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"Herzschmerzen" - Risikoberechnung erspart oft Notfallambulanz

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Unnötige Krankentransporte könnten verhindert werden
©Gruber, APA, JAKOB GRUBER
Eine genauere Risikoberechnung bei Personen, die wegen "Herzschmerzen" die Rettung alarmiert haben, kann bei vielen Betroffenen eine unnötige Fahrt in die Notfallambulanz verhindern. Das hat eine in Rotterdam durchgeführte Studie ergeben, die am Freitag beim Europäischen Kongress für Notfallmedizin in Paris vorgestellt wurde.

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"Derzeit werden etwa 95 Prozent der Menschen mit Brustschmerzen per Krankenwagen in eine Notaufnahme gebracht, um dort weiter untersucht zu werden. Nur bei einem geringen Teil der Betroffenen liegt jedoch eine schwerwiegende Herzerkrankung vor", hieß es in einer Aussendung der Kongressveranstalter. Mehr Treffsicherheit bei der Ersteinschätzung der Situation der Patienten beim Eintreffen des Rettungsdienstes könnte demnach Stress und unnötige Krankentransporte sowie die aufwendige Abklärung in Notfallambulanzen verhindern.

Der Rettungsdienst Rotterdam-Rijnmond hat deshalb eine wissenschaftliche Studie durchgeführt. Sie umfasste 1.022 Patienten mit akuten Brustschmerzen im Zeitraum von 2022 bis 2025. Im ersten Teil der Untersuchung erhielten 539 Patienten mit akuten Brustschmerzen die übliche Versorgung, bevor über eine Einweisung ins Krankenhaus entschieden wurde. Diese umfasste die Entsendung eines Rettungswagens. Unter Verwendung der Krankheitsgeschichte der Patienten, ihres Alters, des EKG-Befundes und unter Einbeziehung von Risikofaktoren wurde die potenzielle Gefährdung in einem sogenannten HEART-Score berechnet. Falls keine Anzeichen für akute Herzprobleme oder eine andere schwerwiegende Erkrankung vorlagen, die eine sofortige Behandlung erforderten, wurde der Patient zu Hause belassen oder an seinen Hausarzt überwiesen.

Im zweiten Teil der Studie mit 483 Patienten wurde anders vorgegangen. Die Erstuntersuchung umfasste zusätzlich eine sofortige Blutabnahme und einen Schnelltest auf Troponin. Troponin ist ein seit Jahren verwendeter Marker für eine aufgetretene Schädigung des Herzmuskels. Der Schnelltest liefert binnen 20 Minuten ein Ergebnis. Die Blutprobe wurde analysiert, während das Team alle anderen üblichen Untersuchungen und Beurteilungen durchführte. Schließlich wurde das Ergebnis des Troponin-Schnelltests in den HEART-Score integriert, um das Risiko des Patienten für ein schwerwiegendes Herz-Kreislauf-Ereignis (MACE) wie Schlaganfall, Herzinfarkt (Myokardinfarkt) oder Tod infolge von Herz- oder Gefäßerkrankungen womöglich noch genauer zu bestimmen.

Die Erfahrungen sprechen für den HEART-Score mit Einbindung der Blutuntersuchung. "In der Phase vor der Einführung des hochsensitiven Troponin-Schnelltests durch die Rettungssanitäter konnten 19 Patienten (3,5 Prozent; Anm.) zu Hause bleiben, während es in der Phase nach der Einführung des Tests 165 Patienten (34,2 Prozent) waren. Das heißt, mehr als ein Drittel der Patienten musste nicht in eine Notfallambulanz, nachdem sie von den Rettungssanitätern mithilfe des hochsensitiven Troponin-Tests und des HEART-Scores untersucht worden waren", erklärte bei dem Kongress die Rotterdamer Notfallmedizinerin Barbra Backus. Bei einem niedrigen Troponin-Spiegel im Blut sowie nach Ausschluss anderer akuter schwerwiegender Erkrankungen (z. B. Lungenembolie) könne der Betroffene durch den Hausarzt betreut werden.

Bei einer Nachbeobachtungsrate von 86 Prozent der Patienten stellten die Studienautoren fest, dass 109 Patienten (12,4 Prozent) innerhalb von 30 Tagen eine schwere, akute Herz-Kreislauf-Komplikation entwickelten: 15 Prozent vor und 9,8 Prozent nach Einführung des Troponin-Schnelltests. Von den Patienten, die nach der Einführung des Tests zu Hause blieben, erkrankte nur einer von 165 (0,6 Prozent) innerhalb von 30 Tagen, verglichen mit keinem von 19 Patienten vor der Einführung des Tests.

Diese Studie stelle die erste praktische Anwendung eines hochsensitiven Troponin-Schnelltests im Rettungsdienst einer großen Stadt dar und erhöhe die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die klinische Routine, hieß es in der Aussendung. Laut Notfallmedizinerin Barbra Backus soll diese Art der Risikoabklärung bei Patienten mit möglichen Anzeichen eines Herzinfarktes etc. im kommenden Jahr in den Niederlanden verpflichtend werden. "Ich denke, sie ist auch auf die Gesundheitssysteme vieler anderer Länder anwendbar", sagte sie.

++ THEMENBILD ++ Illustration zum Thema Rettungsdienst / Rotes Kreuz / Rettung. Im Bild: Ein Sanitäter vor einem Rettungswagen aufgenommen am Sonntag, 17. Februar 2019, in Schwaz. (GESTELLTE SZENE).

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