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Die Zukunft ist weiblich und digital

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Christoph Jünger

©News / Matt Observe

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung prägen die Zukunft. UNICEF-Geschäftsführer Christoph Jünger spricht darüber, warum Digitalisierung und KI nur dann gerechter werden, wenn Mädchen und Frauen von Anfang an mitgedacht werden.

Ohne Diversität keine Zukunft

Die Zukunft ist weiblich und digital. Dieser Satz soll nicht provozieren, auch wenn manche Menschen es so auffassen werden. Er ist eine Feststellung und zugleich Einladung, genauer hinzusehen. Denn während Digitalisierung und Künstliche Intelligenz unsere Welt rasant verändern, entscheidet sich jetzt, ob diese Zukunft gerechter wird oder bestehende Ungleichheiten weiter vertieft.

Diversität ist dabei kein Randthema. Sie ist eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung und für Innovationen, die allen zugutekommen. UNICEF denkt Vielfalt in ihren unterschiedlichen Dimensionen: von sozialer und regionaler Herkunft über Behinderungen bis hin zu digitaler Teilhabe. Eine Dimension ist jedoch besonders entscheidend: die Gleichstellung von Mädchen und Frauen, gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.

Wenn Algorithmen Ungleichheit lernen

Technologische Systeme entstehen nicht im luftleeren Raum. Algorithmen lernen aus Daten und diese Daten spiegeln unsere Gesellschaft wider. Wenn Mädchen weltweit weniger Zugang zu Bildung, digitalen Kompetenzen, Gesundheitsinformationen und Entscheidungsräumen haben, dann werden sie auch in digitalen Zukunftsmodellen unterrepräsentiert oder falsch abgebildet. Eine digitale Zukunft ohne Gleichstellung ist keine gute, gerechte Zukunft. Wir kennen diese Problematik bereits aus der Medizin: Forschung und Behandlung waren und sind noch immer an weißen Männer ausgerichtet. Das war und ist problematisch und kostet Frauenleben.

Wie Oky Mädchen stärkt

Was es braucht, sind Lösungen, die weibliche Perspektiven von Anfang an mitdenken, praktisch, alltagsnah und global skalierbar. Ein Beispiel dafür ist die UNICEF-App Oky. Sie vermittelt Mädchen, besonders Mädchen mit Behinderung, altersgerecht Wissen über ihren Körper, Menstruation und Gesundheit und stärkt damit Selbstbestimmung, Selbstvertrauen und Teilhabe. In vielen Ländern ist Oky für Millionen Mädchen oft der erste sichere Zugang zu verlässlichen Informationen und das anonym, kostenlos und digital.

Oky ist mehr als ein technisches Tool. Nachhaltigkeit entsteht, wenn Verantwortung geteilt wird. Mädchen selbst, ihre Familien und Communities, lokale Organisationen, Schulen, Gesundheitsbehörden und Regierungen sind alle Teil des Ansatzes. Es ist ein offenes, lernendes Ökosystem, in das alle Sektoren der Gesellschaft eingebunden sind.

Bei Oky setzt UNICEF auf soziales Franchising durch eine kostenlose Übernahme und lokale Anpassung durch Partnerorganisationen. Klare gemeinsame Prinzipien und Qualitätsstandards stellen sicher, dass Oky weltweit sicher, inklusiv und konsequent mädchenzentriert ist, während lokale Bedürfnisse ernst genommen werden.

Warum KI weiblicher werden muss

Diversity zu feiern heißt: Perspektiven sichtbar zu machen und Strukturen so zu gestalten, dass niemand zurückbleibt. Es heißt auch, dass Führung und Verantwortung vielfältiger werden muss – in Unternehmen, in Institutionen und in globalen Entscheidungsprozessen. UNICEF Österreich bringt dabei engagierte Persönlichkeiten u. a. wie Gerda Binder (UNICEF International & Initiatorin der Oky-App) und Ali Mahlodji beim UNICEF Österreich Roundtable „Diversity und Frauen – bzw. Mädchenrechte im Zeitalter von KI und Digitalisierung“ Anfang Juni zusammen, um diese Themen zu diskutieren.

Die Zukunft ist digital und sie muss auch weiblich sein. Denn nur wenn Mädchen und Frauen gleichberechtigt Zugang zu Wissen, Technologie und Gestaltungsmacht haben, entsteht eine Zukunft, die innovativ, gerecht und wirklich nachhaltig ist.

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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 19/2026 erschienen.

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