Reality-TV-Stars: Das Unternehmerpaar Helmut und Katarina Kaltenegger
©Kurier, Juerg Christandl, APA ImagesDie TGI-Gründer Helmut und Katarina Kaltenegger sponsern nicht nur Fußballvereine und ein Motorsport-Team, sie sind mittlerweile auch Reality-TV-Stars. Sie verdienen ihr Geld mit einem schwer durchschaubaren Gold-Business – das in Deutschland am Freitag (noch nicht rechtskräftig) untersagt wurde. Am Mittwoch warnten dann auch die Aufsichtsbehörden in Österreich und Liechtenstein: TGI dürfe in Österreich keine konzessionspflichtigen Bankgeschäfte erbringen. News schaut hinter die Kulissen des TGI-Geschäftsmodells – in Vaduz, Wien und Ghana.
Helmut und Katarina Kaltenegger haben Geld. Viel Geld. Vornehmlich in bar. Und das sollen auch möglichst viele wissen. Seit Ende Jänner lassen sich die beiden von Puls 4 für die Reality-Show „Die Kalteneggers – Eine Familie im Goldrausch“ in ihrem Alltag von Kameras begleiten.
Dort sind die beiden zu sehen, wie sie etwa einen Lamborghini mit 25.000 Euro Cash anzahlen oder mit einer Yacht von Monaco aus in den Urlaub schippern. Seven Sins heißt das Schiff, es ist 52 Meter lang und bietet Platz für bis zu zehn Gäste und elf Crewmitglieder. Die Yacht gehört zu einem Teil dem österreichischem Investor Alexander Schütz. Kostenpunkt für eine Woche: 250.000 Euro.
Verlockende Versprechen
„Gut gebrandet, oder?“, meint Katarina Kaltenegger zu ihrem Mann, und deutet auf die Dekoration des Schiffs. „Geil!“ bestätigt dieser. Das Schiff ist überal mit dem Schriftzug „TGI Gold & Mining“ dekoriert. Die TGI AG ist das Unternehmen der Kalteneggers, und die Show ist für die beiden vor allem eine Werbebühne. „Wir haben schon auch den Werbewert gesehen, der einfach unbezahlbar ist“, sagt Helmut Kaltenegger, der auch als Mäzen für den Fußballverein Austria Klagenfurt und ein deutsches Motorsportteam auftritt, gegenüber der Kleinen Zeitung.
Von Staubsaugern zu Gold
Früher verkaufte der 60-Jährige Staubsauger, Kaffeemaschinen, Wellnessprodukte und Handy-Beschichtungen. Heute hat er mit TGI ein besonders kreatives Geschäftsmodell: Gold mit Rabatt. Kunden können Goldbarren erwerben, bekommen diese aber erst später ausgehändigt. In der Regel drei Jahre später. Und während dieser Zeit bekommen die Kunden monatlich Geld zurück.
„Stell dir vor, du kaufst echtes Gold und bekommst monatlich zwei bis vier Prozent zurück auf dein Konto überwiesen“, heißt es in einem Social-Media-Video von TGI. Nach drei Jahren würden sich so „bis zu 72 Prozent Rückzahlung“ des Kaufpreises ergeben. Und der Jahre zuvor bestellte Goldbarren. Außer, man entscheidet sich, die Auslieferung weiter aufzuschieben, um weitere monatliche Rabatte zu erhalten. Von „60.000 Stammkunden“ spricht Kaltenegger, TGI gibt auf der Website an, man habe „40.000+ Kunden“, die sich über die Rabatte freuen würden. Insgesamt seien bereits mehr als 80 Millionen Euro über solche Rabatte ausbezahlt worden.
Gold gilt als sicherer Hafen und ist gerade in Zeiten globaler Krisen eine beliebte Form der Vermögensanlage. Dass ein Unternehmen darauf „Rabatt“ gewährt, erscheint zumindest erklärungsbedürftig. Vor allem, warum vor den Kalteneggers offenbar noch niemand auf diese scheinbar geniale Idee gekommen ist.
Auf einer bekannten Rezensionsplattform findet sich eine atemberaubende Menge vorgeblicher TGI-Kunden, die ausschließlich Positives zu berichten wissen. „Alles perfekt gelaufen“, schreibt etwa „Sven“. „Weltweit einmaliges Konzept und absolut zuverlässig!“, freut sich „Danny“. Und ein „Herbert“ erzählt: „4 Monate habe ich den Haken gesucht und nicht gefunden. Jetzt habe ich bereits einige Rabatte erhalten und bin auch Empfehlungsgeber.“ Empfehlungsgeber, das sind die Direktvertriebler der TGI. Sie werben gegen Bonuszahlungen weitere Kunden an. Dass sie am TGI-Geschäftsmodell keinen Haken sehen, verwundert wenig. Das Geschäft muss florieren.
Außerordentliche Versammlungen
Vaduz, Liechtenstein, an einem angenehmen Frühlingstag. Zumindest hier und heute ist das Blaue vom Himmel kein leeres Versprechen. Direkt unterhalb von Schloss Vaduz, dem Regierungssitz der Fürsten von Liechtenstein, steht die offizielle Unternehmenszentrale der TGI, flankiert von einem Tattoostudio und einem Souvenirladen. Die auffällige Beflaggung erinnert an die Charter-Yacht aus der Puls-4-Serie. In Liechtenstein tritt die TGI im März 2024 zum ersten Mal offiziell unter diesem Namen auf. Zuvor hieß sie „GGMT Revolution AG“ und „M.R. Capital AG“. Der letzte verfügbare Jahresabschluss stammt aus dem Jahr 2023 – er weist ein negatives Eigenkapital im vierstelligen sowie einen Bilanzverlust im sechsstelligen Bereich aus, wie ein Blick ins diskrete Handelsregister des Fürstentums zeigt. Von millionenschweren Gold-Transaktionen ist dort noch nichts zu erkennen.
News-Recherchen fördern weitere bemerkenswerte Vorgänge zutage. So wollte das Amt für Justiz, eine dem liechtensteinischen Justizministerium untergeordnete Behörde, die TGI AG im Jänner 2026 liquidieren. Der banale Grund: Die fehlende Eintragung einer gesetzlich erforderlichen Revisionsstelle im Liechtensteiner Handelsregister. Das wurde vonseiten der TGI später nachgeholt. Die drohende Liquidation damit abgewendet.


Negatives Eigenkapital und Verluste: Eine TGI-Bilanz wirft Fragen auf
© NewsSchon zuvor, am 2. Oktober 2025, hatten die Kalteneggers zu einer ihrer zahlreichen „außerordentlichen“ Generalversammlungen der TGI AG geladen. Neben ihnen nehmen drei weitere Personen teil: Herbert Müllner, Roman Kaltenegger und Michael Ewy. Es gibt einiges zu besprechen.
Katarina Kaltenegger erklärt via Zoom ihren Rücktritt aus dem Verwaltungsrat. „Sie bittet ausdrücklich darum, keine Eintragung ihres bisherigen Amts im Handelsregister vorzunehmen“, heißt es im News vorliegenden vertraulichen Protokoll. Zudem ist dort vermerkt, dass nach einer Sorgfaltspflichtprüfung (SPG-Prüfung) der TGI eine „Anpassung der organisatorischen Struktur“ des Unternehmens notwendig sei.
Roman Kaltenegger wird zum neuen Geschäftsführer und Verwaltungsratsmitglied bestellt – nur drei Monate später tritt er aus „gesundheitlichen Gründen“ wieder zurück. Herbert Müllner übernimmt die Funktion des Chief Financial Officer (CFO) und wird ebenfalls in den Verwaltungsrat berufen. Michael Ewy legt seine bisherigen Funktionen als Geschäftsführer und Verwaltungsrat zurück und wird zum „Head of Compliance“ bestellt. In dieser Rolle solle er sich künftig „auf die Umsetzung und Betreuung der angedachten Payment Solution“ konzentrieren. Um 19 Uhr endet die Sitzung. Eine von vielen.
Finanzmarktaufsichten warnen vor TGI
Noch eine Woche vor dem Meeting kommt es zu einem bemerkenswerten Vorgang: Die liechtensteinische Finanzmarktaufsicht (FMA) warnt offiziell vor der TGI. Das Unternehmen verfüge „über keine aufsichtsrechtliche Bewilligung oder Registrierung“ der FMA heißt in der Kundmachung.
Die Mitteilung wurde dann wieder zurückgenommen – am Mittwoch warnte die FMA Liechtenstein dann erneut vor TGI. In der Meldung heißt es unter anderem: „Die FMA rät dringend davon ab, Investitionen im Zusammenhang mit dem Angebot der TGI AG zu tätigen, insbesondere nicht auf Angebote zu reagieren oder Gelder zu überweisen.“ In der Replik der TGI auf die später offline genommene Meldung hieß es, das Unternehmen erkenne den Hinweis der FMA als „richtig“ an und betont zugleich, man habe „nie fälschlich den Eindruck erweckt“, unter Aufsicht der FMA zu stehen.
Auch die FMA Österreich warnt am Mittwoch vor der TGI: „Dieser Anbieter hat keine Berechtigung, konzessionspflichtige Bankgeschäfte in Österreich zu erbringen.“ News hat bei TGI um Stellungnahme dazu gebeten. Bereits Ende März riet die FMA Liechtenstein im Zusammenhang mit Goldhandel allgemein „insbesondere zu Vorsicht und Skepsis bei aussergewöhnlichen Rabatten, Lieferbedingungen und komplexen Geschäftsmodellen und Dienstleistungsangeboten“.
Regulärer Goldhandel unterliegt grundsätzlich keiner Aufsichtspflicht. Ob das auch auf die TGI und ihre Rabatt-Produkte zutrifft, ist allerdings offen. Die Finanzmarktaufsichten in Liechtenstein und Österreich gaben unmittelbar vor den erwähnten Warnungen auf News-Anfrage an, dass dies derzeit in einem laufenden Verfahren geprüft wird.
Verbot durch Bafin
Dieses Rennen haben sie jedoch gegen ihre deutschen Kollegen in Bonn verloren. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gab am Montagnachmittag bekannt, bereits am vorangegangenen Freitag beide noch angebotenen „Gold mit Rabatt“-Produkte der TGI wegen Verstoßes gegen das Vermögensanlagengesetz untersagt zu haben. Die Maßnahme ist zwar bereits vollziehbar, aber noch nicht bestandskräftig – TGI kann also noch Einspruch erheben.
Kurz zuvor, am selben Tag um 12 Uhr, hatte TGI gegenüber News die Situation noch anders dargestellt: Die Bafin habe lediglich im März eine Meinung dazu geäußert, ob für die TGI-Produkte eine Prospektpflicht bestehen könnte. TGI betonte zudem den ständigen Kontakt mit der Behörde und das eigene Interesse an Aufklärung. Im März hatte die Bafin angekündigt, TGI zu prüfen, da deren Modell einer Geldleihe gegen Zinsen und Gold ähneln könnte.
Nach der Bekanntgabe des Verbots am Montagnachmittag erklärte ein TGI-Vertreter gegenüber dem „Handelsblatt“, die eigenen Anwälte würden die aktuelle Meldung nun prüfen. Wegen der laufenden Bafin-Untersuchung hatte TGI bereits zuvor freiwillig ein Produkt vom Markt genommen.
Und tatsächlich: Das Geschäftsmodell der TGI weicht deutlich von dem ab, was man üblicherweise unter dem Handel mit Goldprodukten versteht – also Geld gegen Ware. Die Firma der Kalteneggers verfolgt einen anderen Ansatz, wie das Unternehmen auf die Frage nach der Finanzierung des Rabattmodells erklärt. Dieses finanziere sich durch „Vereinbarungen mit unseren Partnerunternehmen“, die dank „30 Prozent Produktionskosten“ und dem „Ausbau von Mining und physischem Handel“ Gewinne erzielen würden.
Streit bei Partner in Ghana
Accra, rund 6.800 Kilometer von Vaduz entfernt, im Viertel Adabraka der ghanaischen Hauptstadt, soll eines dieser Partnerunternehmen seinen Sitz haben: die „Gold Crest Refinery Limited“. Dabei soll es sich um eine sogenannte Scheideanstalt handeln, die minderwertiges Gold zu Feingold veredelt. An der angegebenen Adresse findet sich jedoch lediglich ein schmuckloses Bürogebäude des IT-Unternehmens IPMC.
Ein YouTube-Video der TGI soll zeigen, wie bei Gold Crest gearbeitet wird. Da darin Außenaufnahmen fehlen, lässt sich der tatsächliche Drehort nicht verifizieren. Auf der Website von Gold Crest werden unter der Rubrik „Partners we trust worldwide“ renommierte Unternehmen angeführt, darunter die Fluglinie KLM. Recherchen von News im Umfeld der niederländischen Airline ergaben jedoch, dass zumindest KLM kein Partner der ghanaischen Goldraffinerie ist.
Laut vorliegenden Dokumenten wurde Gold Crest von zwei indischen Staatsangehörigen gegründet: der heute 60- oder 64-jährigen – dazu später mehr – Niharika Handa, die zusätzlich einen ghanaischen Pass besitzt, sowie dem 59-jährigen Amar Deep Singh Hari. Er ist auch Gründer von IPMC – jenem bereits erwähnten IT-Unternehmen, das sich das Gebäude mit Gold Crest teilen soll.
„Schreibfehler“ im Pass?
Wie Recherchen von News zeigen, befinden sich die beiden mittlerweile in einem handfesten Rechtsstreit. Hari wirft Handa unter anderem vor, ihre Identität betrügerisch verschleiert zu haben: Sie soll einen ghanaischen Pass mit einem abweichenden Geburtsdatum besitzen und diesen auch für Unternehmensgründungen sowie Kontoeröffnungen in mehreren Ländern verwendet haben – darunter für die Eröffnung eines österreichischen Kontos und die Gründung der „Gold Crest Trading GmbH“ mit Sitz in Wien.


Interne Dokumente der TGI AG weisen auf turbulente Vorgänge im Unternehmen hin
© NewsDie Errichtung dieser Niederlassung soll zudem ohne Zustimmung des Miteigentümers Hari sowie des Aufsichtsrats erfolgt sein. „Nach Ansicht unseres Mandanten wurden Entitäten wie diese als Vehikel zum Diebstahl von Unternehmenseigentum verwendet“, heißt es in einem online abrufbaren Dokument, das den Eindruck eines anwaltlichen Schreibens erweckt und von Haris Anwälten stammen soll. Auf News-Anfrage wollten die Anwälte keine Stellungnahme abgeben.
Handa weist die Vorwürfe in ghanaischen Medienberichten zurück und bezeichnet die unterschiedlichen Geburtsdaten in ihren Pässen als „Schreibfehler“. Handa wirft Hari wiederum Betrug und den Diebstahl mehrerer Kilogramm Gold vor, was dieser zurückweist. Der gesamte Vorgang lässt jedenfalls auf eine tiefgreifende persönliche Auseinandersetzung zwischen zwei Schlüsselfiguren im Umfeld des TGI-Systems schließen.
Die 64 Jahre alte Inderin – oder 60-jährige Ghanaerin – Handa wird jedenfalls bis heute auf der Website von TGI als „Managing Director“ von Gold Crest Refinery Limited geführt. Wie TGI mit dem Rechtsstreit zwischen den beiden 50-Prozent-Aktionären ihres Partners in Ghana umgeht? Auf Anfrage verweist das Unternehmen auf das aufrechte Vertragsverhältnis – ansonsten seien „Verhältnisse oder Aktivitäten der Shareholder untereinander nicht von Interesse der TGI AG“. Sowohl mit Hari als auch mit Handa sei man jedenfalls „in ständigem Austausch“. So weit, so kurios.
Die Goldhändler von Währing
Auch im 18. Wiener Gemeindebezirk hat der Frühling endlich Einzug gehalten. An der Adresse der Gold Crest Trading GmbH geht es an diesem Tag allerdings um etwas anderes. Vor der Tür ist ein grauer Jaguar XF geparkt. Ein Kamerateam ist vor Ort, es filmt, wie Mitarbeiter einer Gärtnerei Palmen anliefern. Zwei Unternehmen haben hier ein Türschild: die „GGMT GmbH“, eine Vorgängergesellschaft der TGI mit ähnlichem Geschäftsmodell, und die „AURUM GmbH“. Von der „Gold Crest“ keine Spur.
Was bekannt ist: Geschäftsführer der angeblichen Österreich-Zweigstelle der ghanaischen Goldraffinerie, deren Alleineigentümerin laut Unterlagen Niharika Handa sein soll, ist Herbert Müllner – jener Mann, der bereits als CFO der TGI AG in Erscheinung trat. Die Gold Crest Trading GmbH weist für 2024 einen sechsstelligen Bilanzverlust und ein ebenfalls sechsstellig negatives Eigenkapital auf. Die TGI will dazu auf News-Anfrage „keine Auskünfte erteilen“.
Patentierte „Monstermaschine“
Zurück nach Vaduz. Im internen Protokoll aus dem Oktober 2025 findet sich noch ein Hinweis auf ein anderes Partnerunternehmen der TGI: die Firma „Bootup Africa“ mit Sitz in einer Wohnanlage in Lusaka, Sambia. In Social-Media-Videos von TGI ist von einer „patentierten Monstermaschine“ aus chinesischer Produktion die Rede, mit der jährlich Gold im Wert von „80 Millionen Euro“ geschürft werden könne – mit einer Gewinnspanne von 50 Prozent.
Auf konkrete Nachfrage, um welche Maschine und welches Patent es sich dabei handle, will die TGI nicht antworten und verweist lediglich auf das Partnerunternehmen. An diesem ist die TGI laut dem vertraulichen Protokoll mit fünf Prozent beteiligt. Außerdem seien „monatliche Zahlungen an TGI AG (Goldkäufe) von 6,5 Prozent“ vereinbart worden, heißt es. Auf Bitte um eine nähere Erläuterung verweist TGI auf eine „Geheimhaltungsverpflichtung“.


Bootup Africa: Das Unternehmen in Sambia ist einer der TGI-„Partner“
© NewsWer steckt hinter der „Bootup Africa“ in Sambia? Gründer und CEO ist der Deutsche Michel Gschwendtner. „Vision ist die Kunst, das zu sehen, was für andere unsichtbar ist“, steht unter seinem Porträt. Gschwendtner blickt auf eine turbulente unternehmerische Vergangenheit zurück.
Und dann wird es erneut kurios: Einige der auf der Unternehmens-Website genannten Personen ließen sich im Zuge der Recherche nicht anhand öffentlich zugänglicher Informationen verifizieren. In einem Fall wurde zudem ein Bild verwendet, das den Eindruck einer KI-generierten Darstellung erweckt.
Alte Mine, neues Glück?
Neben diesen Partnern hat die TGI noch ein weiteres vorgebliches Ass im Ärmel: Eine Mine im südamerikanischen Guyana. Eine solche war bereits einmal Teil eines Verfahrens gegen den Vorgänger der TGI, GGMT. Auch hier wurde Anlegern Rabatte auf Gold versprochen. Sie investierten in eine Mine, die allerdings letztlich kein Gold abwarf. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hatte im Jahr 2024 Anklage wegen Betrugsverdachts gegen die Kalteneggers erhoben. 20.000 Anleger seien um 35 Millionen Euro geprellt worden. Ein gerichtlich bestellter Gutachter kam jedoch zum Schluss, dass das Minenprojekt ohne die Pandemie und eine Hochwasserkatastrophe vor Ort durchaus Chancen auf Erfolg gehabt hätte. Somit stand am Ende ein rechtskräftiger Freispruch für die beiden Kalteneggers.


TGI-Zentrale in Vaduz: Hier hat das Unternehmen der Kalteneggers seinen Sitz
© PrivatKunden tragen Risiko
Was aber, wenn die Partner ihre Versprechen nach Ablauf der drei Jahre nicht halten und kein Gold ausgeliefert werden kann? Wie das deutsche Handelsblatt berichtet, übernehmen die Anleger laut den AGB der TGI die volle Haftung für die sichere Verwahrung und Auslieferung ihres Golds. Sollten die Partner in Ghana, Sambia oder Guyana am Ende nicht liefern, könnten die Investoren – abgesehen von den bereits ausbezahlten Rabatten – leer ausgehen. Vor diesem Risiko bei der Durchsetzung möglicher Ansprüche warnt unter anderem die deutsche „Stiftung Warentest“, die die TGI auch auf ihrer „Warnliste Geldanlage“ führt.
Theoretisch soll das bei TGI gekaufte Gold bereits zum Kaufzeitpunkt physisch verfügbar und dem jeweiligen Kunden zugeordnet sein. Nur: Wo wird es aufbewahrt? Die TGI teilt dazu mit, sie habe „2.182 Kilogramm Gold bei einem Kooperationspartner hinterlegt“. Darüber seien die Kunden mit einem entsprechenden „Safe Keeping Receipt“ (SKR) informiert – einer Bestätigung der Lagerung der angegebenen Menge Gold an einem bestimmten Ort. Aber: „Über die Details und Standorte zu den Hochsicherheitsdepots […] dürfen laut geschlossenen Vereinbarungen keine Auskünfte erteilt werden.“ Unklar bleibt auch, ob diese Goldmenge im Ernstfall auch für die Deckung aller offenen Ansprüche ausreichen würde.
Wie tragfähig das Gold-Rabatt-Geschäftsmodell der Kalteneggers tatsächlich ist, könnte sich schon bald zeigen. Die – noch anfechtbare – Entscheidung der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht könnte eine Rückabwicklung des gesamten Deutschland-Geschäfts nach sich ziehen.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 17/2026 erschienen.
Über die Autoren

Sebastian Reinhart
Sebastian Reinhart ist Investigativ-Journalist. Er war unter anderem Referent für Untersuchungsausschüsse im österreichischen Nationalrat während der Aufarbeitung der Hypo-Affäre. Er war für die Recherche-Plattform Addendum tätig und schreibt für den Spiegel sowie derzeit für das Magazin News.

Jonas Heitzer
Jonas Heitzer hat Politikwissenschaft an den Universitäten Innsbruck und Wien studiert. Nach einem Praktikum bei der Tageszeitung Der Standard war er über das "360-Grad-Traineeship" der Wiener Zeitung bei News, Puls 24 und der Kleinen Zeitung tätig. Seit November ist er wieder zurück bei News.






