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Text auf verkohlter Schriftrolle aus Herculaneum entziffert

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Fragment einer verkohlten Schriftrolle aus dem Herculaneum
Forscher haben mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) und erweiterter Bildgebung erstmals eine verschlossene Schriftrolle aus Herculaneum vollständig entziffert. Diese war vor fast 2.000 Jahren beim Ausbruch des Vesuvs verkohlt. Dieser Durchbruch ist ein wichtiger Schritt zur Entzifferung Hunderter antiker Manuskripte aus der römischen Stadt, die 79 n. Chr. zusammen mit Pompeji bei der Katastrophe zerstört wurden, teilten die Wissenschafter mit.

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Um die Forschung zu beschleunigen, will Vesuvius Challenge, eine Initiative, die neue Technologien zur Entschlüsselung der verkohlten Texte fördert, alle Daten, Codes und Modelle der Papyri online stellen. Zugleich kündigte sie an, eine Million Dollar (881.830 Euro) für die erste Person oder das erste Team auszuloben, die bzw. das eine weitere Schriftrolle vollständig entziffern kann.

"Noch vor einem Jahr wäre es für uns alle undenkbar gewesen, zu glauben, dass wir jemals eine vollständige Schriftrolle mit Hunderten von Textspalten völlig zerstörungsfrei lesen könnten", sagte Brent Seales, Professor für Informatik an der University of Kentucky und einer der Gründer des Projekts. "Heute haben wir Ihnen gezeigt, dass es möglich ist", sagte er auf einer Konferenz, die live aus Neapel übertragen wurde. "Ich bin überzeugt, dass wir jede einzelne Schriftrolle der Sammlung lesen werden."

Die geschwärzten, fragilen Schriftrollen lassen sich nicht ohne schwere Beschädigung öffnen. Forscher haben stattdessen hochauflösende Scans und computergestützte Verfahren eingesetzt, um sie virtuell zu entpacken und die Tinte auf den Papyrusschichten zu erkennen.

Bisher wurden etwa 45 Papyrusrollen und -fragmente gescannt. Mehr als 600 Schriftrollen sind noch ungeöffnet, große Teile der Villa, in der sie gefunden wurden, noch nicht ausgegraben. Dies nährt die Hoffnung, dass weitere Schriftrollen gefunden werden könnten.

Unter den am Donnerstag präsentierten neuen Materialien befanden sich 70 Textspalten aus "Über die Laster, Buch 1", die dem epikureischen Philosophen Philodemos zugeschrieben werden. Fast 1,5 Meter lesbarer Text in 20 Spalten wurde aus einem Dokument aus dem 200. bis 300. Jahrhundert v. Chr. geborgen - der ältesten bisher nicht entrollten Schriftrolle aus Herculaneum. Der Text befasst sich mit Ethik, Kunst und menschlichem Verhalten.

"Selbst mit den besten verfügbaren Methoden ... musste man die Schriftrollen beschädigen, um sie physisch zu entrollen und zu lesen", führte Federica Nicolardi, leitende Papyrologin der Vesuvius Challenge, aus. "Dank der virtuellen Entrollung müssen wir uns nun nicht mehr zwischen der Erhaltung und der Entschlüsselung dieser außergewöhnlichen Artefakte entscheiden. Wir können beides tun."

Die Fortschritte kämen rasant voran. Allein in den vergangenen 24 Stunden hätten die Forscher eine Schriftrolle virtuell vollständig entrollt und dabei etwa 140 Spalten neuen Textes freigelegt. Bis vor Kurzem seien nur etwa zehn Prozent der Spalten zugänglich gewesen.

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