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Für ihre Publikation im Fachmagazin "Languages" haben Philipp Stöckle vom Austrian Centre for Digital Humanities der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Markus Pluschkovits von der Universität Wien 45 lexikalische Konzepte (Lexeme) - darunter etwa Alltagsgegenstände wie Haube oder Gießkanne, Körperteile wie das Augenlid, oder Bezeichnungen für Tiere oder Pflanzen - vorgelegt. Diese sollten die über 1.900 Teilnehmenden an der Online-Befragung benennen - in ihrer Mundart und "in Ihrem besten Hochdeutsch". Zusätzlich wurde noch nach anderen verwendeten Bezeichnungen gefragt.
Wie vielfältig die Antworten waren, war zum allergrößten Teil vom Konzept selbst abhängig. Das überwog den Effekt des Alters der Befragten, ob die Personen in ihrem Alltag eher in ihrer Mundart oder in der Standardsprache unterwegs sind oder auch den Einfluss der Region, in der sie leben, bei weitem, schreiben die beiden Studienautoren in ihrer Arbeit.
"Für die Himbeere beispielsweise findet sich in der Gegenwartssprache eigentlich nur noch ein Begriff, eben Himbeere. Mehr Diversität finden wir bei Bezeichnungen für eine Kopfbedeckung aus Wolle, diese wird dann beispielsweise als Haube, Mütze, Pudelhaube oder Kappe bezeichnet", wird Pluschkovits in einer ÖAW-Aussendung zitiert. Viele verschiedene Bezeichnungen nutzen die Befragten etwa in Bezug auf die hochdeutsche Hagebutte. Hier kursieren demnach auch die Ausdrücke "Hetschepetsch", "Hetscherl", "Hetschibeere", "Hetschn", "Butterl" oder "Aschkitzel". Bei der Stachelbeere war die Variabilität schon deutlich eingeschränkter: So verwendeten noch einige den Begriff "Ogrosl", von "Mauchalan" oder gar dem etwas ungustiösen "Eiterpatzn" war nur noch höchst vereinzelt die Rede. Statt "Rauchen" wird in der Mundart am ehesten noch "Tschicken" oder seltener "Pofeln" verwendet. "Heizen" und "(Durch)ziehen" wurden kaum genannt.
Tendenziell lasse sich bei älteren Befragten quasi im Dialekt-Modus etwas mehr Variation nachweisen als bei jüngeren Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern. Einen signifikanten Verlust von Sprachvielfalt könne man daraus aber keineswegs ableiten. Trotzdem ließen sich die Ergebnisse dahingehend interpretieren, dass es insgesamt zu einem bei weitem nicht abgeschlossenen, eher moderaten Sprachwandel in Richtung zunehmender Einheitlichkeit komme. Bei Jüngeren sehe man Anzeichen für ein Aufweichen der Trennung zwischen Mundart und Standarddeutsch.
Auf Basis der vorliegenden Untersuchung konnten die Wissenschafter kleinräumige Dialektgrenzen nicht nachvollziehen, heißt es. Man sehe aber großräumig Unterschiede beim Wortgebrauch zwischen dem von bairischen Mundarten geprägten Osten und dem alemannisch geprägten äußersten Westen des Landes. Aus all den Beobachtungen lasse sich "nicht ableiten, dass die sprachliche Vielfalt in Österreich generell stark zurückgeht. Die beobachteten Effekte sind vergleichsweise klein", wird Stöckle zitiert.
Warum bei manchen Begriffen die Anzahl der mehr oder weniger geläufigen Bezeichnungen zurückgeht und bei anderen nicht, lasse sich nur schwer erklären, so die Autoren. Denkbar sei, dass sich die Ausdrucksvielfalt verringert, wenn die Bedeutung von Begriffen im Alltag zurückgeht. So etwa beim Maulwurf, der in der landwirtschaftlich geprägten Realität früherer Jahrhunderte eine größere Rolle spielte als heute. Diese Herleitung funktioniere hingegen beim Augenlid schon wieder nicht: "Obwohl dieses Körperteil sicher keine lebensweltliche Relevanz eingebüßt hat, sprechen wir eigentlich nur noch vom Augenlid oder Lid, aber nicht mehr von Augenluckl, Augendeckel oder Augenhebel, wie das noch in früheren Erhebungen der Fall war", so Pluschkovits.
Für die Erforschung des Phänomens Sprachvielfalt ergibt sich jedenfalls, dass man sehr gut darauf achten müsse, mit welchen Begriffen Forschende Studienteilnehmer eigentlich konfrontieren. Denn je nach Anschauungsmaterial könnten eben sehr unterschiedliche Ergebnisse herauskommen: "Damit zeigt die Studie auch, wie schwierig es ist, von 'der' sprachlichen Vielfalt in Österreich zu sprechen. Je nachdem, welche Wörter man untersucht, kann das Bild sehr unterschiedlich ausfallen", so Stöckle.
(S E R V I C E - Die Publikation online: https://doi.org/10.3390/languages11080165 , Informationen zu LexAT21: https://go.apa.at/iM7vtLv8 )
