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"Interessant ist ja: Diese "anderen" sind selten vollständig anwesend", sagt der Erziehungsberater und Buchautor Jan-Uwe Rogge. Heißt: Natürlich dürfen nicht ausnahmslos alle anderen Kinder das, was man dem eigenen nicht erlauben will. Bei näherem Nachfragen bekommt das Kind vielleicht nur eine Handvoll Beispiele zusammen: mit großem Gestammel drei Kinder aus der Klasse, nach verschärftem Nachdenken noch zwei Cousinen.
"Trotzdem kann dieser Satz stark verunsichern", so Rogge. Denn er treffe Eltern an einer empfindlichen Stelle, löse Fragen und Zweifel aus, etwa: Bin ich zu streng? Bin ich ungerecht? Verbaue ich meinem Kind den Anschluss?
Kinder spüren das dem Erziehungsberater zufolge und bohren gezielt nach, weil sie herausfinden wollen, wie belastbar eine Grenze ist. Das A und O in dieser Situation: die Grenze wahren und nicht auf Verhandlungen einlassen, nur weil das Kind testet, so sein Rat.
Dabei muss man die Grenze auch nicht groß rechtfertigen oder argumentieren, warum in der eigenen Familie andere Regeln gelten als in anderen. Im Gegenteil. Es reicht laut Rogge, freundlich und klar zu sagen: "Das kann sein. Bei uns gilt diese Absprache".
Denn andere Familien seien nicht der Maßstab, einen Vergleich mit anderen Eltern brauche es auch nicht. Was zählt, seien das eigene Kind, die eigene Familie, die spezifische Situation.
Und auch wenn es streng oder hart wirken mag, dem Kind tut man damit einen Gefallen, so Rogge. "Kinder brauchen solche Sätze, weil sie daran spüren: Da ist jemand, da bleibt jemand, da wackelt nicht alles, nur weil ich wackle und teste."
ZUR PERSON: Jan-Uwe Rogge, 1947 geboren, ist seit fast 50 Jahren als Familien- und Kommunikationsberater tätig und hat mehrere Sachbücher zu Erziehungsthemen geschrieben. Am 1. Juli erscheint sein neues Werk "Grenzen setzen ist (k)ein Kinderspiel".
NOTTENSDORF - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/gms/Christin Klose/Christin Klose
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