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Für das Experiment platzierten die Forschenden des Dartmouth College (USA) und der Universität Freiburg (Schweiz) drei Tintenfische der Art "Octopus bimaculoides" einzeln in einem Startbehälter innerhalb eines Aquariums. Von diesem Behälter aus konnten die Tiere eine virtuelle Krabbe nur als Reflexion in einem gegenüberliegenden Spiegel sehen.
Der direkte Blick auf die Projektion der Krabbe war durch die Wände des Behälters blockiert. Um eine echte Krabbe als Belohnung zu erhalten, mussten die Tintenfische den Behälter verlassen und sich zu der Seite der Rückwand bewegen, an der die virtuelle Krabbe projiziert wurde, anstatt zum Spiegel zu schwimmen.
Die Oktopusse meisterten die Aufgabe prompt: In 73 Prozent der Testdurchläufe wählten sie den korrekten Weg - statistisch signifikant über dem Zufall. Mit zunehmender Erfahrung gelangten sie immer schneller ans Ziel. Teilweise kletterten die Tiere sogar direkt über die Seitenwände des Startbehälters. Sie bewegten sich also ganz bewusst vom verlockenden Spiegelbild weg, um die blockierte Beute auf direktem Weg zu erreichen. Das beweist laut den Forschenden nicht nur, dass die Tiere den Impuls eines direkten Angriffs auf einen optischen Reiz unterdrücken können, sondern dass sie die Spiegelinformationen mit einer inneren 3D-Karte des Beckens verknüpfen.
Bedeutend ist der Nachweis dieser Fähigkeit bei Oktopussen insbesondere aus evolutionärer Perspektive: Der letzte gemeinsame Vorfahre von Wirbeltieren und Kopffüßern, zu denen die Oktopusse gehören, lebte vor über 520 Millionen Jahren. Seither haben sich die Gehirne beider Gruppen völlig unabhängig voneinander entwickelt. Dass Oktopusse nun dieselbe Fähigkeit zur Spiegelnutzung zeigen wie manche hoch entwickelten Wirbeltiere, deutet darauf hin, dass die Natur hier unabhängig voneinander die gleiche clevere Lösung für räumliche Navigationsprobleme hervorgebracht hat.
(S E R V I C E - Fachartikelnummer DOI: 10.1016/j.cub.2026.05.012)
Ein Tiefsee-Oktopus (Grimpoteuthis sp.) in der Tiefsee. Das Leben in der Tiefsee ist reich und bunt, auch wenn kein Sonnenstrahl Neptuns dunkelstes Reich je erreicht. "Die Tiefsee ist das größte zusammenhängende Ökosystem der Welt und der größte Siedlungsraum für Leben. Sie ist aber zugleich auch das am wenigsten erforschte", sagt Prof. Chris German vom internationalen Projekt Census of Marine Life, das seit dem Jahr 2000 eine Art «Volkszählung» der Lebewesen unter Wasser durchführt. 17650 Tierarten haben die Forscher inzwischen in den scheinbar unwirtlichen Tiefen der Weltmeere registriert, wie sie am Sonntag in einer Zwischenbilanz mitteilten.Foto: Census of Marine Life/David Shale. (zu Korr: "Riesenkraken und Seegurken: In der Tiefsee wimmelt es von Leben" vom 22.11.2009) +++(c) dpa - Bildfunk+++






