von
Die wissenschaftliche Studie (BMJ Open Respiratory Research; doi:10.1136/bmjresp-2024-002462) mit Daten aus der nationalen US-Gesundheitsbefragung (NHIS; 12.600 Frauen und 10.400 Männer) hat unter den Lungenspezialisten international für großes Aufsehen gesorgt. An chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) litten 7,8 Prozent der Frauen, hingegen 6,5 Prozent der Männer. Dabei erklärten fast 27 Prozent der Frauen, nie Zigaretten geraucht zu haben. Bei den Männern waren es 14 Prozent. Raucherinnen gaben darüber hinaus auch geringeren Zigarettenkonsum als Raucher an.
Laut Valipour, Leiter der Lungenabteilung an der Klinik Floridsdorf in Wien, sind Frauen, was ihre Lungengesundheit und das Risiko für Erkrankungen betrifft, offenbar benachteiligt. Rauchen verursache bei Frauen mehr Lungenschäden. Eine COPD sei bei Frauen unter 60 Jahren und Nichtraucherinnen häufiger als bei Männern. Schließlich hätten Patientinnen mit der chronisch entzündlichen Lungenerkrankung, die zu einer Abnahme der Lungenfunktion führt, häufiger Atemnot-Attacken und müssten deshalb öfter ins Spital, erklärte der Experte vor wenigen Tagen bei der Jahres-Pressekonferenz der Praevenire-Gesundheitsinitiative.
Die größere Gefährdung von Frauen in Sachen Lungenerkrankungen schlage auch beim Lungenkarzinom durch, so Valipour. Die Lungenkrebshäufigkeit bei Frauen steige. Diese Karzinome seien auch bei Nicht-Raucherinnen häufiger als bei Männern. Hier geht es vor allem um Lungenkrebs infolge von spezifischen Genmutationen, was Männer seltener betrifft. Zusätzlich erkrankten Frauen unter 50 öfter an einem Lungenkarzinom als Männer.
Doch Benachteiligungen zeigen sich auch im Rahmen der medizinischen Versorgung. Trotz ähnlichem Rauchverhalten und Atemnot werde bei Frauen seltener eine Lungenfunktionsprüfung durchgeführt, so der Pneumologe. Hinzu kämen auch Versäumnisse in der Therapie. "Die Behandlung von Atemwegs- und Lungenerkrankungen wird bei Frauen oft nicht ausgereizt", sagte Valipour. Zusammen mit der höheren Vulnerabilität von Frauen verursache das schlichtweg Nachteile, die derzeit noch nicht ausreichend berücksichtigt würden.
++ ARCHIVBILD ++ ARCHIV - 19.11.2024, Berlin: Ein Aschenbecher mit konsumierten Zigaretten und Tabaksticks steht auf einem Tisch. (zu dpa: «Sterberaten bei Lungenkrebs gehen in der EU zurück») Foto: Hannes P Albert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. (ARCHIVBILD VOM 19.11.2024)




