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Die "Musikinstrumente" der Grillen sind ihre Flügel: Dort reiben sie eine kleine Leiste von Zähnchen auf der einen mit einer harten Kante auf der anderen Seite aneinander - "wie bei einem Waschbrett", wird Studienerstautor Thorin Jonsson in einer Aussendung der Universität Graz zitiert. Die untersuchte Grillenart hat laut der Studie im Laufe der Evolution ein einzigartiges Merkmal gebildet: eine verdickte Ader auf dem Flügel, die die Schwingungseigenschaften beeinflusst.
Dabei sei laut Jonsson bemerkenswert, dass die Insekten zwar in der für Grillen herkömmlichen Frequenz von fünf Kilohertz (kHz) "singen", der veränderte Klangkörper jedoch einen harmonischen Sprung auf bis zu 20 kHz - und damit in den Ultraschallbereich - verursacht. Solche Sprünge von Grund- auf Oberton bezeichne man, im Gegensatz zu graduellen Verschiebungen, als "harmonic hopping" (dt.: "Harmonisches Hüpfen"). Man könne dies mit einer Gitarre vergleichen, wo man durch Andrücken der Saite an bestimmten Punkten von einer Note eine Oktave höher springen kann, erklärte Jonsson gegenüber der APA. Denn auch in der Musik entspricht die doppelte Frequenz des Grundtons dem ersten Oberton oder der sogenannten "zweiten Harmonischen".
"Bei unseren Grillen in der aktuellen Studie fanden wir nun (für Grillen atypische) Kommunikationslaute im Bereich von 16-20 kHz, konnten aber zeigen, dass diese Frequenzen ursprünglich von einem Grundton bei vier bis fünf kHz stammen, also die vierte Harmonische darstellen", so Jonsson weiter. "Wieder auf die Musik bezogen, könnte man sagen, dass unsere untersuchten Grillen praktisch zwei Oktaven höher singen, als ihre Vorfahren oder beispielsweise ihre europäischen Verwandten." Nur, dass der harmonische Sprung bei ihnen nicht durch das Drücken auf eine Saite, sondern eben die verdickte Ader ausgelöst werde.
Die höheren Töne könnten Schutz vor Fressfeinden wie etwa Vögeln bieten, die ihre Beute akustisch lokalisieren. Möglich sei auch ein Ausweichen auf weniger benutzte "Frequenzkanäle", wenn andere Insekten oder Vögel um fünf kHz schon viele Geräusche machen - das Besetzen einer "akustischen Nische" würde es einfacher machen, Artgenossen zu finden. Aber: "Leider kennen wir die natürliche Umgebung und das Verhalten unserer Grillen nicht gut genug, um in diesem Bereich mehr als Spekulationen anstellen zu können", sagte Jonsson.
(S E R V I C E - https://doi.org/10.1242/jeb.251734 )
++ HANDOUT ++ Wenn sich im nächtlichen Regenwald von Panama kleine Grillen im Flug plötzlich aus der Luft fallen lassen, hat das einen triftigen Grund. Laut den jüngsten Erkenntnissen von Forschern aus Graz und Bristol können sie im Wirrwarr der vielstimmigen Geräuschkulisse genau erkennen, wenn ein Angriff einer Fledermaus bevorsteht und entziehen sich so ihrem Fressfeind.




