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Große Firmen dürfen unverkaufte Mode nicht mehr wegwerfen

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©APA/HANS KLAUS TECHT
Große Unternehmen in der Europäischen Union dürfen unverkaufte Kleidung und Schuhe künftig nicht mehr vernichten. Eine entsprechende EU-Vorschrift gilt ab heute und soll dafür sorgen, dass betroffene Firmen ihre Waren etwa erneut verkaufen oder spenden, anstatt sie wegzuschmeißen. Bisher gilt die Entsorgung als teils günstiger, als Produkte zu lagern, aufzubereiten oder wieder zum Verkauf anzubieten. Greenpeace kritisiert in Österreich unterdessen fehlende Strafmöglichkeit.

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Ausnahmen in der neuen EU-Vorschrift gelten unter anderem für den Fall, dass die Ware gefährlich, beschädigt oder verschmutzt ist, nicht wiederverwendet oder -aufbereitet werden kann. Auch was mehreren sozialwirtschaftlichen Einrichtungen mit Sitz in der EU als Spende angeboten, aber nicht innerhalb einer Frist angenommen wurde, darf vernichtet werden. Für kleinere Unternehmen treten die neuen Vorgaben später in Kraft.

Angaben der EU-Kommission zufolge werden in Europa jährlich vier bis neun Prozent der unverkauften Textilien zerstört, bevor sie überhaupt getragen wurden. Diese Abfälle verursachten rund 5,6 Millionen Tonnen CO2-Emissionen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßt die neue EU-Vorschrift als "wichtigen historischen Meilenstein". In Österreich drohe das Verbot jedoch "ins Leere zu laufen", heißt es in einer Aussendung. Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) habe das vorgeschriebene nationale Begleitgesetz bisher nicht umgesetzt und somit keine drohenden Strafen festgelegt. Die Vernichtung neuwertiger Kleidung und Schuhe in Österreich sei daher zwar ab Sonntag verboten, bleibe aber straffrei, kritisiert Greenpeace. Die Organisation schätzt, dass allein 2021 in Österreich rund 4,6 Millionen Kilogramm neuwertige Kleidung und Schuhe im Wert von 155 Millionen Euro vernichtet wurden.

Laut Handelsverband Deutschland (HDE) könnte das Verbot Vorteile für Verbraucher mit sich bringen: So könnte laut Hauptgeschäftsführer Stefan Genth das Angebot an reduzierter Ware steigen, etwa über Outlets, Restpostenmärkte oder Second-Hand-Kanäle. Außerdem sieht er mögliche ökologische Vorteile, "da weniger neuwertige Kleidung vernichtet wird und Produkte häufiger weiterverkauft oder gespendet werden".

Der Handel werde jedoch vor Herausforderungen gestellt, sagt Genth: "Nicht alle unverkauften Waren lassen sich ohne weiteres erneut verkaufen oder spenden." Gründe könnten etwa beschädigte Verpackungen, hohe Logistikkosten, fehlende Nachfrage oder geringe Warenwerte sein. Für Händler entstünden zusätzliche Kosten für Lagerung, Sortierung, Aufbereitung und Weitervermarktung. Hinzu kämen Dokumentationsauflagen, rechtliche Unsicherheiten und praktische Hürden bei Spenden oder Secondhand.

Der Modeverband GermanFashion befürwortet die neue Regelung. "Bekleidung ist ein wertvolles Produkt, dessen Vernichtung vermieden werden sollte", so Hauptgeschäftsführer Thomas Lange. Das Vernichtungsverbot setze ein wichtiges Signal für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Ressourcen.

Für viele europäische Bekleidungsunternehmen werde die Regelung aber kaum Auswirkungen haben, weil unverkaufte Ware in der Regel nicht vernichtet werde. Die eigentliche Herausforderung liege bei den großen Mengen günstiger Ultra-Fast-Fashion-Produkte, die Verbraucher direkt bei außereuropäischen Anbietern bestellten, so Lange. Er fordert, dass diese Unternehmen künftig in gleicher Weise wie europäische Hersteller an den Kosten für Sammlung, Sortierung und Recycling von Alttextilien beteiligt werden.

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie kritisiert, das Gesetz gehe an der Realität vorbei, belaste die Branche mit Bürokratie und löse Probleme mit Fast Fashion nicht im Ansatz. Experte Jonas Stracke sagte, für mehr Nachhaltigkeit brauche es etwa funktionierende Sammel-, Sortier- und Recyclingstrukturen. Solange diese Voraussetzungen fehlten, bleibe das Vernichtungsverbot ein Papiertiger. "Einen echten Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leiste es in der Praxis leider nicht."

++ THEMENBILD ++ Illustration zum Thema "Fast Fashion": Verschiedene Textilien, aufgenommmen am Samstag, 14. Mail 2022. Die Fashion-Branche ist der zweitgrößte Umweltverschmutzer weltweit nach der Ölindustrie. Zu den zentralen Problemen zählen der hohe Wasserverbrauch, die Wasserverschmutzung, der Ausstoß an Treibhausgasen und Berge an Müll. Die weltweite Textilindustrie produziert pro Jahr rund 1,2 Mrd. Tonnen an CO2-Äquivalenten.

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