderswo auf strengere Regulierung stößt, fand am Golf ein offenes Umfeld.
Mit dem Boom kam eine neue Klientel in die Wüste. Glücksritter, aber anders. Der Aufschwung zog nicht nur Start-ups und Investoren an, sondern auch die üblichen Begleiter solcher Entwicklungen: Anwaltskanzleien, Vermögensberater, Gastronomieunternehmer. Auch aus Österreich.
Österreich-Connection
Der Wiener Gastronom Martin Ho etwa will seit Ende 2022 dort groß ins Geschäft einsteigen, wie aus der vertraulichen Investorenpräsentation „DOTS Internationalisierung“ hervorgeht. Sie wurde gemeinsam mit der Beratungsfirma PwC entwickelt und liegt News vor. Darin wird allein für den Standort Dubai ein jährlicher Umsatz von rund 15 Millionen Euro prognostiziert. Angeblich soll es 2026 losgehen. Diesmal wohl wirklich.




Zweiter Anlauf. Auch der Wiener Gastronom Martin Ho will in Dubai groß ins Geschäft einsteigen. Laut interner Präsentation sollte es 2024 losgehen
© APA-Images / StarpixDie Liste der Namen, die in investigativen Recherchen rund um Dubai auftauchen, ist lang – seit der russischen Vollinvasion auf die Ukraine im Jahr 2022 noch länger. Kaum jemand siedelt sich mit einer auf russische Kunden spezialisierten Anwaltskanzlei in Dubai an, um dort hauptsächlich mittelständische Unternehmer aus Oberösterreich bei einer etwaigen Expansion zu beraten. Die Geschäfte liegen meist anderswo. Oft weiterhin tief im Osten.
Wo viel Geld zirkuliert, tauchen früher oder später auch Figuren aus den Grauzonen internationaler Nachrichtendienste auf. So etwa der ehemalige österreichische Geheimdienstmitarbeiter Martin Weiss. Sein Name fällt im Zusammenhang mit dem Spionagekomplex rund um Wirecard und den flüchtigen Ex-Vorstand Jan Marsalek.
In Österreich läuft in diesem Zusammenhang ein Prozess gegen den ehemaligen BVT-Beamten Egisto Ott, der die Vorwürfe bestreitet. Weiss selbst hat sich nach Dubai abgesetzt und gilt für österreichische Ermittlungsbehörden als nicht greifbar. Von dort aus bietet er offenbar seine Dienste als Sicherheitsberater an – und meldet sich gelegentlich per E-Mail bei den Behörden, um sämtliche Vorwürfe zurückzuweisen. Persönlich in der alten Heimat vorstellig werden will er aber lieber nicht.
Auch im operativen Geflecht der Wirecard-Geschäfte spielte Dubai eine zentrale Rolle. Hinweise darauf gab es bereits Monate vor dem spektakulären Zusammenbruch des Konzerns im Sommer 2020. Die deutsche Wirtschafts-Woche schilderte 2019 eine Recherche in den Al Kazim Towers in Dubai. Im 19. Stock, Büro 1905 A, sollte die Firma Al Alam sitzen – einer jener Drittpartner, über die Wirecard große Teile seines Geschäfts abgewickelt haben wollte.
Doch auf mehrmaliges Klingeln öffnete niemand. Auch die Nachbarbüros wussten nicht, wer hier arbeitete. Wenig später stellte sich heraus, dass große Teile dieses Geschäftsmodells auf fingierten Umsätzen beruhten. Und Dubai spielte darin eine zentrale Rolle.
Die Scam-Industrie
Spuren aus einer anderen internationalen Schattenwelt führen ebenfalls nach Dubai. Der südafrikanische Geschäftsmann Benjamin M., auch bekannt als Ben Smith, geriet ins Visier thailändischer Ermittler wegen des Verdachts auf grenzüberschreitende Geldwäsche. Gegen ihn liegt inzwischen eine Interpol-Red-Notice vor, eine internationale Fahndungsmeldung.
Recherchen der Investigativplattform Project Brazen verorten ihn im Umfeld der milliardenschweren Scam-Industrie, die vom thailändisch-kambodschanischen Grenzgebiet aus operiert und weltweit Opfer mit betrügerischen Investmentversprechen ins Visier nimmt. Hinter diesen Strukturen soll ein weit verzweigtes chinesisches Syndikat stehen. Benjamin M. versuchte zuletzt offenbar, sich ausgerechnet in Dubai als Immobilieninvestor zu etablieren. Er soll im Umfeld eines der exklusivsten Luxusprojekte der Stadt aufgetaucht sein.
Für Luxusprojekte in den Emiraten – und besonders in Dubai – interessierte sich auch der Immobilien-Jongleur René Benko. Kurz vor dem Zusammenbruch der Signa-Gruppe im Jahr 2023 erklärte er die Golfmetropole zu einem neuen Zentrum seiner geschäftlichen Aktivitäten. Selbst ein eigenes Büro samt IT-Infrastruktur wurde dort bereits angemietet, wie ein Vertrag zeigt, der News vorliegt. In der Endphase der Signa reiste Benko regelmäßig mit dem Privatjet in die Region. An seiner Seite: der frühere österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz, der nach seinem Rückzug aus der Politik als Unternehmer und Lobbyist tätig ist. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Suche nach frischem Kapital aus der Golfregion.
Und die Bemühungen blieben nicht ohne Ergebnis. Unter anderem floss noch eine stattliche Finanzspritze in Höhe von 100 Millionen Dollar der Herrscherfamilie von Abu Dhabi über ihr in Dubai ansässiges Family Office, wenige Monate vor dem späteren Zusammenbruch, in das Signa-Imperium.


Zweckgemeinschaft. Kurz vor dem Kollaps der Signa suchten René Benko und Sebastian Kurz in Dubai nach frischem Geld
© BKA/Dragan TaticFür seine intensive Vermittlungstätigkeit hätte Kurz, wie bei solchen Transaktionen üblich, eine Provision erhalten sollen. Ein Teil des Honorars ging jedoch in den Wirren des anschließenden Signa-Kollapses unter. Wenig später brach das Signa-Geflecht zusammen. Das Geld aus Dubai konnte das Kartenhaus nicht mehr stützen. Heute sitzt René Benko in Untersuchungshaft. Auch das ist eine Erzählung von Dubai. Hier beginnen viele Geschichten mit großen Versprechen und enden nicht selten ganz anders.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 11/2026 erschienen.
Über die Autoren

Kathrin Gulnerits
Chefredakteurin News Magazin

Sebastian Reinhart
Sebastian Reinhart ist Investigativ-Journalist. Er war unter anderem Referent für Untersuchungsausschüsse im österreichischen Nationalrat während der Aufarbeitung der Hypo-Affäre. Er war für die Recherche-Plattform Addendum tätig und schreibt für den Spiegel sowie derzeit für das Magazin News.






