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Experten: "Rückläufige" klinische Forschung ließe sich gut ankurbeln

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Weiniger klinische Studien in Österreich
©APA/APA/dpa/Uwe Anspach
Die Durchführung von Industrie-gesponsorten klinischen Studien ist in Österreich, wie auch in anderen europäischen Ländern, "leicht rückläufig", erklärten Expertinnen und Experten am Dienstagnachmittag vor Journalisten. Dies verwehre Patienten den Zugang zu neuen Therapieangeboten und mindert Entwicklungschancen für Mediziner. Wie man den Sektor deutlich ankurbeln kann, zeigen andere Länder. In Österreich könne man mit kleineren Maßnahmen viel erreichen, hieß es.

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Es gebe gute Beispiele, die zeigen, dass es auch anders geht. So hätten etwa Dänemark und Belgien, in etwa mit Österreich vergleichbare Staaten, Strategien entwickelt, wie man im weltweiten Konzert mitspielen kann. Tendenziell werden große klinische Studien im fortschreitenden Zulassungsprozess heutzutage in vielen über die Welt verteilten Zentren durchgeführt. Hier mitzumachen, biete für den Standort Vorteile.

Im Jahr 2024 wurden hierzulande 430 Industrie-gesponserte klinische Prüfungen durchgeführt - im Jahr 2021 waren es noch 492. Die Teilnahme bringe insgesamt einen früheren Zugang zu neuen Therapien, den Patientinnen und Patienten eine intensivere Betreuung, den Ärzten Chancen zur internationalen Forschungstätigkeit und den Krankenhäusern und medizinischen Institutionen mehr Fachwissen. Man sehe etwa, dass Zentren, die hier aktiv sind, in der Regel treffsicherer diagnostizieren und therapieren, erklärte Dejan Baltic von der Firma Amgen, der sich im Rahmen des Verbandes der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) im Komitee für Klinische Forschung engagiert. Angesichts der aktuellen Entwicklung "muss man das Ruder wieder herumreißen", so Baltic.

Die Entlastung für das österreichische Gesundheitssystem und die Wertschöpfung aus dem Sektor hat sich das Institut für Pharmaökonomische Forschung (IPF) genauer angesehen: Dort kommt man auf eine Ersparnis von knapp 123 Millionen Euro pro Jahr für das Gesundheitssystem. Verglichen mit der Vorstudie aus dem Jahr 2020 ist dieser Anteil inflationsbereinigt etwas weniger geworden. Im Schnitt werden Patienten im Rahmen der Studien rund 39 Monate betreut, der Behandlungswert belaufe sich auf ungefähr 52.000 Euro pro Person, rechnete IPF-Geschäftsführerin Evelyn Walter vor. Insgesamt leiste der Sektor einen jährlichen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von 174 Mio. Euro.

In dem Bereich lasse sich jedenfalls mehr Beschäftigung und Wertschöpfung lukrieren als mit gleich hohen Investitionen im Tourismus, weil innovative Branchen hier insgesamt mehr bewegen würden, so die Forscherin, die mit Kolleginnen und Kollegen die Analyse im Fachmagazin "Journal of Medical Economics" publiziert hat. Trotz guter medizinischer Infrastruktur und renommierten Spezialisten tue sich aber eher wenig. Es sei ein "täglicher Kampf, um Österreich auf dem großen Parkett zu halten", so der Tenor im von der Pharmig veranstalteten Pressegespräch.

Für die Leiterin des Tumorzentrums Oberösterreich, Kathrin Strasser-Weippl, hat Österreich die nötigen Kompetenzen, um stärker mitzuspielen. Ansetzen sollte man zum Beispiel bei den immer komplexer werdenden Rahmenbedingungen und Regularien für die Teilnahme an klinischen Prüfungen. Wenn man als außerhalb des universitären Systems liegende medizinische Einrichtung ohne expliziten Forschungsauftrag einsteigen möchte, würden Vertragserstellungen bis zu 300 Tage dauern. Das sei "international nicht wettbewerbsfähig" und dementsprechend "bitter". Es brauche verstärkt Möglichkeiten, Personal und Räume an Zentren für einschlägige Studien zu nutzen. Das halte auch vielleicht abwanderungswillige Jungärzte im Land. Für Krebspatienten heiße es letztlich: "Wenn es die Studie hierzulande nicht gibt, gibt es auch keinen Zugang zu einem neuen Medikament."

Der Präsident der Gesellschaft für Pharmazeutische Medizin, Bernhard Mraz, pochte jedenfalls auf eine nationale Strategie für den Bereich. Spanien habe eine solche und mittlerweile zu einem "Höhenflug" angesetzt. Ein Schritt wäre etwa die Gründung einer "Multi-Stakeholder-Plattform für klinische Studien", denn letztlich könnten diese auch "viel Geld sparen".

(S E R V I C E - Die Studie online: https://doi.org/10.1080/13696998.2026.2678777 ; Pharmig-Website: https://www.pharmig.at )

06.02.2024, Baden-Württemberg, Mannheim: Ein Mitarbeiter hält im Werk der Roche Diagnostics GmbH eine Phiole mit dem Wirkstoff des Produkts Elevidys zur Therapie der Duchenne Muskeldystrophie in der Hand. Heute fand die Bilanzpressekonferenz von Roche Pharma statt. Foto: Uwe Anspach/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.

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