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Langzeitbehandlung verhindert Rückfälle bei Lungenkrebs

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Pro Jahr erkranken in Österreich mehr als 5.000 Menschen an Lungenkrebs
©APA, dpa, Felix Hörhager
Eine zielgerichtete medikamentöse Behandlung von Patienten im Frühstadium einer spezifischen Lungenkrebserkrankung verringert stark die Gefahr von Rückfällen. Das hat eine internationale Studiengruppe unter federführender Beteiligung von Wiener Pneumo-Onkologen jetzt für das sogenannte RET-Fusion-positive nicht-kleinzellige Lungenkarzinom belegt.

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Die Studie von Yi-Long Wu (Guangdong Lung Cancer Institute) und einem internationalen Forscherteam mit dem Wiener Lungenkrebsspezialisten Maximilian Hochmair (Wiener Klinik Floridsdorf) als Zweitautor wurde anlässlich des Jahreskongresses der amerikanischen Onkologengesellschaft (ASCO) in Chicago präsentiert und im "New England Journal of Medicine" publiziert (DOI: 10.1056/NEJMoa2602628). "Etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) weisen zum Zeitpunkt der Diagnose ein frühes Stadium (Stadium IB, II oder IIIA) auf", schrieben die Autoren.

Derzeit wird in solchen Fällen der Tumor chirurgisch entfernt, vor dem Eingriff oder danach gibt es eine kombinierte medikamentöse Behandlung mit Chemo- und Immuntherapeutika. Das Problem, so die Wissenschafter: "Trotz dieser Interventionen erleiden leider bis zu zwei Drittel der Patienten einen Rückfall und versterben möglicherweise an den Folgen der Metastasen."

Das trifft auch auf eine Untergruppe der Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom, dem sogenannten RET-Fusion-positiven Lungenkrebs zu. Hier sind Genmutationen der treibende Faktor der Erkrankung. Weltweit sind davon ein bis zwei Prozent der Erkrankten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom betroffen. Jährlich erkranken weltweit rund zwei Millionen Menschen an Lungenkrebs, es gibt 1,82 Millionen Todesfälle. Durch Genmutationen hervorgerufene Lungenkrebserkrankungen können seit einigen Jahren durch jeweils spezifisch wirkende Medikamente besser und mit weniger belastenden Nebenwirkungen verbundene "zielgerichtete Therapien" behandelt werden.

Für das RET-Fusion-positive Lungenkarzinom gab es als "zielgerichtete Therapie" schon bisher den Wirkstoff Selpercatinib. Das Arzneimittel wurde bisher aber vor allem im fortgeschrittenen Stadium verwendet. In der nun veröffentlichten Studie erfolgte das erstmals bei einer relativ großen Zahl von Patienten in den Frühstadien der Erkrankung als längerfristige Behandlung nach dem chirurgischen Eingriff etc. und maximal drei Jahre lang, um Rückfälle und weitere Komplikationen zu verhindern.

Per Zufall bekamen 75 Patienten die zweimal täglich die "zielgerichtete Therapie" in Tablettenform oder ein Placebo (76 Patienten). Die große internationale Beteiligung an der Studie ermöglichte trotz der relativ seltenen Form der Erkrankung eine ausreichend große Zahl an Probanden mit statistischer Aussagekraft der Ergebnisse. Für die Teilnahme mussten Tausende Patienten auf RET-Fusion-positive Erkrankungen untersucht werden. Die mittlere Beobachtungszeit betrug etwa ein halbes Jahr.

Die Resultate sprechen für die frühe Anwendung der zur Operation etc. zusätzlichen längerfristigen Anwendung des Arzneimittels bei RET-Fusion-positivem Lungenkarzinom im Frühstadium. "Bei 109 Patienten mit Erkrankung im Stadium II oder IIIA lag die Überlebensrate ohne weitere krankheitsbedingte Ereignisse nach zwei Jahren laut den Prüfärzten bei 92 Prozent. In der Placebo-Gruppe betrug sie 61 Prozent", schrieben die Wissenschafter. Nahm man auch noch die Patienten im Stadium IB hinzu, betrug der Anteil der Probanden ohne Rückfall, Fortschreiten der Erkrankung oder Ableben 94 Prozent unter der wirksamen Behandlung. In der Placebo-Gruppe war das bei 70 Prozent der Fall.

Ähnliche Entwicklungen könnte es auch bei anderen Formen des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms geben. Je nach Weltregion und genetischem Hintergrund haben zum Beispiel 20 bis 40 Prozent der Patienten Mutationen im sogenannten EGFR-Gen, was ebenfalls im fortgeschrittenen Stadium seit Jahren per "zielgerichteter Therapie" mit ganz speziellen Arzneimitteln behandelt werden kann. ALK-Mutationen weisen vier bis fünf Prozent der nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome auf.

In Österreich wird bereits jeder Patient mit einer Lungenkrebs-Diagnose auf solche Genveränderungen und damit auf die Eignung für solche Therapien untersucht. Pro Jahr erkranken in Österreich mehr als 5.000 Menschen an Lungenkrebs, was die häufigste krebsbedingte Todesursache ist (4.000 Todesopfer pro Jahr). Die wichtigste langfristige Gegenmaßnahme wäre das Vermeiden des Rauchens. Darüber hinaus fordern die österreichischen Lungenkrebsspezialisten seit langem - bisher erfolglos - die Organisation eines Früherkennungsprogramms mit einmal jährlicher sogenannter Niedrig-Dosis-Computertomografie für langjährige Raucher.

MÜNCHEN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/Felix Hörhager

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