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Vorsorge - Pilotprojekte für Darmkrebs-Screening in den Startlöchern

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Vorsorge- und Früherkennung bei mehreren Krebsarten bereits kostenlos
In Wien und der Steiermark starten im Sommer Pilotprojekte für ein populationsbezogenes Darmkrebs-Screening, berichtete die ÖGK auf APA-Nachfrage. Darmkrebs zählt in Österreich zu den drei häufigsten Krebsarten, es gibt aber kein flächendeckend organisiertes Vorsorgeprogramm. Darmspiegelung und Stuhltest können jedoch ab 45 Jahren gratis in Anspruch genommen werden, ähnlich ist es bei der Prostatakrebsfrüherkennung. Ein nationales Programm gibt es zur Brustkrebsfrüherkennung.

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"Wir haben uns seit Jahren - in Anlehnung an das Mammografie-Screening - ein österreichweites Modell des Darmkrebs-Screenings gewünscht und dies auch gefordert. Leider schien das aus monetären Gründen flächendeckend nicht möglich gewesen zu sein", erläuterte Doris Kiefhaber, Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe, gegenüber der APA. "Wir sind zwar allen Bundesländern dankbar, die jetzt einmal starten, empfinden es aber gegenüber der Bevölkerung in den restlichen Bundesländern als nicht fair und nachvollziehbar, dass sie derzeit nicht den Vorteil eines organisierten Screenings haben."

"Darmkrebs ist eine der wenigen Krebserkrankungen, die man vorsorgen kann", betonte Kiefhaber. Es sei wichtig, darauf hinzuweisen, dass der FIT-Stuhltest (Fäkaler Immunologischer Test) eine Möglichkeit zur Früherkennung und die Darmspiegelung (Koloskopie) eine Vorsorge darstellt. "Denn werden im Rahmen der Untersuchung Polypen entdeckt, können sie abgetragen werden und die Erkrankung so weitgehend vermieden werden", erläuterte Kiefhaber zur Koloskopie, bei der Krebsvorstufen entfernt werden können.

Jährlich erhalten in Österreich rund 5.000 Menschen die Diagnose Darmkrebs. Um die Erkrankung zu vermeiden, kann österreichweit bereits ohne spezielle Einladung kostenlos ab dem 45. Geburtstag alle zehn Jahre eine Koloskopie durchgeführt werden. Alle ein bis zwei Jahre ist im Rahmen der allgemeinen Vorsorgeuntersuchung der FIT-Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl möglich. Im Burgenland erhält die Bevölkerung zwischen 40 und 80 Jahren bereits seit dem Jahr 2006 automatisch einen Stuhltest per Post und je nach dessen Befund eine Überweisung zur Koloskopie.

Die Pilotprojekte in Wien und der Steiermark "dienen neben der Etablierung des Screenings in diesen Bundesländern insbesondere auch dem Erkenntnisgewinn und der Vorbereitung eines bundesweiten Screenings", betonte die Österreichische Gesundheitskasse ÖGK auf APA-Anfrage. "Die ÖGK hat das Ziel, ein bundesweites Darmkrebs-Screening zu etablieren und verfolgt hierbei einen Stufenplan." Die Programme sollen "Wissen für ein bundesweites Darmkrebs-Screening generieren und so zum erfolgreichen Roll-out beitragen." Details zum genauen Ablauf der Pilotprojekte werden noch bekanntgegeben. Die Sozialversicherung beteiligt sich laut ÖGK zu 50 Prozent an den entstehenden Kosten des Screening-Programms in Wien.

Ein nationales, qualitätsgesichertes Früherkennungsprogramm samt Einladungsschreiben gibt es für Brustkrebs indes bereits seit 2014. Frauen ab 40 Jahren können alle zwei Jahre kostenlos eine Früherkennungsmammografie in Anspruch nehmen, von 45 bis 74 Jahren ist keine Einladung oder Zuweisung zur Untersuchung notwendig. Ab dem 18. Geburtstag können Frauen zudem einmal jährlich im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung kostenlos einen Krebsabstrich (PAP) zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs durchführen lassen. Die HPV-Impfung zur Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs und weiteren Krebsarten auch beim Mann ist für Buben und Mädchen ab dem neunten Geburtstag empfohlen und kostenlos.

Männer ab 45 Jahren können regelmäßig kostenlos eine Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchung durchführen lassen, wenn Brüder oder der Vater an einem Prostatakarzinom erkrankt waren, dann ab dem 40. Geburtstag, rät die Krebshilfe. Möglich ist ein PSA-Bluttest (Prostata-spezifisches Antigen), auf eine Tastuntersuchung kann mittlerweile verzichtet werden. Heimische Fachärzte forderten bereits ein organisiertes Screening-Programm zur Früherkennung von Prostatakrebs.

Für Hautkrebs gibt es kein einheitliches Früherkennungsprogramm. Die Kosten für den Muttermal-Check bei der Dermatologin oder dem Dermatologen werden nicht in jedem Bundesland generell für alle "hautgesunden Personen" einmal jährlich übernommen. Die Krebshilfe empfiehlt, die Haut in einem Selbst-Check zwei Mal jährlich - vor und nach den Sommermonaten - zu untersuchen. Wenn sich Muttermale verändern, neu auftreten und rasch wachsen, sollte keine Zeit versäumt und sofort der Hautarzt aufgesucht werden.

"Durch rechtzeitige und regelmäßige Früherkennungsmaßnahmen kann Krebs in einem frühen Stadium entdeckt werden", so Kiefhaber. "Für einige Krebsarten gibt es eine klare wissenschaftliche Evidenz dafür, dass die Früherkennung eine wichtige Rolle für Therapie und Prognose spielt. Deshalb weisen wir seit Jahren auf jene Früherkennungsempfehlungen hin, für die eine eindeutige Evidenz vorliegt."

"Darüber hinaus spielt auch die Primärprävention eine wichtige Rolle - also ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, der Vermeidung von Übergewicht und dem Verzicht auf das Rauchen. Leider fehlen dazu bisher gesamtösterreichische Präventionskonzepte. Aus unserer Sicht bilden beide Bereiche gemeinsam - Lifestyle-Vorsorge und Früherkennungsmaßnahmen - ein notwendiges Gesamtpaket, um einerseits das persönliche Erkrankungsrisiko zu senken und andererseits mehr Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Das reduziert menschliches Leid, rettet Leben und senkt langfristig die Therapiekosten", betonte die Krebshilfe-Geschäftsführerin.

"Vorsorge- und Screeningprogramme wie das Brustkrebs-Früherkennungsprogramm sind zentral, um gesundheitsförderliches Verhalten zu stärken und Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Das verbessert die Lebensqualität und entlastet zugleich nachhaltig das Gesundheitssystem", betonte auch die ÖGK in ihrer Stellungnahme.

Nächster Schritt könnte ein Früherkennungsprogramm für Lungenkrebs sein, wie von einigen Fachärzten bereits gefordert. "Die wissenschaftliche Evidenz für eine Empfehlung zu einem Low-Dose-CT für Risiko-Patientinnen und -patienten wie starke Raucherinnen und Raucher verdichtet sich zunehmend und aus unserer Sicht wäre ein solches maßgeschneidertes Screening-Angebot eine wichtige Maßnahme", sagte Kiefhaber.

"Weitere Screeningprogramme brauchen insbesondere zwei Voraussetzungen: Sie müssen klaren evidenzbasierten Empfehlungen folgen und es braucht eine gemeinsame strukturierte Umsetzung durch die Systempartner Bund, Länder und Sozialversicherung", hieß es dazu aus der ÖGK. "Screenings sind nur dann medizinisch wirksam, wenn es nicht bloß als zusätzliche Untersuchung angeboten wird, sondern als organisiertes Programm mit klarer Zielgruppe, Einladungssystem, Dokumentation und Qualitätssicherung." Die ÖGK unterstütze jedenfalls den Ausbau sinnvoller Vorsorgeprogramme.

( S E R V I C E - Empfehlungen zur Früherkennung der Krebshilfe Österreich: https://go.apa.at/NWlDMDZ3 )

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