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Die Besucherzahlen waren damit höher als bei früheren Ausgaben, als laut den Veranstaltern rund 170.000 Menschen an der "Langen Nacht der Forschung" teilnahmen. Seit 2005 ist das biennal stattfindende Event das größte im Bereich der Wissenschaftsvermittlung. Es sei die Möglichkeit, mit Forschenden "auf Augenhöhe" in Kontakt zu treten, strich Wissenschaftsministerin Eva Maria Holzleitner (SPÖ) hervor.
Einen kleinen Frühstart legte an der MedUni Wien der Erfolgsautor Thomas Brezina hin. Bereits um 16.00 Uhr, und damit eine Stunde vor dem eigentlichen Kick-off für den Nachmittag und Abend, der landesweit von über 450 beteiligten Organisationen bzw. Ausstellern bestritten wurde, gab Brezina am Hörsaalzentrum des Wiener AKH einen Einblick in "Was dein Körper sagen würde, wenn er sprechen könnte". Das großteils junge Publikum füllte rasch den größten Hörsaal der Medizinischen Universität Wien. Dort erschloss sich Besucherinnen und Besuchern aller Altersklassen mit u. a. moderierten Live-Operationen am Herzen, Gehirn oder an der Niere ein üppiges Angebot.
Auch an der größten heimischen Bildungs- und Forschungseinrichtung, der Universität Wien, füllten sich gleich zu Beginn die Vortragssäle und auch an den zahlreichen Stationen fanden sich viele Interessentinnen und Interessenten ein. Bei freiem Eintritt konnte man den ganzen Abend lang mit Wissenschaft und Forschung im gesamten Land auf Tuchfühlung gehen, an Experimenten teilnehmen, Shows ansehen, möglichst allgemein verständlichen Erklärungen zu komplexen Sachverhalten lauschen oder direkt mit Forschenden aus verschiedensten Fachrichtungen ins Gespräch kommen.
Dieses Faktum stellte auch Wissenschaftsministerin Holzleitner im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien in den Vordergrund: Bei der LNF gehe es darum, in Dialog mit Wissenschafterinnen und Wissenschaftern zu treten. Man könne seine natürliche Neugierde auf verschiedenste Art und Weise befriedigen - sozusagen "ein Leben lang neunjährig sein", sagte die Ministerin.
Nahezu alles, "was wir im täglichen Tun erleben, hat irgendwann in Forschung seinen Ausgang genommen", betonte Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP). Auch zahlreiche Start-ups würden zeigen, "was Forschung für das Land leisten kann". NHM-Generaldirektorin Katrin Vohland strich hervor, dass in Forschung investierte Steuergelder "sinnvoll investiert" seien. Auch das gelte es mit dem vielfältigen Blick hinter die Kulissen einer breiteren Bevölkerung im Rahmen der LNF zu vermitteln.
In diesem Sinne standen am Freitag viele jener Orte auch Laien offen, an denen sonst alltäglich von Expertinnen und Experten geforscht wird. Als Navigationshilfe durch das regional unterschiedlich umfangreiche Programm diente die Veranstaltungs-Website (https://langenachtderforschung.at/). Getragen wird die "Lange Nacht der Forschung" vom Wissenschaftsministerium, den beiden weiteren mit Forschungsagenden betrauten Ressorts, dem Infrastruktur- und Wirtschaftsministerium sowie den Bundesländern.
Auch in den Bundesländern legten sich die Forschungsgemeinden punkto Vermittlung und Erklärung ihrer Arbeit gehörig ins Zeug: In Linz konnten Besucher etwa ein 20 Meter langes, begehbares Darmmodell, Forschung zu Pilzen als Dämmmaterial oder auch den Deep Space in verschiedenen Anwendungen im Ars Electronica Center erkunden. Die IT:U Digitaluniversität präsentierte ihre Arbeit an den Minisatelliten "CubeSats". An der Johannes Kepler Universität (JKU) erforschte man etwa die Frage nach Materialien, die die Reise zum Mars ermöglichen. Ebenso: Schlagen uns die Roboter in Sachen Schlauheit oder nicht?
Die JKU bespielte auch ihre Medizinische Fakultät beim Kepler Universitätsklinikum, ähnlich wie in Wien unter anderem auch mit Live-Operationen. Die Anton Bruckner Universität spürte Nikolaus Harnoncourts Noten nach und an der Linzer Kunstuniversität präsentierte man die Darstellung zur rasanten Schmelze von Gletschern. Insgesamt waren die Standorte in ganz Oberösterreich auf zwölf Regionen verteilt. So boten etwa die Fachhochschulen Oberösterreich zahlreiche Stationen in Linz, Steyr, Wels und Hagenberg an.
In der Steiermark gab es in Graz, Kapfenberg, Leoben und Weiz insgesamt rund 400 Programmpunkte. Der steirische Wissenschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer (ÖVP) zeigte sich im Grazer Lendhafen stolz auf die Forschungslandschaft. Bei der LNF sei vor allem auch wichtig: "Junge Leute zu inspirieren und für den Forschungsstandort Steiermark zu begeistern."
In Graz konnte man z. B. an der MedUni Fadenwürmern beim Altern zuschauen, die Unibibliothek zeigt hunderte Jahre alte Bücherschätze, bei Joanneum Research wurde erklärt, wie Kakaoplantagen mithilfe von Satelliten überwacht werden. Auch Unternehmen wie zum Beispiel AVL, Infineon und Anton Paar öffneten ihre Pforten und führten durch ihre Produktionsstätten. Bei den "Science Talks" wurde unter anderem zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) diskutiert.
"So groß wie noch nie" war die Veranstaltung im südlichsten Bundesland. Rund 9.000 Besucherinnen und Besucher strömten am Freitagabend auf den gemeinsamen Campus von Universität Klagenfurt und Lakeside Park, wo es 106 Stationen auf einer Veranstaltungsfläche von 27 Hektar gab. Rund 500 Forscherinnen und Forscher präsentierten ihre Arbeit - von der Gletscherschmelze bis zur Frage, ob Videospiele Menschen weiser machen können.
In der Tiroler Landeshauptstadt herrschte trotz frühsommerlicher Temperaturen und strahlend blauem Himmel bereits am späten Nachmittag und am frühen Abend reges Interesse an den diversen Forschungs- und Wissensstationen. Im Hauptgebäude der Universität Innsbruck ließ sich dabei etwa ganz handfest und publikumswirksam bei einem Politik-Quiz austesten, was man über "Österreich, Europa und die Welt" weiß.
Ein wenig abstrakter ging es im Chemie-Gebäude zu, das sich zunehmend zum eigentlichen Besucher-Hotspot mauserte. Dort ließ sich beispielsweise die Frage ergründen, ob Kinder oder Erwachsene die besseren kognitiven Fähigkeiten hätten.
Im "Agnes-Heller-Haus" wiederum durfte es etwas haptischer werden. "Wie entsteht ein Schwert" war dort die Fragestellung an einer Station, die nicht mit entsprechenden Ausstellungsstücken geizte. Geistiger ging es schließlich an der nahe gelegenen geisteswissenschaftlichen Fakultät zu. In einem Vortrag bekamen die Besucherinnen und Besucher die Frage beantwortet, ob es in der frühen Neuzeit bereits schreibende Frauen gab, die lateinische Texte verfassten.
(S E R V I C E - Offizielle LNF-Website: https://langenachtderforschung.at/ ; Der Liveblog zum Nachlesen: https://science.apa.at/ - er wurde mit Unterstützung der "Langen Nacht der Forschung" und des Wissenschaftsministeriums produziert. Die redaktionelle Verantwortung lag alleinig bei der APA.)
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Täuber





