ABO

Neues Zentrum für sexuelle Gesundheit in Wien

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Ambulanz 61 Stunden pro Woche geöffnet
Vor fast 30 Jahren wurde am Wiener Mariahilfer Gürtel das Aids Hilfe Haus eröffnet, ein Meilenstein im Kampf gegen HIV. Am Montag feierte das Haus erneut die Eröffnung eines "Leuchtturmprojekts". Das "magnus*"-Ambulatorium für sexuelle Gesundheit öffnet nun offiziell seine Pforten. Die niederschwellige Walk-In-Ambulanz bietet für Patientinnen und Patienten Diagnostik, Therapie, Prävention und psychologische Unterstützung bei sexuell übertragbaren Infektionen (STI).

von

STI nehmen weltweit zu, auch in Europa, wie erst im Mai die EU-Gesundheitsbehörde ECDC bekannt gab. Demnach erreichten die gemeldeten Fälle von Gonorrhö und Syphilis im Jahr 2024 den höchsten Wert seit mehr als einem Jahrzehnt. Chlamydien blieben der Behörde zufolge in jenem Jahr mit 213.443 Fällen die am häufigsten gemeldete, sexuell übertragbare Infektion.

Das zeigte, wie groß der Bedarf an niederschwelligen Angeboten ist, sagte die Vorsitzende der Aids Hilfe Wien, Mirijam Hall, bei der Präsentation des neuen Zentrums vor Medien. "magnus*" soll in Zukunft als zentrale Anlaufstelle gelten und der "fragmentierten Versorgungslandschaft in Wien" entgegentreten. Das Ambulatorium, das nach dem Pionier der sexuellen Gesundheit, Magnus Hirschfeld, benannt wurde, wird in Zukunft 61 Stunden pro Woche geöffnet sein. "Wir erwarten pro Jahr mehr als 30.000 Patientinnen und Patienten", so Hall.

Das neue Zentrum wird von der Aids Hilfe Wien in enger Kooperation mit der Stadt Wien und den Wiener Krankenversicherungsträgern ÖGK, SVS und BVAEB getragen. Die ärztliche Leitung übernehmen Alexander Zoufaly und Matthias Skocic. Zudem wird ein statistisches Kompetenzzentrum für das Thema eingerichtet werden. "So werden wir erstmals in Österreich wirklich verlässliche Daten von STI liefern können", sagte Hall.

Das Thema sei "mit viel Scham und Unwissenheit" behaftet, so Agnes Streissler-Führer, Vorsitzende des Landesstellenausschusses der ÖGK in Wien. "Viele Menschen wissen gar nicht, wann sie zu einer Beratung gehen sollten. Sie wissen nicht, ob ein Symptom ernst ist oder nicht und denken sich, 'das wird schon wieder'." Die Zahlen würden eine andere Sprache sprechen, die Infektionen nehmen zu. "Die WHO spricht von einer Millionen Neuinfektionen täglich weltweit", betonte Streissler-Führer.

"Das Zentrum für sexuelle Gesundheit stellt für Österreich ein einmaliges Kompetenzzentrum dar und wird einen echten Fortschritt in der ganzheitlichen Gesundheitsversorgung der Wienerinnen und Wiener bringen", so Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ), der bei der Führung durch das Haus dazu stieß. Jing Hu, Gesundheitssprecherin der NEOS, betonte, dass mit der Ambulanz nicht nur die Versorgung von für HIV und STI-vulnerablen Menschen und der Gesamtbevölkerung verbessert werde. Es werden auch Spitäler und der niedergelassene Bereich entlastet.

(S E R V I C E - Informationen und Termine unter https://www.magnus.wien/, Dokumentation über die Geschichte der Aids Hilfe Wien https://go.apa.at/qbHkc78g)

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER