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"Deutschland ist das einzige Land auf der Welt mit einem bevölkerungsweiten Hautkrebsscreening. Der Nutzen ist seit Jahren umstritten", hieß es vor kurzem in einer Presseaussendung zu einer wissenschaftlichen Arbeit, die von Experten des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen und der Universität Lübeck in "JAMA Dermatology" veröffentlicht worden ist (doi: 10.1001/jamadermatol.2026.1527).
Im Jahr 2008 war in Deutschland das Screening-Programm etabliert worden. Seither haben alle Krankenversicherten alle zwei Jahre ein Anrecht auf eine Ganzkörperuntersuchung bei Hausärzten oder Dermatologen auf verdächtige Hautveränderungen. Die Beteiligung war allerdings immer relativ gering. Im Zeitraum von 2019 bis 2022 beteiligten sich laut offiziellen Zahlen in Deutschland zwischen 6,4 bis 9,2 Prozent der berechtigten Versicherten am Hautkrebsscreening in einer Hausarztpraxis sowie 6,2 bis sieben Prozent an einem Screening in einer dermatologischen Praxis. Ungeklärt war, ob solche Früherkennungsuntersuchungen die Mortalität durch Hautkrebs, speziell durch Melanome, verringert.
Das Team um Studienautor Joachim Hübner, Leiter der Klinischen Landesauswertungsstelle im deutschen Bundesland Niedersachsen, ging von einer einfachen Annahme aus: Wenn das Hautkrebs-Screening den erhofften Nutzen hat, müsste sich die Melanomsterblichkeit in Deutschland seit der Einführung des Screenings im Jahr 2008 günstiger entwickelt haben als in neun Nachbarländern, in denen es kein entsprechendes Programm gibt.
Die Ergebnisse der Vergleichsuntersuchung waren eindeutig. "Diese Erwartung bestätigte sich nicht. Im Beobachtungszeitraum 2009 bis 2022 zeigten die Trends in allen untersuchten Ländern einen Rückgang der Sterblichkeit - im Durchschnitt um ca. zwei Prozent jährlich", hieß es in der Aussendung. Im Gruppenvergleich fiel der Rückgang in Deutschland (jährlich minus 1,8 Prozent; Anm.) sogar etwas schwächer aus als in den Nachbarländern. In Deutschland hatte man die Zahlen aus 15 Bundesländern für den Vergleich verwendet.
"Diese Ergebnisse stehen im Einklang mit früheren Studien, die keinen Vorteil hinsichtlich der Melanomsterblichkeit durch das derzeitige deutsche Hautkrebs-Screening-Programm nachweisen konnten", schrieben Hübner und seine Co-Autoren in "JAMA Dermatology". Im Rahmen der aktuellen Bemühungen um Einsparungsmaßnahmen im deutschen Gesundheitswesen könnte es demnach auch zur Abschaffung des Programms kommen. Überlegt wird eventuell eine Konzentration auf besondere Risikogruppen, um die sogenannte "Vortestwahrscheinlichkeit" zu erhöhen und damit mehr Gefährdete in die Gruppe der Untersuchten zu bekommen.
Unbestritten ist hingegen der Wert anderer Krebs-Früherkennungsprogramme: Vor allem die Untersuchungen auf Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen, auf Darmkrebs (vor allem Koloskopie) und die Mammografie (Brustkrebs-Früherkennung). In Österreich soll auch ein Prostatakrebs-Screeningprogramm organisiert werden.
In Deutschland wurde hingegen bereits ein Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm mittels Niedrig-Dosis-CT-Untersuchung von langjährigen Rauchern etabliert. Das wird seit langem auch für Österreich gefordert und könnte die Lungenkrebs-Sterblichkeit (rund 4.000 Todesopfer pro Jahr) um bis zu 45 Prozent reduzieren. Bei einer früh erkannten Lungenkarzinom-Erkrankung liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei bis zu 90 Prozent.
ARCHIV - 25.06.2008, Bayern, Buchloe: Ab einem Alter von 35 Jahren haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf ein Hautkrebsscreening. (zu dpa: «Mehr Hautkrebs-Fälle: Versicherung mahnt Vorsorge an») Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.






