Bei der 71. Generalversammlung der Deutschen Handelskammer in Österreich warnte Präsident Hans Dieter Pötsch vor überhöhten Lohnsteigerungen und zunehmender Regulierung. Im Anschluss stand beim „Hessischen Abend“ der deutsch-österreichische Wirtschaftsdialog im Mittelpunkt.
Pötsch warnt vor anhaltender Wirtschaftsschwäche
Die wirtschaftlichen Herausforderungen für Deutschland und Österreich standen im Mittelpunkt der 71. Generalversammlung der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK), die am 29. Oktober 2026 im Palais Niederösterreich in Wien stattfand. DHK-Präsident Hans Dieter Pötsch verwies auf die zuletzt wieder verbesserten deutsch-österreichischen Handelsbeziehungen, warnte jedoch davor, die Entwicklung bereits als Aufschwung zu interpretieren.
Angesichts anhaltender Inflationsrisiken sprach sich Pötsch für zurückhaltende Lohnabschlüsse aus. „Moderate Lohnsteigerungen sind das Gebot der Stunde“, betonte er. Trotz nachvollziehbarer Forderungen nach einem Ausgleich der Kaufkraftverluste müssten die Sozialpartner die gesamtwirtschaftlichen Folgen berücksichtigen und den Unternehmen ausreichend Spielraum für Investitionen lassen.
„Deutschland und Österreich stehen vor vergleichbaren Herausforderungen“, nun gelte es Stärken gemeinsam zu nutzen, betonte DHK Präsident Hans Dieter Pötsch bei seiner Rede im Zuge der DHK Generalversammlung in Wien.
© Florian WieserKritik an Bürokratie und hohen Standortkosten
Neben hohen Energiepreisen und zunehmendem internationalen Wettbewerbsdruck kritisierte Pötsch die wachsende regulatorische Belastung der Unternehmen. Besonders beim angekündigten Bürokratieabbau sieht er Handlungsbedarf. „Der Abbau ist bislang in unseren Unternehmen kaum angekommen“, stellte der DHK-Präsident fest.
Gleichzeitig unterstrich er die wirtschaftlichen Stärken beider Länder. Leistungsfähige Industrieunternehmen, qualifizierte Fachkräfte sowie eine international anerkannte Forschungs- und Technologiekompetenz bildeten eine wichtige Grundlage für eine engere Zusammenarbeit.
Mitgliederehrungen und Hessischer Abend in Wien
Im Rahmen der Generalversammlung zeichnete die DHK mehrere Unternehmen und Institutionen für ihre langjährige Mitgliedschaft aus. Für 70 Jahre wurden RHI Magnesita sowie die Industrie- und Handelskammern Niederbayern und Frankfurt am Main geehrt. Die Messe Offenbach und die ÖSWAG Werft Linz wurden für 60 Jahre Mitgliedschaft gewürdigt. Auszeichnungen für 50 Jahre erhielten die Deutsche Zentrale für Tourismus, Gebrüder Weiss, GPK Pegger Kofler & Partner Rechtsanwälte und Xervon Austria.
Im Anschluss luden Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und DHK-Präsident Hans Dieter Pötsch zum traditionellen „Hessischen Abend“. Die Veranstaltung im Palais Niederösterreich bot den Mitgliedern und Gästen Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Vertiefung der deutsch-österreichischen Wirtschaftsbeziehungen.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein bei seiner Festrede beim Hessischen Abend in Wien
© Florian WieserMehr als 200 Gäste aus Wirtschaft und Politik
Mehr als 200 Gäste nutzten den Abend zum Austausch. Aus dem DHK-Präsidium kamen unter anderem Axel Kühner (ASK Management), Elisabeth Hintermann (Mühldorfer), Thomas Birtel und Joachim Schönbeck (Andritz). Unter den Gästen waren außerdem der deutsche Botschafter Vito Cecere, Willibald Ehrenhöfer (Zukunftsressort des Landes Steiermark), Jürgen Ratzinger (IHK Frankfurt am Main) und Peter Koren (Industriellenvereinigung).
Aus der Wirtschaft waren etwa Björn Hertzer (Deutsche Bank), Christoph Knogler (Keba Group), Philipp Wassenberg (ERGO Versicherung), Helmut Weinwurm (Robert Bosch), Wolfgang Schwarz (Carl Zeiss), Alexander Zach (Merz Pharma Austria), Mahmut Türker (Airbus Defence and Space), Christopher Neff (Merck), Alessandro Cacciola (Gebrüder Weiss) und Reinhard Suppan (ÖSWAG Werft Linz) vertreten. Moderiert wurde der Abend von der gebürtigen Hessin Beatrice Schmidt.

