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Prostatakarzinom - Bei niedrigem Risiko Beobachtung empfohlen

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Etwa 1.200 Betroffene sterben jedes Jahr an Prostatakrebs
©APA/APA/dpa/Andreas Arnold
Bei Männern mit einem Prostatakarzinom, das mit einem niedrigen Risiko für schnelles Wachstum und Ausbreitung einhergeht, empfiehlt sich eher eine aktive Überwachung. Chirurgische Entfernung der Prostata oder Strahlentherapie sind hingegen oft mit Potenz- und/oder Harninkontinenz verbunden, haben Wissenschafter anhand von Daten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz herausgefunden.

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Die Wissenschaftergruppe unter Mulham Al-Nader von der Urologischen Universitätsklinik in Essen, unter den Co-Autoren auch Ferdinand Luger vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz, haben die von 6.265 Patienten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz erhobenen Daten aus den Jahren 2016 bis 2023 (Prostate Cancer Outcomes Study) ausgewertet. Die wissenschaftliche Untersuchung ist im "British Journal of Urology International" (DOI: 10.1111/bju.70167) erschienen.

Im Rahmen der Studie zeichneten die Patienten vor Beginn der Behandlung bzw. vor dem Start der Beobachtung und nach jeweils einem Jahr ihre Erfahrungen, Symptome und Beschwerden auf. Das erfolgte auf Fragebögen mit null bis hundert Punkten. "Von den Patienten erhielten 475 eine aktive Überwachung (Behandlung nur nach Anzeichen auf Fortschreiten der Tumorerkrankung; Anm.), 4.352 eine nervschonende radikale Prostatektomie (möglichst schonende Entfernung der Prostata; Anm.), 813 eine nicht nervschonende radikale Prostatektomie und 625 eine Radiotherapie", schrieb das "Deutsche Ärzteblatt" mit Hinblick auf die Studie.

Die Hauptergebnisse: Nach einem Jahr war die Situation der Männer mit Prostatakrebs unter aktiver Überwachung de facto gleich geblieben. Hingegen hatte sich unter nervschonender Entfernung der Drüse die Harninkontinenz um 18 Punkte verschlechtert, die Sexualfunktion um 35 Punkte. Bei nicht nervschonendem Eingriff lag die Verschlechterung bei minus 26 bzw. minus 30 Punkten. Nach Strahlenbehandlung blieb die Harninkontinenz unverändert, die Sexualfunktion verschlechterte sich um zwölf Punkte.

"Der stärkste Verlust der Sexualfunktion wurde bei jüngeren Patienten beobachtet, die stärkste Beeinträchtigung der Kontinenz in der Altersgruppe von 70 bis 79 Jahren. Unter aktiver Überwachung blieben die funktionellen Ergebnisse in allen Altersgruppen stabil", schrieb die deutsche Ärztezeitung. Die Studienautoren: "Die aktive Überwachung wird in der beobachteten Patientengruppe zu selten genutzt." Bei dafür geeigneten Patienten sollte möglichst schonend vorgegangen werden.

Pro Jahr wird die Diagnose Prostatakrebs in Österreich bei rund 8.500 Männern gestellt. Wahrscheinlich sind es aber jährlich an die 11.000 Neuerkrankungen. Etwa 1.200 Betroffene sterben jedes Jahr daran. In absehbarer Zukunft soll ein neues Screeningprogramm viele Prostatakarzinom-Fälle im unheilbaren Spätstadium verhindern. Shahrokh Shariat, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien (AKH), erklärte vor kurzem bei den Praevenire Gesundheitsgesprächen in Alpbach: "Ein organisiertes Screeningprogramm bringt laut Studien um 33 Prozent weniger Fälle im bereits metastasierten Krankheitsstadium und um 40 bis 50 Prozent weniger Todesfälle."

Laut den Plänen sollen alle Männer zwischen 50 und 70 Jahren eingeladen werden und via Hausärzte, Urologen etc. zu Bluttests auf die PSA-Konzentration kommen. Bei niedrigen Werten gibt es längere Intervalle zur Wiederholung, bei erhöhten Werten soll der Urologe aufgesucht werden. Nach neuerlichem Test und verdächtigen Werten folgt eine Magnetresonanz-Untersuchung, schließlich im anhaltenden Zweifelsfall eine Biopsie und weitere Schritte. Gibt es beispielsweise im Abstand von jeweils fünf Jahren drei Mal niedrige PSA-Werte von unter einem Nanogramm pro Milliliter, kann überhaupt auf weitere Screeninguntersuchungen verzichtet werden. Auf diese Weise sollen die Früherkennungsuntersuchungen vor allem zielsicherer werden, unnötige invasive Untersuchungen und Therapien sollen möglichst vermieden werden.

ARCHIV - 19.11.2019, Hessen, Frankfurt/Main: Die Vorsorgeuntersuchung der Prostata findet beim Urologen oder der Urologin statt (Archivbild). (zu dpa: "Ministerin richtet Vorsorge-Appell an Männer") Foto: Andreas Arnold/dpa/dpa-tmn +++ dpa-Bildfunk +++

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