Für Österreich ist Indien ein kleiner aber wachsender Handelspartner, das Freihandelsabkommen mit der EU soll Aufschwung bringen.
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Indien ist mit knapp 1,5 Mrd. Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt. Noch liegt die Wirtschaftsleistung pro Kopf bei einem Bruchteil der österreichischen. Indiens Wirtschaft wächst aber ähnlich rasant wie die Chinas, die Bevölkerung ist wesentlich jünger. Die Wirtschaftskammer Österreich sieht hohe Wachstumschancen, eine Wirtschaftsmission unter Leitung von Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) soll helfen, das Potenzial zu heben.
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) bricht heute, Dienstag, nach Neu-Delhi auf. Ein Treffen mit dem indischen Premierminister Narendra Modi ist für Donnerstag angesetzt. Hattmannsdorfer und zahlreiche heimische Wirtschaftsvertreter sind bereits seit vergangenen Samstag in Indien vor Ort.
Neues Freihandelsabkommen zwischen EU und Indien
Noch schützt Indien seine Wirtschaft mit hohen Zöllen, das soll sich aber dank neuem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ändern. Es sieht vor, dass die EU Zölle auf über 90 Prozent der Produkte abschafft und Indien rund 86 Prozent der Zollpositionen liberalisiert. Österreichs Exporte könnten dadurch um rund 75 Prozent steigen, insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Elektronik, Chemie und industrielle Dienstleistungen. Heimische Exporteure sollen sich jährlich 108 Mio. Euro an Kosten ersparen. Durch das Freihandelsabkommen rechnet Hattmannsdorfer mit etwa 5.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in Österreich.
Österreich hat zuletzt (2024) Waren um 1,3 Mrd. Euro nach Indien exportiert und um 1,5 Mrd. von dort importiert. Das ist jeweils weniger als ein Prozent der gesamten österreichischen Aus- und Einfuhren. Unter den Topprodukten dominieren in beide Richtungen Maschinen (inklusive Kraftfahrzeugen).
Junge Bevölkerung, starkes Wirtschaftswachstum
Indien hat drei Mal so viele Einwohner wie die gesamte EU, dabei ist ein Viertel der Menschen unter 15 Jahren alt. Die Zeit des großen Bevölkerungswachstums dürfte auch in Indien vorbei sein, die Fruchtbarkeitsrate ist zuletzt unter 2 Kinder je Frau gefallen. Dafür steht dem Arbeitsmarkt noch ein großer Umbruch bevor, denn 42 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. In Österreich sind es nur rund 3 Prozent.
Indiens Bruttoinlandsprodukt lag 2024 bei rund 3.900 Mrd. Dollar (derzeit etwa 3.300 Euro). Das war etwa sieben Mal das österreichische BIP (484 Mrd. Euro) bei einer 160 Mal größeren Bevölkerung. Dafür lag das Wirtschaftswachstum die letzten beiden Jahre über 6 Prozent, während es in Österreich kaum ein Plus gab. Indien ist mit rund 80 Prozent des BIP verschuldet und damit ähnlich stark wie Österreich.






