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50 Jahre Apple: Vom Garagenstart zum Tech-Giganten

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Apple-CEO Tim Cook mit Alicia Keys bei den 50-Jahr-Feierlichkeiten in New York.

©Apple

Das erste gemeinsame Projekt der brachte die Gründerväter Steve Jobs und Steve Wozniak beinahe ins Gefängnis. Mit dem Macintosh wurde schließlich der Massenmarkt geknackt.

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Rund um den Globus besitzen schätzungsweise 2,8 Milliarden Menschen ein iPhone oder ein anderes Gerät von Apple. Das entspricht etwa 27 Prozent der Weltbevölkerung. Wäre Apple ein Land, so wäre die Einwohnerschaft größer als in Indien oder China. Und auch 50 Jahre nach der Gründung des US-Unternehmens am 1. April 1976 ist ein Ende des Erfolgs nicht absehbar. Der Konzern verkauft etwa 220 Millionen iPhones jedes Jahr und spült damit alle 90 Sekunden 1 Mio. Dollar in die Kasse.

Dabei waren es außergewöhnliche Umstände, die überhaupt dafür gesorgt haben, dass Apple geboren wurde. Die Gründerväter Steve Jobs und Steve Wozniak hätten sich vielleicht nie getroffen, wenn Bill Fernandez nicht Schicksal gespielt hätte. Fernandez war ein Schulfreund von Jobs – und zugleich Nachbar von Wozniak. Und als Jobs ihn eines Tages besuchte, dachte sich Fernandez, wie er jüngst erzählte: „Der eine interessiert sich für Elektronik, der andere interessiert sich für Elektronik, sie würden sich wahrscheinlich gern kennenlernen.“ Jobs war damals 15 und Wozniak fast fünf Jahre älter.

Von der „Blue Box“ zum ersten PC der Welt

Das erste gemeinsame Projekt brachte die beiden Steves fast hinter Gitter. Sie hatten „Blue Boxes“ gebaut, mit denen man das Telefonsystem der USA manipulieren konnte, um kostenlos Anrufe rund um die Welt zu starten. Für „Woz“, wie ihn die Freunde nannten, war das alles nur ein Hobby. Steve Jobs hingegen erkannte bereits damals das kommerzielle Potenzial. Doch nachdem sie beinahe von der Polizei erwischt worden waren, ließen sie das illegale Treiben sein.

Beide Steves träumten nun davon, einen eigenen Computer zu besitzen. Rechenanlagen waren damals so groß wie Kühlschränke und für normale Menschen unerreichbar. Der geniale Tüftler Wozniak ließ sich von den Hürden aber nicht abschrecken und baute sich mit den ersten verfügbaren Chips selbst einen Computer – den Apple I, den ersten PC der Welt. Jobs wusste sofort, dass man mit dem Apple I nicht nur die Freunde im Computerklub beeindrucken, sondern ein großes Geschäft machen kann.

Jobs erkannte Geschäftspotenzial

„Ich versuchte nie, ein Business oder eine Industrie zu starten“, sagte der heute 75-jährige Wozniak jüngst bei einer Jubiläumsfeier. „Ich wollte nur, dass andere Ingenieure sich meine Designs anschauen und sagen: 'Wow, der denkt anders.'“ Jobs hingegen habe das Geschäftspotenzial gesehen – auch weil er ständig blank gewesen sei, schmunzelte Wozniak. „Wir hatten kein Geld, wir hatten keine Ressourcen, wir hatten keine Geschäftserfahrung.“ Wozniak bot den Computerentwurf erst seinem damaligen Arbeitgeber Hewlett-Packard an – der passte.

Der Teddybär und der Businessman

Die Initialzündung war eine von Jobs besorgte Order des Computerladens „Byte Shop“ aus Mountain View: Besitzer Paul Terrell erklärte sich bereit, 50 Computer für jeweils 500 Dollar abzukaufen. „Ich erinnere mich an einen Teddybären namens Steve Wozniak und einen Geschäftsmann namens Steve Jobs“, sagt Terrell heute. Die schriftliche Zusage des Betrags von 25.000 Dollar erlaubte es den beiden Steves erst, auf Kredit die nötigen Bauteile zu besorgen. Gelötet wurde in der Garage von Jobs' Elternhaus.

Um das Business in ordentliche Bahnen zu lenken, wurde am 1. April 1976 die Firma Apple Computer Company ins Leben gerufen. „Die besondere Stärke von Apple lag sicherlich in der Kombination von Steve Wozniak und Steve Jobs, die sich nahezu perfekt ergänzten“, sagt Michael Mikolajczak, Kurator im Heinz Nixdorf MuseumsForum. „Wozniak war das technische Gehirn. Jobs hingegen der Ästhet und das Marketinggenie.“

Der vergessene dritte Gründer

Der Gründungsvertrag wurde nicht nur von den beiden Steves unterschrieben, sondern auch von Ron Wayne (damals 41), der die Rolle des Erwachsenen im Raum übernehmen sollte. Der heute fast in Vergessenheit geratene dritte Gründer bekam aber schon wenige Tage nach der Vertragsunterzeichnung kalte Füße und schreckte vor dem Haftungsrisiko zurück. Wayne stieg aus der Firma aus und bekam nach einigen Wochen kommentarlos von Steve Jobs einen Scheck über 800 Dollar zugeschickt. „Um ehrlich zu sein, dachte ich, es sei ein Trinkgeld. Und zwar ein ziemlich mickriges. Ich hatte nämlich ziemlich viel geleistet“, sagte Wayne auf einer Veranstaltung des Computer History Museums im Silicon Valley zum 50. Apple-Jubiläum. Seine Anteile wären heute viele Milliarden Dollar wert.

Nachdem der Apple I noch als Bausatz angeboten wurde, erkannten beide Steves recht schnell, dass nur ein kompletter „fertiger“ Computer zukunftsfähig war. Mit dem Apple II setzte „Woz“ diese Idee um: ein Rechner mit integrierter Tastatur, ansprechendem Design, den man direkt an den Fernseher anschließen konnte. „Wozniak hatte einen Computer geschaffen, der sich an den Endverbraucher richtete und nicht nur an Technikfreaks und Bastler“, sagt Computer-Historiker Mikolajczak.

Für die Produktion höherer Stückzahlen fehlte es allerdings an Startkapital. Das brachte dann Mike Markkula mit, der als Investor, Mentor und Stratege viele Jahre lang bei Apple eine wichtige Rolle spielen sollte. Das Engagement sollte sich lohnen. Apple verkaufte über die Jahre rund 6 Millionen Exemplare des Apple II und konnte im Dezember 1980 einen erfolgreichen Börsengang hinlegen.

1984: Apple Macintosh für den Massenmarkt

Das Start-up Apple tat sich danach allerdings schwer damit, den Anfangserfolg zu wiederholen. Erste Versuche, eine grafische Benutzeroberfläche für Rechner zu entwickeln, scheiterten kläglich. Im zweiten Anlauf mit dem Apple Macintosh 1984 gelang es zwar, die grafische Benutzeroberfläche für den Massenmarkt bereitzustellen. Die Hardware erwies sich allerdings zu Beginn noch als zu schwach, um die Software richtig flüssig laufen lassen zu können.

Die Absatzprobleme des Macintosh führten auch dazu, dass Steve Jobs Apple 1985 den Rücken kehrte. In einem dramatischen Showdown konnte er sich nicht mit seinen Vorstellungen gegen den damaligen Apple-CEO John Sculley durchsetzen. Jobs wollte den Preis von 2.500 Dollar für einen Mac dramatisch senken, auch zulasten des Apple II. Sculley wiederum war dagegen, die Cashcow Apple II vorzeitig zu schlachten.

Absatzprobleme nach Rückzug von Jobs

Nachdem Jobs Apple verlassen hatte, geriet das Unternehmen bald vom Kurs ab. Alles schien schlichtweg falsch zu laufen: die Produkte, die Vertriebswege, das Marketing und die Produktion. In den Lagern türmte sich unverkaufte Ware. Und wenn sich ein Produkt mal als Verkaufsknüller erwies, konnte Apple oft nicht liefern.

John Sculley, der ehemalige Pepsi-Manager an der Spitze von Apple, versuchte zuletzt mit dem Apple Newton die Kurve zu bekommen, aber auch hier waren die Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. Der „Persönliche Digitale Assistent“ (PDA) konnte die an ihn gestellten Anforderungen nicht erfüllen. Das Projekt war seiner Zeit weit voraus.

Am 19. Juni 1993 trat Sculley als CEO von Apple zurück. Sein Nachfolger auf dem Chefposten wurde der in Berlin geborene Michael Spindler. Doch „The Diesel“ schaffte ebenfalls die Wende nicht, auch weil die veraltete Macintosh-Software den Aufstieg von Windows 95 nicht aufhalten konnte. Im Weihnachtsquartal 1995 musste Spindler einen katastrophalen Verlust von 69 Millionen Dollar vermelden. Apple stand damals kurz vor der Pleite.

Vom Beinahe-Konkurs an die Weltspitze

Dass aus diesem hoffnungslosen Sanierungsfall das wertvollste Unternehmen der Welt wurde, ist der Rückkehr von Steve Jobs zu verdanken. Nachdem er von dem Sanierungsexperten Gil Amelio in die Firma zurückgeholt worden war, strich Jobs zunächst das viel zu komplizierte Produktangebot von Apple radikal zusammen. Gleichzeitig entdeckte er mit Jony Ive ein frustriertes Supertalent in der Designabteilung von Apple. Der britische Designer musste nicht mehr für den Papierkorb arbeiten, sondern durfte künftig fast ungebremst seine Vorstellungen in die Produktentwicklung einbringen und trug maßgeblich zum Erfolg von Apple bei.

Vom damaligen PC-Weltmarktführer Compaq warb Jobs den Logistikexperten Tim Cook ab, der bei Apple das operative Chaos in der Lieferkette im Bestandsmanagement beseitigen sollte. Dem Zahlenfetischist gelang es schnell, die Lagerreichweite von ehemals zwei Monaten auf bemerkenswerte zwei Tage zu reduzieren.

Gleichzeitig konnten Jobs, Ive und das neue Team mit innovativen Produkten punkten. 2001, kurz nach den Anschlägen des 11. September, stellte Jobs den iPod vor. Der MP3-Player sollte sich in den kommenden Jahren trotz der schwierigen Startbedingungen als erfolgreichstes Apple-Produkt etablieren.

Siegeslauf mit dem iPhone

Das erste iPhone von 2007 war revolutionär: Es vereinte ein Mobiltelefon, einen Breitbild-iPod und ein brauchbares Internetgerät in einem. Statt einer festen Plastiktastatur gab es ein großes Display mit Touch-Bedienung, einer flexiblen Software-Tastatur und der neuen Wischgeste „Slide to unlock“ zum Entsperren.

Im dritten Geschäftsquartal 2009 rückte das iPhone dann auch erstmals auf Position eins der umsatzstärksten Produktkategorien des Unternehmens. Apple ist seitdem der iPhone-Konzern. Welche Dimensionen der iPhone-Siegeszug annehmen sollte, hat Steve Jobs persönlich nicht mehr erlebt. Er starb am 5. Oktober 2011 im Alter von 56 Jahren in Palo Alto. Er erlag den Folgen einer langjährigen Krebserkrankung der Bauchspeicheldrüse.

Nach Tod von Steve Jobs übernahm Tim Cook

Nach dem Tod des charismatischen Firmenmitbegründers Jobs prophezeiten Skeptiker eine düstere Zukunft für Apple. Sein Nachfolger Tim Cook führte jedoch Apple zur historischen Marke von 4 Billionen Dollar Börsenwert. Unter seiner Ägide emanzipierte sich das Unternehmen durch die eigene Chip-Technologie (Apple Silicon) technologisch von Partnern wie Intel, schuf mit der Apple Watch und den AirPods neue Produktkategorien, in denen es dominiert, und baute das Service-Geschäft zur hochprofitablen zweiten Säule aus.

Während die Apple-Aktionärinnen und -Aktionäre durchweg zufrieden sind, warten die Fans jedoch auf das nächste große „One more thing“. Zwar versuchte Cook, mit der Vision Pro seinen eigenen, mutigen Akzent im Bereich des räumlichen Computing zu setzen. Der Erfolg der Datenbrille blieb bisher jedoch hinter den Erwartungen zurück.

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