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Es müsse jedoch die Zielrichtung der Reform "nochmals klargestellt werden", hieß es seitens des Behindertenrates, der als gesetzlich verankerte Interessenvertretung der 1,4 Millionen Menschen mit Behinderungen in Österreich fungiert. Zentral sei demnach die Stärkung des gleichberechtigten Zugangs zum allgemeinen Bildungssystem sowie der schrittweise Abbau segregierender (trennender, Anm.) Strukturen wie etwa Sonderschulen. "Dazu bedarf es unter anderem angemessener Vorkehrungen und notwendiger bedarfsgerechter Unterstützungsleistungen für Schüler *innen mit Behinderungen in Österreich", hieß es in einer Aussendung des Behindertenrates.
Behindertenratspräsident Klaus Widl verwies darauf, dass sich Österreich mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet habe, ein inklusives Bildungssystem zu gewährleisten. "Daran muss sich auch diese Reform messen lassen."
Weiter ganz oben auf der Forderungsliste steht ein Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf - "inklusive einer rechtlichen Absicherung des Zugangs zur gesamten Sekundarstufe II". Darüber hinaus müsse die Reform sicherstellen, "dass inklusive Pädagogik kein Spezialthema" einzelner Sonderpädagoginnen und -pädagogen sei. Es brauche im Gegenteil "so viel inklusive Pädagogik wie möglich".
"Grund zur Hoffnung" würden die Entwicklungen im Bereich der Neukonzeption des sonderpädagogischen Förderbedarfs machen. So seien neben der bundesweiten Vereinheitlichung vor allem der Fokus auf Prävention und eine breite sowie ehestmögliche Unterstützung der Kinder und Jugendlichen positiv zu erwähnen.
Damit die Reform wie anvisiert mit dem Schuljahr 2027/28 starten kann, brauche es nun "konkrete Verhandlungsergebnisse" durch die Koalitionspartner. "Es ist jetzt an der Zeit, dass alle politisch Verantwortlichen gemeinsam an einem Strang ziehen", so Widl.
Auch der ÖGB schloss sich den Forderungen am Montag an. Inklusion müsse bereits im Kindergarten und in der Schule "selbstverständlich gelebt werden", hieß es in einer Aussendung. Kinder und Jugendliche sollten "früh erfahren, dass Menschen verschieden sind und dennoch gemeinsam lernen und Verantwortung übernehmen können", erklärt Patrick Berger, Leiter des Chancen Nutzen Büros des ÖGB. Wichtig seien außerdem mehr Wahlfreiheit und ausreichend unterstützte Bildungswege. "Solange bestimmte Schulen und Ausbildungswege für Menschen mit Behinderungen faktisch nicht offenstehen, kann von echter Chancengleichheit keine Rede sein", so Berger.
Bereits Anfang Mai hatte der Behindertenrat in einem offenen Brief an Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) Mängel bei der Reform der inklusiven Bildung kritisiert. Der Rat verwies damals auf die zur Umsetzung auch der Maßnahmen aus dem Regierungsprogramm Anfang April 2026 eingerichteten Arbeitsgruppen zur Reform der inklusiven Bildung. Beim damaligen Prozess sah der Behindertenrat noch "deutliche Schwächen". Damals hieß es noch, die in den Arbeitsgruppen diskutierten Entwürfe würden in weiten Teilen im Widerspruch zu den im Regierungsprogramm verankerten Maßnahmen stehen.
