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Thorium statt Uran: Kann ein österreichischer Mini-Reaktor Atomkraft sicherer machen?

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Emerald-Horizon-Beirat Carl Page und CEO Florian Wagner

©Emerald Horizon

Das Grazer Start-up Emerald Horizon setzt auf Thorium statt Uran und verspricht eine neue Form der Atomenergie ohne klassische Kettenreaktion. Unterstützt von prominenten Namen wie Norbert Hofer soll der Reaktor ab 2030 einsatzbereit sein – allerdings nicht in Österreich, wo das Atomsperrgesetz den Betrieb verhindert.

Seit sieben Jahren forscht und arbeitet das Grazer Unternehmen Emerald Horizon an einer neuen, sicheren und sauberen Art von Atomkraft. Mit dem schwach radioaktiven Metall Thorium statt Uran und ohne Kettenreaktion. Thorium kommt in der Natur dreimal so häufig wie Uran vor und fällt auch beim Abbau von seltenen Erden als Abfallprodukt an, es gilt in der Atombranche als Zukunftschance. In einem Flüssigsalzreaktor wird das Thorium mit Neutronen beschossen, dadurch entsteht kurzfristig Uran 233, dieses wird gespalten und erzeugt so Energie.

Kein Reaktor, sondern eine Maschine

Emerald Horizon wird nicht müde zu betonen, dass dieser neue Reaktor eigentlich gar kein Reaktor sei und daher stets nur Maschine genannt wird. Wie immer die Anlage auch bezeichnet wird, sie soll die Größe eines Containers haben und in einem Bunker sieben Meter unter der Erdoberfläche liegen. Noch häufiger als auf die Begrifflichkeiten wird auf die Sicherheit hingewiesen.

Das Unternehmen kann dabei auf prominente Unterstützung zählen. Ex-Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann fungiert als Vizepräsident, und seit Anfang Februar leitet Norbert Hofer, Ex-FPÖ-Chef, ehemaliger Verkehrsminister und früherer Dritter Nationalratspräsident, die strategische Kommunikation des Start-ups.

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Norbert Hofer

 © Helmut Fohringer, APA-Images

Kritik und Zweifel

Hofer: „Es gibt keine Möglichkeit, aus dieser Technologie Waffen herzustellen. Und man kann die Maschine wie einen Lichtschalter ein- und ausknipsen.“ Kritik oder Bedenken lässt man in Graz nicht gelten. Egal, ob Expertinnen und Experten an einer baldigen kommerziellen Nutzung zweifeln oder auf die Gefahr von hohem Materialverschleiß wegen des hochkorrosiven Flüssigsalzes hinweisen.

„Wir haben die Frage der Korrosion gelöst“, heißt es, und Norbert Hofer betont: „2029 bis 2030 werden wir den Betrieb starten.“ Nach heutigem Stand jedoch nicht in Österreich. Denn die Thorium-Kleinkraftwerke fallen unter das heimische Atomsperrgesetz. Emerald Horizon konzentriert sich daher auf andere Märkte. „Wir liefern in die ganze Welt, es gibt bereits Vorbestellungen aus Australien“, so Hofer.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 15/2026 erschienen.

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