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Causa Epstein: Wird Harvard-Mathematiker Nowak jetzt von der ÖAW ausgeschlossen?

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Der Mathematiker hatte enge Verbindungen zu Epstein

Martin Nowak

©Mueller, CHRISTIAN MUELLER, APA

Seit der Nachkriegszeit hat es keinen Fall eines Ausschlusses eines Mitglieds aus der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mehr gegeben. Entscheidung wird im April erwartet.

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Ein Ethik-Komitee der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) prüft die Mitgliedschaft des Mathematikers Martin Nowak wie auch von dessen Doktorvater Karl Sigmund im Zusammenhang mit den Akten um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, wie der ORF berichtete. Seit der Nachkriegszeit gab es "keinen Fall eines Ausschlusses eines Mitglieds", so die ÖAW zur APA.

Unabhängige und weisungsfreie Überprüfung

Der österreichische Biomathematiker Nowak war bereis vergangene Woche wegen seiner Verbindungen zu Epstein von der US-Eliteunversität Harvard freigestellt worden. Nowak hatte häufige persönliche Kontakte mit dem New Yorker Multimillionär gehabt, der ihm großzügige Spenden für seine Forschung zukommen ließ und ihn auch in seinem Testament bedachte.

Epstein, der 2019 in Haft starb, soll zahlreiche junge Frauen, darunter auch Minderjährige, sexuell missbraucht und zum Teil an Bekannte weitergegeben haben. Er hatte ein weit verzweigtes internationales Netzwerk geknüpft und regelmäßigen Kontakt zu zahlreichen prominenten Personen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft gehabt.

Die ÖAW habe sofort nach Bekanntwerden der neuen Informationen nach Veröffentlichung von Millionen Epstein-Akten durch das US-Justizministerium ein Ethikkomitee eingesetzt. "Dieses prüft unabhängig und weisungsfrei die Anschuldigungen auf Basis der öffentlich vorliegenden Informationen sowie einer Anhörung", so die Akademie in einem Statement. Das vom evangelischen Theologen Ulrich Körtner, langjähriger Leiter des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin an der Universität Wien, geleitete Komitee werde die weitere Vorgehensweise empfehlen. Körtner ist kein Mitglied der ÖAW.

Nach Empfehlung des Ethikkomitees wohl Entscheidung im April

"Über einen Ausschluss entscheiden können nur die Mitglieder der ÖAW, diese Entscheidung wird unmittelbar nach Vorliegen der Empfehlung des Ethikkomitees im April erfolgen", hieß es weiters gegenüber der APA. Laut ÖAW-Satzung kann "die Gesamtsitzung bei Anwesenheit von zwei Dritteln der in § 6 Abs. 1 lit. a der Satzung angegebenen Gesamtzahl der wirklichen Mitglieder nach Empfehlung einer zur Begutachtung und Beratung des Falles eingesetzten Kommission nach Anhörung des betroffenen Mitglieds dessen Ausschluss beschließen".

Karl Sigmund bat ÖAW um Prüfung

Neben Nowaks Mitgliedschaft untersucht das ÖAW-Komitee auch jene des Mathematikers Sigmund. Der Doktorvater Nowaks bestätigte der APA, dass er aufgrund von Zusammentreffen mit Epstein die Akademie selbst ersucht hatte, seine – seit 1999 bestehende – ÖAW-Mitgliedschaft zu prüfen. Der ORF hatte von einem Zusammentreffen von Epstein und Sigmund im September 2018 in New York und im März 2019 in Wien berichtet.

Gegenüber ORF Wissen gibt Sigmund an, er habe Epstein getroffen, weil er sich "ein persönliches Bild machen wollte". "Bei den Treffen ging es ausschließlich um wissenschaftliche und wissenschaftstheoretische Fragen, vor allem um Mathematik und den Wiener Kreis. Weder war Epstein bei den Treffen in weiblicher Begleitung, noch hatte ich Kontakt zu anderen von ihm vermittelten Personen, noch sind jemals Gelder an mich oder meine Projekte geflossen", wurde er zitiert.

Harvard prüft zum zweiten Mal

Martin Nowaks enge Verbindungen zu Epstein waren bereits vor einigen Jahren Gegenstand von Untersuchungen seitens der US-Eliteuniversität, an der der Österreicher seit über 20 Jahren tätig ist. Im Jahr 2021 wurden ihm ob der auch für das auf Mäzenatentum ausgerichteten US-Wissenschaftssystem ungewöhnlich starken persönlichen Verbindungen zu Epstein Auflagen erteilt, die dann im Jahr 2023 wieder aufgehoben wurden.

Die in den vergangenen Monaten vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten hätten neue Informationen über den Biomathematiker zutage treten lassen, hieß es seitens der US-Elite-Uni jüngst, sodass nun eine formelle interne Untersuchung veranlasst wurde. Sie soll klären, ob Nowak die Vorgaben und Standards der Universität verletzt habe. In einer Stellungnahme gegenüber ORF Wissen hatte Nowak betont, er sei von der Universität dazu gedrängt worden, Epstein-Gelder für akademische Unternehmungen zu lukrieren. Er bereue "zutiefst, seine Unterstützung zugelassen und gefördert zu haben".

Nowak wurde 2001 als "Korrespondierendes Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse im Ausland" in die ÖAW aufgenommen. Ein etwaiger Ausschluss wäre ein Novum in der Nachkriegszeit. 1945 wurde zwar die Mitgliedschaft von wirklichen ÖAW-Mitgliedern, die NSDAP-Angehörige waren, ruhend gestellt und in der Folge sechs Mitglieder ausgeschlossen. Doch 1948 wurden nach der "Minderbelastetenamnestie" mit drei Ausnahmen alle ruhend gestellten oder ausgeschlossenen Mitglieder wieder in die ÖAW aufgenommen und auch die drei davon ausgenommenen Personen in den folgenden Jahren wiederaufgenommen, wie aus der dreibändigen ÖAW-Geschichte "Die Österreichische Akademie der Wissenschaften 1847-2022" (Verlag der ÖAW, 2022) hervorgeht.

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