Geht uns wegen des Iran-Kriegs nun das Öl aus? Und welche Folgen haben die Entwicklungen am Persischen Golf sonst noch? Antworten auf brennende Fragen.
Neben unzähligen menschlichen Tragödien hat der Iran-Krieg auch gravierende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft: Die Straße von Hormus wird zum umkämpften Nadelöhr für Öltransporte aus der Region und damit zum Symbol der Abhängigkeit von Erdöl. Der fossile Rohstoff spielt auch für Österreich nach wie vor eine große Rolle – trotz aller Beteuerungen, sich davon lösen zu wollen. Hektisch wird vonseiten der Politik versucht, Märkte und Konsumenten zu beruhigen, etwa mit dem Versprechen, Ölreserven freizugeben. Österreich ist zwar nicht existenziell abhängig von Importen aus der Region, doch die Schockwellen werden auch hier zu spüren sein.
Ist Öl für Österreich unverzichtbar?
Erdöl bleibt trotz der angestrebten Energiewende für Österreich unverzichtbar: Es macht mehr als ein Drittel des gesamten energetischen Endverbrauchs aus (Erdgas: circa 16 Prozent). Der Großteil wird im Verkehr verwendet, vor allem im Straßenverkehr.
Der Ausbau der Elektromobilität spielt daher sowohl für die Klimabilanz des Landes als auch für die Reduzierung der Abhängigkeit von Ölimporten eine Rolle. Im Verkehrssektor gab es bisher keinen nennenswerten Rückgang der Emissionen, während etwa bei Gebäuden die Emissionen seit 1990 um rund die Hälfte gesunken sind.
Wie lange hält Österreich ohne Ölimporte aus?
90 Tage müssen laut Erdölbevorratungsgesetz die Notfallreserven an Öl reichen, falls Importe gänzlich ausfallen – das entspricht rund 2,6 Millionen Tonnen Erdöleinheiten, ein Viertel des Jahresverbrauchs. Die Versorgungssicherheit sei in Österreich gegeben, beruhigt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.
Das betreffe auch Gas, die Speicher sind nach dem Ende der Heizsaison zu rund einem Drittel gefüllt, das würde für zwei Wintermonate reichen. Gas wird heute vor allem aus Deutschland und Italien importiert. Eine Taskforce des Ministeriums, der unter anderen Experten des Wifo und der E-Control angehören, soll die Lage nun laufend beobachten.
Braucht Österreich Öl aus der Region?
Österreich braucht Ölimporte, weil die Eigenförderung nur einen Bruchteil des Bedarfs deckt. Kasachstan ist derzeit der wichtigste Lieferant von Rohöl; von den Mengen her spielt Öl vom Persischen Golf keine überragende Rolle.
Rohöl, das in der Raffinerie Schwechat verarbeitet wird, kommt von der Adria – diesbezüglich gibt es keine Probleme mit der Versorgung, während Preisschocks weitreichende Folgen haben könnten.
Hedwig Doloszeski, Geschäftsführerin des Fachverbands Energierohstoff- und Kraftstoff industrie, befürchtet steigende Ölpreise und Transportkosten. „Davon sind vor allem Branchen wie Chemie, Metall, Papier, Baustoffe sowie Transport und Logistik betroffen.“


Was bringt die Freigabe von Ölreserven?
400 Millionen Barrel Öl wollen die Mitgliedsländer der IEA (Internationale Energieagentur) gemeinsam aus ihren Notreserven freigeben – rund ein Drittel der gesamten Reserven von 1,2 Milliarden Barrel. Noch nie wurde so viel freigegeben; Österreich steuert rund 2,4 Millionen bei.
Das soll den Anstieg der Energiepreise und mögliche Auswirkungen auf Inflation, Zinsen und Wirtschaftswachstum eindämmen. Doch mittel- bis langfristig kann diese von Kritikern als Aktionismus bezeichnete Maßnahme steigende Preise nicht verhindern.
Bleibt die Straße von Hormus länger unpassierbar, lässt sich ein höherer Ölpreis nicht verhindern; alternative Routen sind nur begrenzt ein Ersatz für die Schiffsroute. Die Panik zeigt außerdem, wie sehr die Weltwirtschaft nach wie vor von fossilen Brennstoffen abhängig ist: Öl, Gas und Kohle machen gemeinsam rund 80 Prozent des Primärenergieverbrauchs aus.


Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 12/2026 erschienen.






