von
Braunwald wurde am 15. August 1929 in Wien geboren. Er, sein Bruder und seine Eltern mussten 1938 als Menschen jüdischer Herkunft vor der Verfolgung durch das NS-Regime flüchten. Die Flucht vor dem Terror der Nationalsozialisten führte über Großbritannien in die USA.
In den Vereinigten Staaten studierte Braunwald Medizin und absolvierte die Facharztausbildung in Interner Medizin. Für die moderne Medizin, speziell in Sachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, extrem wichtig wurden die Studien unter seiner Federführung, die beispielsweise zur Etablierung der Therapien zur Cholesterinsenkung in der Herzinfarktprävention und zur wirksamen Behandlung chronischer Herzschwäche führten. Der Kardiologe, auch Herausgeber und Co-Autor vieler Lehrbücher in seinem Fachgebiet, arbeitete als Professor vor allem an der Harvard Medical School bzw. am Brigham and Women's Hospital in Boston (US-Bundesstaat Massachusetts).
Ab 1984 gründete Braunwald die "Thrombolysis in Myocardial Infarction"-Studienreihe (TIMI), mit der das Behandlungsprinzip der Auflösung der beim akuten Herzinfarkt aufgetretenen Blutgerinnsel in einem Koronargefäß durch Medikamente erfolgreich erforscht und in die Praxis umgesetzt wurde.
Anfang der 1990er-Jahre leitete der Kardiologe mit seinem Kollegen Marc Pfeffer die sogenannte SAVE-Studie, in der belegt wurde, dass zuvor vor allem als Blutdruckmedikamente verwendete ACE-Hemmer die Entwicklung von chronischer Herzschwäche nach einem Herzinfarkt und weitere akute Komplikationen verhindern können. "Die ACE-Hemmer haben eine Wirkung auf die langfristige Gestaltveränderung des Herzens nach einem Infarkt", erklärte Braunwald im Frühjahr 1992 bei einem Kardiologenkongress in Mannheim. Durch die Anwendung des ACE-Hemmers Captopril hatte sich die Sterblichkeit von Patienten nach einem Herzinfarkt um rund 20 Prozent senken lassen.
Ähnlich wichtig waren die wissenschaftlichen Beiträge Braunwalds zur Rolle der Blutfette bei der Entstehung der Gefäßverkalkung (Atherosklerose), die zu Herzinfarkten, Schlaganfällen etc. führen kann. Ende März 1993 stellte der Wissenschafter bei der Jahrestagung des American College of Cardiology in Orlando im US-Bundesstaat Florida die damals zukunftsweisenden Ergebnisse seiner "CARE"-Studie vor.
Damit wurde belegt, dass eine per Statin-Medikament starke Senkung der Cholesterinwerte bei Infarktpatienten mit durchaus durchschnittlichen Blutfettspiegeln eine Verringerung des Risikos für einen neuen Infarkt oder den Herztod um 24 Prozent bringt. Die Gefahr, einen weiteren und tödlichen Infarkt zu erleiden, sank um 37 Prozent.
"Das ist die erste klinische Studie, in der bewiesen werden konnte, dass eine Senkung des Cholesterins bei Patienten nach einem Infarkt und durchschnittlichen Blutfettwerten die Todesrate infolge der Herzkrankheit bzw. das Risiko für einen neuen Infarkt verringern kann", sagte der Kardiologe damals gegenüber der APA.
Der Herzspezialist bekam international hohe Ehrungen. 1995 erhielten Braunwald und der US-Onkologe Henry Rappaport, letzterer 1913 in Lemberg geboren und somit ebenfalls mit österreichischen Wurzeln, das Ehrendoktorat für Medizin der Wiener Alma Mater Rudolphina. 2014 sprach er an der MedUni Wien aus Anlass der Feier ihres damals zehnjährigen Bestehens. Im neuen Center for Translational Medicine der MedUni Wien wird ein Hörsaal den Namen des Kardiologen tragen, das "Eugene Braunwald Auditorium".
BOSTON (MASSACHUSETTS) - USA: FOTO: APA/American Heart Association archives





