Harald Mahrer
©APA, GEORG HOCHMUTHNach Kritik an Mehrfachfunktionen zieht sich WKÖ-Präsident Harald Mahrer aus der Nationalbank zurück. In der Wirtschaftskammer kündigt er strukturelle Prüfungen und Reformen an.
Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer legt sein Amt als Präsident der Österreichischen Nationalbank (OeNB) zurück. Der Rücktritt soll „zeitnäher“ erfolgen, sagte Mahrer am Montag vor Journalistinnen und Journalisten. Er wolle sich künftig auf seine Aufgaben in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) konzentrieren. Mahrer bleibt sowohl Präsident der WKÖ als auch Chef des Wirtschaftsbundes.
In seiner Erklärung betonte er, dass der Rücktritt nichts mit seiner mehrfachen Entlohnung zu tun habe, sondern mit der Notwendigkeit, sich auf die Kammerarbeit zu konzentrieren. In den vergangenen Wochen war Mahrer wegen der kumulierten Bezüge aus seinen verschiedenen Funktionen in die Kritik geraten. Neben seiner Entlohnung als WKÖ-Präsident (15.158 Euro monatlich) und Wirtschaftsbund-Chef (6.000 Euro) erhielt er als OeNB-Präsident eine Aufwandsentschädigung von 7.330 Euro pro Monat. Während seiner ersten Amtszeit in der Notenbank hatte er auf diese verzichtet.
Reformpläne in der Wirtschaftskammer
Mahrer kündigte eine Reihe von Reformmaßnahmen innerhalb der Wirtschaftskammer an. So soll das derzeitige System der Gehaltserhöhungen der Kammerangestellten gemeinsam mit den Belegschaftsvertretungen überarbeitet werden. Ziel sei eine „realitätsnahe Abbildung“ der wirtschaftlichen Situation in den Mitgliedsbetrieben. Die neue Regelung soll ab 2027 zur Anwendung kommen.
Darüber hinaus will Mahrer, dass der Rechnungshof die Strukturen der Funktionärsentschädigungen prüft. Der Rechnungshof kündigte bereits an, dass eine Prüfung der WKÖ in Vorbereitung sei. Erhöhungen von Funktionärsbezügen um bis zu 60 Prozent hatten zuletzt für öffentliche Kritik gesorgt. Zusätzlich sollen auch die internen Strukturen und Leistungen der Kammer einer externen Überprüfung unterzogen werden.
Eine Senkung der Kammerumlage schloss Mahrer nicht aus. Anfang 2024 war diese bereits um 30 Millionen Euro reduziert worden. Weitere Schritte seien denkbar, sobald die laufenden Reformen abgeschlossen seien. Rücklagen in Milliardenhöhe seien laut Mahrer teilweise zweckgebunden und stünden daher nicht frei zur Verfügung.
„Fehlerkultur in der Wirtschaft“
Seinen Rücktritt aus der OeNB begründete Mahrer mit einem Hinweis auf die „Fehlerkultur in der Wirtschaft“. Verantwortungsbewusstes Handeln beginne bei einem selbst, sagte er. In den vergangenen Tagen hatte er im Zusammenhang mit der Kommunikation zu Lohnerhöhungen und Gehältern in der Kammer Kritik auf sich gezogen. „Ich möchte keine halben Sachen machen“, so Mahrer.
Trotz seines Rückzugs aus der Nationalbank kündigte er an, als WKÖ-Präsident weiterhin „laut“ und „unbequem“ zu bleiben. Er wolle aufzeigen, „was falsch läuft“, und die Wirtschaft in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen.
Kritische Reaktionen
Die Reaktionen auf Mahrers Schritt fielen gemischt aus. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz forderte Mahrers Rückzug auch aus der Wirtschaftskammer und eine Rücknahme der jüngsten Entgelterhöhungen. Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl zeigte sich überzeugt, dass die OeNB unter Vizepräsidentin Ingrid Reischl „weiter gut aufgestellt“ sei. Sabine Jungwirth, Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft, sprach sich für eine Reform des Kammerwahlrechts und eine neue Finanzierungssystematik aus.
Harald Mahrer, Jahrgang 1973, studierte Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und begann seine Karriere in der Kommunikationsbranche. Er war Gründer der legend Consulting GmbH und später Geschäftsführer der Kommunikationsberatung Pleon Publico.
Seine politische Laufbahn begann 2014 als Staatssekretär im Bildungsministerium, 2017 wurde er kurzzeitig Wirtschafts- und Wissenschaftsminister. Seit 2018 steht er an der Spitze der Wirtschaftskammer Österreich. Mahrer gilt als wirtschaftsliberal und reformorientiert, wird von Kritikern aber für eine zu starke Fokussierung auf mediale Außendarstellung kritisiert.
Mit dem Rücktritt aus der OeNB will Mahrer nun den Fokus auf die inneren Strukturen der Kammer lenken – und Vertrauen innerhalb der Unternehmerschaft zurückgewinnen.
