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UNO-Artenschutzkonferenz: Gen-Daten von Pflanzen und Tieren im Fokus

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Digitale Sequenzinformationen im Fokus der Artenschutzkonferenz
©Afp, Stringer, APA
Digitale Sequenzinformationen (DSI) stehen im Fokus der diesjährigen Verhandlungen der UNO-Artenschutzkonferenz in Armeniens Hauptstadt Jerewan. Der sperrige Begriff steht für digitale Gendaten von Pflanzen, Tieren oder Mikroben, die in Datenbanken gespeichert sind. Konzerne etwa aus der Pharmabranche profitieren davon und verdienen Milliarden damit - die Umwelt hat davon aber kaum etwas. Das soll sich im Rahmen der Verhandlungen ändern.

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Zur Weiterverarbeitung der Digitalen Sequenzinformationen wird beispielsweise die DNA, also der Träger der Erbinformation eines Lebewesens (egal ob Pflanze, Tier oder Pilz) oder Virus, sequenziert und als Abfolge von Buchstaben dargestellt. Diese Darstellung wird schließlich in digitaler Form gespeichert. Der Großteil der DSI wird in weltweit drei frei zugänglichen großen Online-Datenbanken gesammelt.

Einerseits ermöglichen diese online gesammelten Informationen wichtige Forschung. Statt um die Welt zu fliegen, um eine Pflanze im Regenwald mit ihren genetischen Ressourcen und deren besonderen Eigenschaften aufzusuchen, zu erforschen und dann zu nutzen, reicht in vielen Fällen der Zugang zu einer Datenbank. Als praktisches Beispiel der jüngeren Vergangenheit gelten Coronatests und Impfstoffe, die in der Pandemie nur deshalb so schnell entwickelt werden konnten, weil Forschende auf die entsprechenden Informationen zugreifen konnten.

Unternehmen im Pharma- oder Chemiebereich verdienen damit auch viel Geld. Eines der Ziele des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) ist deshalb die ausgewogene und gerechte Aufteilung der Vorteile, die sich aus der Nutzung genetischer Ressourcen ergeben. Einerseits soll ein kleiner Teil der Gewinne an die Herkunftsländer gehen, andererseits sollen Forschungsergebnisse weiter geteilt werden.

Vor zwei Jahren bei der vergangenen Artenschutzkonferenz in Kolumbien beschlossen, wurde schließlich 2025 operativ der Cali-Fonds ins Leben gerufen. Die auf Freiwilligkeit bestehende Initiative gilt aktuell als massiver Misserfolg. Unternehmen, die von DSI profitieren, sollten einen Teil ihrer Gewinne - circa ein Prozent des Gewinns oder 0,1 Prozent des Umsatzes - freiwillig einzahlen. Die Mittel sollten für weltweiten Naturschutz und indigene Gemeinschaften verwendet werden.

Als Ziel wurde pro Jahr eine Milliarde Dollar ausgerufen - aktuell sind nicht einmal 10.000 Dollar weltweit eingezahlt worden. Beiträge aus Österreich gab es nach bisherigen Recherchen der APA nicht.

Österreichs Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) verhandelt auf Bitten der irischen EU-Ratspräsidentschaft gemeinsam mit Finnland und Belgien zu dem Thema. "Wenn der Fonds in die Gänge käme, wäre das schon ein großer Gewinn, da könnte ein ordentliches Volumen zusammenkommen. Es sollen nicht alle Verhandlungen dazu auf die nächste COP verschoben werden", so Totschnig bei einem Hintergrundgespräch in Jerewan.

Zu klären ist, wie der private Sektor mobilisiert werden könnte, Beträge einzuzahlen und welche Anreize es für Unternehmen geben könnte. Die EU spricht sich gegen verpflichtende Zahlungen ebenso wie gegen verbindliche Mindestbeträge aus. Denkbar seien aber Zertifikate, die einerseits Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit bringen würden, aber auch rechtliche Implikationen hätten. In manchen Ländern, wie Brasilien und Indien, gibt es bereits nationale DSI-Gesetze und Einzahlungsverpflichtungen - diese könnten durch internationale Beiträge ausgehoben werden, um die Thematik global zu behandeln.

Die Nutzer sollten zudem Rechtssicherheit erhalten und die konkrete Ausgestaltung der Zertifikate muss von den Mitgliedsländern verhandelt werden. Aktuell viel diskutierter Punkt ist der Steuerungsmechanismus: Die genaue Regelung, welche Mitglieder das Komitee leiten und welche Befugnisse diese haben, ist noch nicht geklärt. Offen blieb bisher etwa, wer Auszahlungen beglaubigen darf. Auch die Methodik zur Verteilung der Gelder steht noch auf der Tagesordnung.

Besonders Ägypten, das sich in diesem Punkt zum Teil als Sprecher afrikanischer Staaten versteht, stellt das bestehende System der Datenbanken generell in Diskussion. Bisher speisen sich die drei großen weltweiten Register aus Daten nationaler Forschungen. Das Land auf der Sinai-Halbinsel schlägt nun bei der Artenschutzkonferenz die Schaffung einer neuen Datenbank vor. Die EU stellt sich gegen diesen Vorschlag. "Das ist zu teuer und schafft nur zusätzliche Strukturen", so Totschnig.

Im Zuge der Verhandlungen komme es aber laut Beobachtern oftmals von einzelnen Staaten zu überbordenden Vorschlägen oder vielen Vetos, um den Druck im Finale von Konferenzen zu erhöhen und am Ende das Beste für sich selbst und seine Region herauszuholen.

Vertreter von NGOs und der Zivilgesellschaft setzen sich in Armenien besonders für die Einbeziehung der indigenen Bevölkerung bei der Auszahlung von Geldern aus dem Cali-Fonds ein. Niemand könne die Natur besser schützen, als jene Menschen, die seit Jahrhunderten im Einklang mit ihr leben.

"Der Erfolg des Cali-Fonds sollte nicht allein daran gemessen werden, wie viel Geld ein- oder ausbezahlt wird, sondern daran, ob er den Menschen, die die biologische Vielfalt erhalten, einen echten, fairen und messbaren Nutzen bringt", sagte Daudi Manongi von der Allianz für Ernährungssouveränität Afrika aus Tansania. "Indigene Völker sind nicht nur Interessengruppen in der DSI-Debatte, sondern auch Rechteinhaber", meinte Katie Lee Riddle von einer neuseeländischen NGO, die sich für die Rechte indigener Menschen einsetzt.

"DSI dürfen nicht zu einem weiteren Kanal für die Entnahme, Digitalisierung und Kommerzialisierung genetischer Ressourcen aus dem Globalen Süden werden - ohne Rechenschaftspflicht, Zustimmung oder einen gerechten Vorteilsausgleich", so Theiva Lingam von "Friends of the Earth" in Malaysia.

YEREVAN - ARMENIEN: FOTO: APA/APA/AFP/STRINGER

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